„Ein getragener Verein“ – ein Slogan, der in seiner Mehrdeutigkeit kaum passender beschreiben könnte, wie wir und auch viele weitere Fans und Mitglieder derzeit auf unseren 1. FC Saarbrücken e.V. blicken. Besonders zutreffend erscheinen diese Worte natürlich angesichts der euphorisierenden ersten beiden Spiele der neuen Saison und umso leichter gehen damit auch die folgenden Zeilen von der Hand. Denn mit ein wenig Verspätung wollen wir als Virage Est wie auch schon in den vergangenen Sommern heute unsere Sicht auf die aktuellen vereinspolitischen Vorgänge darlegen. Durch uns alle erkämpft, können wir uns auch unabhängig des erfolgreichen Saisonstarts im Vergleich zu den Vorjahren mit dieser Stellungnahme unter gänzlich veränderten Umständen zu Wort melden…
Ein kurzer Blick zurück
Bereits im Sommer 2025 war absehbar, dass sich die vereinsinternen Grabenkämpfe mit Blick auf die im Winter anstehenden Gremienwahlen weiter zuspitzen. Wieder folgte ein Skandal auf den nächsten, wieder bahnten sich zunehmend Schlammschlachten an, wieder drohte alles nach den altbekannten Mustern zu verlaufen. Wie die von uns sowie auch vielen weiteren Menschen im Umkreis des Vereins dringend geforderte und für absolut notwendig erachtete Neuaufstellung der Vereinsführung gelingen könnte, schien unklar. Doch selbst im günstigsten Fall eines solchen personellen Wechsels, wären die grundlegenden Vereinsstrukturen zunächst unverändert geblieben. Der 1. FC Saarbrücken hätte sich weiter in seinem längst veralteten und gänzlich verkrusteten System bewegt, das längst nicht mehr den Anforderungen eines modernen Mitgliedervereins entsprach.
Nach monatelanger Vorbereitung, zahllosen Gesprächen und intensiver Abwägung haben wir uns als Virage Est Saarbrücken deshalb vor ziemlich genau einem Jahr dazu entschlossen, mit „Zukunft Blau-Schwarz“ eine – bei aller Bescheidenheit – für unseren FC bisher beispiellose vereinspolitische Kampagne ins Leben zu rufen. Das vordergründige Ziel war dabei nicht der bloße Austausch einzelner Funktionsträger, sondern die ganz grundlegende Erneuerung unseres Vereins. Was in den folgenden Wochen und Monaten geschah, muss an dieser Stelle kaum noch einmal im Detail erzählt werden. Wir blicken auf eine intensive, emotionale und teilweise kräftezehrende Zeit zurück, in der unzählige Mitglieder Verantwortung übernommen und für ihren Verein gekämpft haben. Am Ende stand ein historischer Mitgliederentscheid: eine neue Satzung; eine grundlegend modernisierte Vereinsstruktur; ein Leitbild, das Identität und eine neue Vereinskultur festschreibt; und seit dem Jahreswechsel dann auch zahlreiche neue Verantwortliche, die den klar formulierten Mitgliederwillen nun mit Leben füllen sollen.
Dieser Erfolg kann nach Jahrzehnten voll Stillstand, Chaos, Tristesse, Skandalen und einem immer wiederkehrenden Teufelskreis aus personellen, strukturellen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten gar nicht hoch genug geschätzt werden. Er gehört keiner einzelnen Person und keiner einzelnen Gruppe – er gehört den Mitgliedern unseres Vereins und wäre ohne die große Unterstützung unzähliger Personen in dieser Form keinesfalls möglich gewesen!
Mit Geduld und Vertrauen zu neuen Ufern
Seit dem 8. Januar befindet sich der 1. FC Saarbrücken nun in einer Übergangsphase, die noch längst nicht abgeschlossen ist, in unseren Augen jedoch bereits erste Blüten trägt. Mit unterschiedlichen Stellenbesetzungen wurden wichtige personelle Weichen gestellt und es dabei endlich auch geschafft, wichtige Identifikationsfiguren und verdiente Spieler an Blau-Schwarz zu binden. Der Austausch zwischen Verein, Fans und Mitgliedern verbessert sich zunehmend und beginnt eine nie gekannte Qualität zu erreichen. Vereinsleben und -kultur entsteht, wo dieses jahrelang kaum noch vorhanden war. Mitglieder werden eingebunden und können ihren Verein aktiv mitgestalten – sei es bei vereinsinternen Themen oder im gemeinsamen Engagement für die ebenfalls lange überfällige Reform der Regionalligen, dem mit der durchgeführten Mitgliederbefragung ein Paradebeispiel für gelebte Vereinsdemokratie zuvor ging.
Gleichzeitig dürfen wir uns nichts vormachen. Zu vieles ist in den vergangenen Jahren personell wie strukturell liegen geblieben, als dass sich sämtliche Defizite und Altlasten innerhalb weniger Monate beheben ließen. Veränderungen brauchen Zeit, Prozesse müssen sich einspielen, Verantwortlichkeiten neu gefunden und Strukturen erst aufgebaut werden. Dabei werden Fehler passieren, Rückschläge zu verkraften sein und Entscheidungen sich im Nachhinein vielleicht als suboptimal erweisen. All dies gehört zu einem echten Neuanfang dazu und trotzdem können wir nach allen Eindrücken, die wir als Kurve insgesamt sowie unsere vereinspolitischen Vertreter im Besonderen in den vergangenen sieben Monaten sammeln konnten, an dieser Stelle eindeutig resümieren: Als Verein befinden wir uns in unseren Augen derzeit insgesamt auf dem absolut richtigen Weg!
Was uns auf diesem Weg allerdings weiterhin genauso wenig hilft wie in der Vergangenheit, sind Spekulationen, das (bewusste oder unbewusste) Verbreiten von Falschbehauptungen oder die FC-typische notorische Negativität. Auf die Gefahr hin uns damit zu wiederholen, war jedoch gerade auch in den vergangenen Monaten erneut oftmals zu beobachten, wie schnell vermeintliche Gewissheiten über Internetforen oder soziale Medien verbreitet und zu Fakten wurden, nur um ja die neuste (Negativ-)Schlagzeile als erstes in die Welt herausgehauen zu haben. Sei es die uninformierte Behauptung, bei Personalentscheidungen seien Satzungsverstöße begangen worden, obwohl die Stelle von Sebi Jacob ordnungsgemäß ausgeschrieben wurde und die sportliche Position von Manuel Zeitz gar keiner Ausschreibung bedurfte. Seien es wildeste Spekulationen und daraus hervorgehende vorschnelle Weltuntergangsstimmung und Grieskrämerei über die Transferpolitik zu Beginn der Sommerpause. Oder sei es selbst dann, als es Ende letzter Saison um ein Menschenleben ging. Um es klar zu sagen: Dieser gesamtgesellschaftliche, rund um den FC jedoch scheinbar besonders stark verbreitete Zeitgeist ist für uns bereits rein menschlich mehr als befremdlich, wir halten ihn jedoch auch mit dem Blick auf unseren Verein und die blau-schwarze Gemeinschaft schlicht und ergreifend für massiv schädlich!
Darüber hinaus müssen wir feststellen, dass der neuen Vereinsführung wiederholt Vorgänge negativ angelastet werden, deren Ursachen tatsächlich noch auf Entscheidungen der alten Verantwortlichen zurückgehen. Uns ist bewusst, dass diese Zusammenhänge nicht immer leicht nachzuvollziehen bzw. in manchen Fällen aus unterschiedlichen Gründen auch gar nicht öffentlich bekannt sind (und natürlich ist es auch eine Frage des Anstands, dass die neue Vereinsführung nicht in regelmäßigen Abständen mit dem Finger auf alte Entscheidungsträger zeigt). Dennoch würden wir uns wünschen, dass den gewählten und eingestellten Funktionsträgern die nötige Geduld, das nötige Vertrauen und auch eine gewisse Offenheit entgegengebracht wird, statt sie oftmals beruhend auf Halbwissen direkt in schärfsten Tönen zu kritisieren. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass Kritik künftig ausbleiben soll. Im Gegenteil: Ein lebendiger Mitgliederverein braucht nichts mehr als eine kritische Mitgliedschaft! Auch wir als Kurve werden die Entwicklung des Vereins weiter aufmerksam begleiten, hatten bekanntermaßen durchaus auch innerhalb der Kurve kontroverse Diskussionen vor der Wahl des Aufsichtsrats und werden beispielsweise weiter konsequent darauf pochen, dass auch die langfristigen Ziele von „Zukunft Blau-Schwarz“ wie der Abbau der Abhängigkeit vom derzeitigen Hauptsponsor konsequent angegangen werden. Vorgetragene Meinungen müssen jedoch in ihrer Form angemessen sein, auf Fakten beruhen und vor allem das gemeinsame Ziel verfolgen, den Verein voranzubringen, nicht ihn erneut zu vergiften und zu spalten. Mit dem Blick nach vorne möchten wir deshalb nochmal an den Titel dieser Stellungnahme erinnern: Wir tragen den Verein – und das am besten in positiver und geeinter Weise!
Umbruch in der Mannschaft, Umbruch im eingetragenen Verein
Sportlich stand bzw. steht der 1. FC Saarbrücken erneut vor einem Neustart. Anders als in den vergangenen Jahren soll dieser jedoch nicht Ausdruck kurzfristiger All-In-Strategien sein, sondern wie auch in allen anderen Bereichen der Beginn eines nachhaltigen Weges. Ohne uns zu stark an einer sportlichen Bewertung zu üben, meinen wir einen solchen Weg mit einer klaren, langfristigen Strategie in ersten Zügen erkennen zu können. Dauerhafter sportlicher Erfolg entsteht jedoch nicht über Nacht und auch deshalb braucht es realistische sportliche Erwartungen an die Saison 2026/27 sowie die Geduld von uns Fans und Mitgliedern, einen nachhaltigen Aufbau mitzutragen.
Ebenso wichtig ist ein Neustart im Verhältnis zwischen Mannschaft und Kurve. In der vergangenen Saison war die Geduld vieler Fans irgendwann aufgebraucht. Nach Jahren kurzfristiger Kaderplanungen fand sich unsere Mannschaft im Abstiegskampf wieder, obwohl wir mit ganz anderen Erwartungshaltungen in die Saison geschickt wurden. Die Reaktionen der Kurve waren Ausdruck dieser tiefen Enttäuschung, entsprechen aber nicht dem Selbstverständnis, das wir dauerhaft leben wollen. Mannschaft und Kurve dürfen sich nicht als Gegensätze verstehen, sie müssen ebenfalls wieder eine Einheit bilden. Hierzu standen wir bereits vor Saisonbeginn in einem konstruktiven Austausch mit Mannschaft und sportlicher Leitung, freuen uns, dass daraus bereits erste einende Momente im Stadion hervorgingen, und werden diesen konstruktiven Dialog als wichtigen Grundstein für das gemeinsame Verhältnis weiter aufrechterhalten. Es geht darum, sich gegenseitig zu tragen, in guten wie in schwierigen Phasen. Dabei stehen eine gesunde Erwartungshaltung einerseits und das weitere Entfachen von mitreißender Euphorie und Aufbruchsstimmung anderseits in keinerlei Widerspruch zueinander.
Und auch abseits des Rasens muss ein gesundes und vielfältiges Vereinsleben erst wieder langsam entstehen. Ein Verein lebt nicht von seinem Spielbetrieb allein. Er lebt von seinen Mitgliedern, seinen Abteilungen, seinen Ehrenamtlichen und all den Menschen, die bereit sind, Verantwortung für ihn und seine Gemeinschaft zu übernehmen. Genau das haben wir in der vergangenen Saison eindrucksvoll bewiesen. Gemeinsam haben die Mitglieder den Verein grundlegend erneuert. Dieses Potenzial endet jedoch nicht mit einer Satzungsreform, jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Die zentralen Forderungen von „Zukunft Blau-Schwarz“ bleiben deshalb auch weiterhin aktuell: Der unschätzbare Charakter als eingetragener Verein muss dauerhaft das Fundament des 1. FC Saarbrücken bleiben. Wie gefährlich eine Abkehr von diesem Prinzip sein kann, hat ein letztjähriger Ligakonkurrent aus dem Süden erst kürzlich erneut schmerzhaft erleben müssen. Professionalisierung, Modernisierung und Vermarktung dürfen daher niemals auf Kosten von demokratischer Mitbestimmung erfolgen, sondern stets in Einklang mit Fan- und Mitgliederinteressen stehen und die Werte des Vereins ausdrücklich berücksichtigen.
Gemeinsam gegen noch größere Widerstände
Mit großer Sorge blicken wir gleichzeitig weiterhin auf die gegenwärtigen Entwicklungen rund um den Umgang von Polizei und Behörden mit Fußballfans. Der Fußball braucht keine immer schärferen Sicherheitskonzepte, keine populistischen Law-and-Order-Politiker und nicht noch mehr polizeiliche Befugnisse. Kennt die Kriminalisierung von Fußballfans bundesweit schon kaum Grenzen, sind das Einsatzkonzepte von Polizei und die Perspektiven des Innenministeriums am Standort Saarbrücken an vielen Stellen besonders realitätsfern. Dass dies bei weitem nicht nur eine „radikale Minderheit“ so sieht, sondern das Stadionpublikum zu immer größeren Teilen keine Lust mehr auf die Hetze, Willkür und Gängelungen hat, zeigte sich zum Ende der vergangenen Saison exemplarisch vor dem Heimspiel gegen Mannheim. Wieder übertraf sich die Polizei in ihrem Aufgebot selbst und bezog sogar unmittelbar hinter der Kurve Stellung, woraufhin wir uns gezwungen sahen, das Stadion vorerst nicht zu betreten. Weite Teile der Stadionbesucher und insbesondere der Kurvengänger solidarisierten sich in der Folge mit unserer Entscheidung – ein starkes Zeichen des Zusammenhalts für ein freies Stadionerlebnis! Mit dem allwöchentlichen polizeilichen Irrsinn, den der Verein, wenn es nach der Landesregierung geht, künftig sogar noch (teil)finanzieren soll, werden wir uns mit Sicherheit während der Saison weiter auseinandersetzen müssen. Auch hier lautet jedoch schon jetzt die oberste Devise, sich als Verein und Fangemeinde nicht von Politik, Medien und Polizei spalten zu lassen!
Und auch fanpolitisch und in Sachen Verbandswesen bleiben die Herausforderungen groß. Das überholte System der Verbandsstrafen und die vorerst erneut gescheiterte Regionalligareform zeigen, dass sich der organisierte Fußball weiterhin grundlegend verändern muss. Hierbei nehmen wir ausgesprochen positiv wahr, dass die neue Vereinsführung den Austausch mit den Fans sucht und fanpolitische Anliegen deutlich offensiver und proaktiver begleitet, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Diesen Weg gilt es gemeinsam fortzusetzen.
Wir tragen den Verein weiter!
Die vergangenen zwölf Monate haben gezeigt, was möglich ist, wenn Mitglieder Verantwortung übernehmen. Aus Zuschauerinnen und Zuschauern wurden Gestalter ihres Vereins. Dieser Geist soll nicht verloren gehen, sondern weitergetragen werden: Lassen wir alle gemeinsam unseren Verein weiter aufblühen und aufleben.
Wir glauben, dass wir nicht nur für uns sprechen, wenn wir sagen, dass die ersten zwei Spiele der Saison ein länger nicht mehr empfundenes blau-schwarzes Glücksgefühl neu entfacht haben und verdammt viel Lust auf mehr machen. Nehmen wir diesen Schwung mit und sorgen wir dafür, dass uns dieses Gefühl, diese Emotionen, diese Leidenschaft und die derzeitige Zuversicht auch durch schwerere Phasen tragen. Und sorgen wir vor allem dafür, dass auch wir Fans den Verein in nochmals neuer Qualität beflügeln und tragen: Im Ludwigspark und in der Ferne, in Stadt und Land, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Spiel zu Spiel.
Zum DFB-Pokalspiel gegen Hertha BSC treffen wir uns dazu alle gemeinsam ab 11:30 Uhr an der Ludwigskirche und tragen unseren Verein, den 1. FC Saarbrücken e.V. dann erneut voller Verrücktheit und (Pokal-)Euphorie wortwörtlich durch die Straßen der Stadt.
Gebt dabei aufeinander acht und lasst uns in positivem, gemeinschaftlichem und rücksichtsvollem Miteinander gen Ludwigspark ziehen – treibt es laut, bunt und brennt für Blau und Schwarz, aber übertreibt es nicht!
Der 1. FC Saarbrücken e.V. gehört seinen Fans und Mitgliedern. Und genau deshalb gilt auch in dieser Saison weiterhin: Gemeinsam tragen wir den Verein in seine blau-schwarze Zukunft!
Virage Est Saarbrücken
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