Im Folgenden veröffentlichen wir die eingesendeten Antworten von Aufsichtsrats-Kandidat Thorsten Klein zu dem von „Zukunft Blau-Schwarz“ veröffentlichten Fragenkatalog.
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1. Stellen Sie sich bitte kurz vor – Name, Alter, Beruf und Ihr Weg zum und mit dem FCS.
Ich bin Thorsten Klein, Jahrgang 1979, Kommunikationsexperte von Beruf. Zum FCS bin ich sellemols mit meinem Papa gekommen: Zum ersten Mal im Ludwigspark – das war 1993, Bundesliga. Seitdem hat mich der Verein nicht mehr losgelassen.
Ich bin mit dem FCS groß geworden – als Fan, später auch als Sportjournalist (u.a. Saarbrücker Zeitung und Münchner AZ). Ich habe unseren Zweitliga-Aufstieg 2004 genauso mitgemacht wie den Oberliga-Abstieg 2007. Und was viele nicht wissen: Ich hab die ersten Spiele im Fanradio kommentiert.
Heute bin ich Mitglied beim FCS, im Fanclub Saardomasos und im Förderkreis der Virage Est. Gemeinsam mit meinem Sohn habe ich zur Pokalreise das Magazin „Mehr als nur ein Spiel“ herausgegeben.
2. Worin liegt Ihre Motivation für eine ehrenamtliche Kandidatur für den Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken e.V.?
Der Effzeh braucht Menschen, die Ruhe reinbringen, wenn es unruhig wird – und die Strukturen schützen, damit der Verein nicht von kurzfristigen Stimmungen, sondern von klaren Entscheidungen getragen wird.
Der Aufsichtsrat ist für mich dafür da, zu kontrollieren, zu begleiten und den Verein langfristig zu stabilisieren – gerade dann, wenn der Druck groß ist.
Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass beim FCS klar ist, wer wofür verantwortlich ist, dass intern besser miteinander geredet wird und dass Entscheidungen nachvollziehbar sind – auch wenn sie nicht jedem gefallen.
3. Was qualifiziert Sie besonders für die Arbeit im Aufsichtsrat?
Ich bringe Erfahrung aus genau den Situationen mit, in denen Vereine und Organisationen unter Druck geraten. Ich arbeite seit vielen Jahren als Kommunikationsexperte mit Gremien zusammen – mit Aufsichtsräten, Vorständen, Geschäftsführungen und Betriebsräten – und weiß, wie wichtig klare Rollen, saubere Entscheidungswege und gute Kommunikation sind.
Ich habe als Sportjournalist erlebt, wie Vereine funktionieren – und warum sie scheitern, von Kreisliga bis Champions League: nicht wegen fehlender Leidenschaft, sondern wegen fehlender Klarheit. Am Rande: Seit fünf Jahren bin ich Vorsitzender des Vereins saarländische Sportjournalisten.
Ich habe 20 Jahre lang das internationale U19-Pfingstturnier in meinem Heimatverein SV Aschbach organisiert und weiß genau, wie Vereine funktionieren. Was im Kleinen funktioniert, funktioniert auch im Großen.
Ich habe als Regierungssprecher in Krisen gearbeitet, in denen es darum ging, Ruhe zu bewahren, Vertrauen zu sichern und Entscheidungen verständlich zu machen.
Genau hier liegt mein Mehrwert für den FCS: Ich kenne die Mechanismen in Vereinen, Medien und Öffentlichkeit. Ich bringe Ruhe rein, wenn Druck entsteht, und schaffe Klarheit, bevor es kracht.
Ein Verein funktioniert nur dann, wenn Vertrauen da ist – zwischen Gremien, Mannschaft, Verantwortlichen und Fans. Ich verstehe meine Rolle im Aufsichtsrat nicht operativ, sondern als Garant für saubere Entscheidungs- und Kommunikationswege.
4. Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand, in dem sich der Verein befindet? In welchen Bereichen besteht der größte Verbesserungsbedarf?
Der Effzeh hat sportlich und strukturell wichtige Schritte nach vorne gemacht. Gleichzeitig spürt man, dass der Verein unter hohem Druck steht: sportlich, wirtschaftlich und emotional. In solchen Phasen zeigt sich, wie belastbar Strukturen und Entscheidungswege wirklich sind.
Aus meiner Sicht besteht der größte Verbesserungsbedarf bei Klarheit und Kommunikation:
- Wer entscheidet was?
- Wie werden Entscheidungen intern erklärt?
- Wie schafft man es, auch in schwierigen Phasen geschlossen aufzutreten?
Und, ganz wichtig: Wir brauchen eine klare Vision, ein klares Konzept, wofür dieser Verein steht und stehen will. Zu meiner Zeit als Regierungssprecher durfte ich das Saarland-Marketing mit aufbauen. Die Erfahrungen bringe ich gern in den Verein mit ein.
5. Wie nehmen Sie die Infrastruktur beim FCS wahr und welche Zukunftsvision haben Sie hierzu? Welche Bedeutung hat für Sie das Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken?
Langfristiger Erfolg funktioniert nur, wenn wir sportliche Entwicklung, Infrastruktur und Umfeld zusammen denken. Der Verein braucht eine klare Perspektive über mehrere Jahre.
Dazu gehört eine Infrastruktur, die sportlichen Erfolg möglich macht – für die Profis, aber auch für den Nachwuchs. Ebenso wichtig ist ein stabiles und verlässliches Umfeld, das Entscheidungen mitträgt und nicht bei jedem Gegenwind nervös wird.
Der FCS ist mehr als die erste Mannschaft. Er ist Ausbildungsort, Identifikationspunkt und Aushängeschild für Stadt und Region. Diese Rolle sollte der Verein selbstbewusst annehmen – mit einem klaren Plan – siehe Vision.
Zu diesem Plan gehört auch eine enge Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt. Da ich weiß, wie Politiker ticken und wie Behörden funktionieren, sehe ich mich in der Pflicht, gerade hier wieder eine belastbare Partnerschaft zu bauen.
6. Wie blicken Sie auf die von „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen strukturellen Veränderungen und welche Themen müssen kurz- und mittelfristig umgesetzt werden? Haben Sie bereits einen konkreten Arbeitsplan oder Ansätze, an denen sich in den nächsten Monaten orientiert werden sollte?
Die Veränderungen halte ich grundsätzlich für richtig und notwendig. Der Verein braucht nämlich gerade in der jetzigen Phase Professionalität, Transparenz und Stabilität. Und zwar mittelfristig gedacht. Die Satzung ist ein erster Schritt.
Im nächsten Schritt dürfen wir Strukturen und Zuständigkeiten klar ordnen:
- Wer ist wofür verantwortlich?
- Welche Themen gehören in die operative Ebene des Hauptamts, welche in Aufsicht und Kontrolle?
- Und wie werden Entscheidungen vorbereitet, überprüft und kommuniziert?
Mittelfristig geht es darum, diese Strukturen zu festigen und mit Leben zu füllen.
Als Aufsichtsrat ist mir wichtig, einen klaren Rahmen zu schaffen, an dem sich das Handeln orientiert: mehr Stabilität, mehr Nachvollziehbarkeit und eine Entwicklung mit Augenmaß.
7. Wo sehen Sie den FCS in drei Jahren? Was sind – unabhängig vom sportlichen Erfolg – die wesentlichen Ziele, die Sie erreicht sehen wollen?
Strukturell gefestigt, verlässlich geführt und handlungsfähig – unabhängig vom sportlichen Abschneiden. Sportlicher Erfolg ist wichtig, aber nie allein steuerbar. Strukturen, Haltung und Entscheidungsqualität hingegen schon.
Wesentliche Ziele sind für mich:
- klare Rollen und Verantwortlichkeiten in Verein, Gremien und Geschäftsführung,
- stabile Entscheidungsprozesse, die nicht von kurzfristigem Druck oder öffentlicher Stimmung abhängen,
- sowie eine vertrauensvolle interne wie externe Kommunikation, die für Ruhe und Geschlossenheit sorgt – auch in schwierigen Phasen.
Hierfür braucht es ein klares Selbstverständnis (Vision!), wofür der FCS steht. Wenn diese Grundlagen stimmen, ist sportlicher Erfolg keine Momentaufnahme mehr, sondern eine realistische Folge nachhaltiger Arbeit.
8. Welche Anforderungen haben Sie an die neu einzustellenden Vorstände? Welche Zielvorgaben sind Ihnen hierbei besonders wichtig?
Sie brauchen Haltung, Führungsverständnis und Kommunikationsfähigkeit. Fachliche Kompetenz ist Voraussetzung – entscheidend ist jedoch, wie geführt wird.
Mir ist wichtig, dass Vorstände:
- klare Verantwortung übernehmen und Entscheidungen nachvollziehbar vertreten,
- transparent kommunizieren, intern wie extern,
- und bereit sind, den Verein langfristig und nicht von Stimmungen oder externem Druck getrieben zu führen.
Zielvorgaben sollten sich dabei nicht nur an kurzfristigen sportlichen Ergebnissen orientieren, sondern an strukturellen und organisatorischen Fortschritten: stabile Prozesse, klare Zuständigkeiten, verlässliche Zusammenarbeit mit Gremien sowie ein respektvoller Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Fans und Partnern.
Ein Vorstand muss den FCS als Gesamtorganisation verstehen – nicht nur als Profimannschaft. Dazu gehören Nachwuchsarbeit, Vereinsleben, Außenwirkung und die Einbindung des Umfelds gleichermaßen.
Der neue Aufsichtsrat hat dem Vorstand dabei genau auf die Finger zu schauen: prüfen, ohne zu blockieren.
9. Wie wichtig ist Ihnen das aktive Miteinbeziehen von Fans und Mitgliedern bei der Gestaltung des Vereinslebens? Welche besondere Rolle können hierbei Arbeitskreise spielen (Leitbildkommission, AK Blau-Schwarz ist Vielfalt, AK blau-schwarze Geschichte etc.)? Können ergänzende Beiräte ein praktikables Modell für die Zukunft sein?
Das ist für mich kein Nice-to-have, sondern ein wesentlicher Bestandteil eines lebendigen Vereins.
Arbeitskreise wie die Leitbildkommission halte ich für sehr sinnvolle Formate, weil sie Engagement bündeln, Expertise nutzbar machen und Themen langfristig verankern können.
Auch ergänzende Beiräte können aus meiner Sicht ein praktikables Modell sein – wenn ihre Rolle klar definiert ist. Ich denke dabei an Themen wie Wirtschaft, Finanzen und Marketing. Gerade in Sachen Wirtschaft und Finanzen haben wir jede Menge Luft nach oben. Im saarländischen Mittelstand liegt derart viel Potenzial für uns, das gehoben werden will.
Wir brauchen eine Beteiligung, die Vertrauen schafft – und ein Vereinsleben, in dem sich möglichst viele Menschen ernsthaft wiederfinden. Blau-Schwarz wird eine Bewegung.
10. Wie stehen Sie zur 50+1-Regel und anderen fanpolitischen Themen, die derzeit viele Stadiongänger umtreiben (Vorhaben der Innenministerkonferenz, Regionalliga-Reform, Abschaffung von Verbandsstrafen für Pyrotechnik etc.)? Der FCS hat sich im August in einem Statement dazu bekannt, die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ zu unterstützen. Wird dieser Weg mit Ihnen fortgesetzt?
Ich stehe zur 50+1-Regel. Sie ist ein zentraler Schutzmechanismus für mitgliedergeführte Vereine. Sie sichert Mitbestimmung, Identität und verhindert, dass wirtschaftliche Interessen dauerhaft über den Verein gestellt werden.
Fanpolitische Themen sollten wir zwingend immer differenziert und im Dialog betrachten – nicht reflexhaft, nicht populistisch, aber auch nicht von oben herab.
Als Aufsichtsrat sehe ich meine Rolle darin, den Verein klar zu positionieren. Die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ halte ich für richtig. Wir brauchen auf dem weiteren Weg viel mehr Dialog und Lösungen, die auf Verhältnismäßigkeit, Verantwortung und gegenseitigem Respekt beruhen.
11. Sehen Sie konkreten Verbesserungsbedarf rund um die Durchführung der Heimspiele des FCS? Wie stehen Sie zur Polizeipräsenz bei sogenannten „Risikospielen“ mit Einheiten aus mehreren Bundesländern und Drohneneinsätzen, die den Steuerzahler enorm belasten?
Ja. Verbesserungen brauchen wir insbesondere dort, wo Abläufe unnötig kompliziert, wenig transparent oder für alle Beteiligten belastend sind. Heimspiele sollten keine Eskalationsszenarien für Sicherheitsbehörden sein.
Ich bin überzeugt: Sicherheit entsteht nicht allein durch Präsenz, sondern vor allem durch Kommunikation, Vertrauen und gute Vorbereitung. Dazu gehört ein frühzeitiger Austausch zwischen Verein, Fanszene, Sicherheitskräften und Stadt. Da ich selbst Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden habe, sehe ich mich als Aufsichtsrat hier in einer Vermittlerrolle.
Wir brauchen Lösungen, die Sicherheit gewährleisten, ohne die Fankultur unnötig einzuschränken oder unverhältnismäßig Steuergelder zu versenken. Das hilft niemandem weiter.
12. Wie möchten Sie sicherstellen, dass auf allen Ebenen des Vereins ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, bei dem das „Wir“ im Vordergrund steht und sich alle für den FCS engagierten Menschen gleichermaßen wertgeschätzt fühlen? Wie kann der Verein dem verabschiedeten Leitbild und damit auch der Bedeutung seiner Anhängerschaft gerecht werden?
Ein echtes Gemeinschaftsgefühl entsteht durch Verlässlichkeit und Kommunikation. Menschen fühlen sich dann wertgeschätzt, wenn sie ernst genommen werden, wenn Entscheidungen nachvollziehbar sind und wenn klar ist, welchen Beitrag sie zum großen Ganzen leisten. Stichwort: Vision!
Das verabschiedete Leitbild bietet dafür eine wichtige Orientierung. Entscheidend ist jedoch, dass es nicht nur Papier bleibt, sondern im Alltag des Vereins spürbar wird – in der Art, wie geführt wird, wie miteinander gesprochen wird und wie mit Kritik umgegangen wird.
Aus meiner Sicht braucht es dafür drei Dinge:
- klare Rollen und Zuständigkeiten, damit Verantwortung sichtbar wird,
- regelmäßige, ehrliche Kommunikation, gerade auch in schwierigen Phasen,
- und echte Wertschätzung für alle, die sich für den FCS engagieren – ob im Hauptamt, im Ehrenamt, in den Gremien oder auf den Rängen.
Das „Wir“ entsteht dort, wo Menschen wissen, dass sie Teil des Vereins sind – nicht nur Zuschauer. Als Aufsichtsrat will ich dazu beitragen, dass dieser Anspruch ernst genommen, eingefordert und regelmäßig überprüft wird. Denn nur ein Verein, der nach innen geschlossen ist, kann nach außen dauerhaft stark auftreten. Als blau-schwarze Bewegung.
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Hier geht es zum Fragenkatalog und den Antworten weiterer Kandidierenden für den Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken e.V.:
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…denn für Blau und Schwarz wird’s höchste Zeit!
