Im Folgenden veröffentlichen wir die eingesendeten Antworten von Aufsichtsrats-Kandidat Stefan Weber zu dem von „Zukunft Blau-Schwarz“ veröffentlichten Fragenkatalog.
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1. Stellen Sie sich gerne einmal kurz vor: Name, Alter, Beruf und Ihr Weg zum und mit dem FCS.
Mein Name: Stefan Weber
Beruf: Notar
Mein Weg zum FCS:
Der FCS ist für mich Heimat. Ich bin seit früher Jugend Anhänger des FCS, habe schon in den 70-ern alle Heimspiele gesehen und viele Auswärtsspiele begleitet. So auch heute noch! Ich bin von jeher unheilbar vom FC-Virus befallen. Außerdem betreue ich den FCS seit vielen Jahren in seinen notariellen Angelegenheiten.
So habe ich maßgeblich dazu beigetragen, dass zunächst die im Jahr 2022 beschlossene Satzungsänderung schließlich eingetragen wurde. Vorher gab es zahlreiche Beanstandungen des Gerichts, die ich ausgeräumt habe. Diese Satzung wurde daher Grundlage für die Mitgliederversammlung vom 11.10.2025, in der die neue Satzung beschlossen wurde.
Außerdem habe ich auch intensiv daran mitgewirkt, dass die am 11.10.2025 beschlossene Satzung ohne gleichzeitige Besetzung der neuen Vorstandsämter noch vor Ablauf der Bewerbungsfrist für die jetzt zu besetzenden Ämter im Vereinsregister eingetragen wurde.
2. Worin liegt Ihre Motivation für eine ehrenamtliche Kandidatur für den Aufsichtsrat des 1.FC Saarbrücken e.V.?
Ich kandidiere, weil ich an das Potenzial des Vereins glaube. Und ich sehe jetzt die Möglichkeit, dem Verein meines Herzens in einer Phase des Umbruchs zu helfen.
Unsere Fans gehören zu den besten in Deutschland, sie haben auch die beste Führung verdient! Ich möchte dazu beitragen, dass Entscheidungen der Gremien für die Mitglieder transparent und nachvollziehbar vorbereitet, dokumentiert und kontrolliert werden, und zwar unabhängig von Personen oder Lagern.
Das Ehrenamt im Aufsichtsrat sehe ich als Verantwortung gegenüber den Mitgliedern nicht als Bühne der Eitelkeiten.
3. Was qualifiziert Sie besonders für die Arbeit im Aufsichtsrat?
Dem Aufsichtsrat sollte unbedingt eine Person mit ausgewiesener juristischer Kompetenz angehören!
Die neue Satzung muss jetzt zum Leben erweckt werden. Gerade in der Anfangsphase wird dies viele Maßnahmen und Entscheidungen mit sich bringen wird, die konkrete juristische Relevanz haben.
Dem Aufsichtsrat werden voraussichtlich auch starke Kräfte aus der Wirtschaft angehören. Ihnen sollte eine stabile und vor allem unabhängige Person zur Seite gestellt werden, die die Übereinstimmung von Maßnahmen und Entscheidungen mit den Vorgaben der Satzung überwacht und das von der Mitgliederversammlung beschlossene Leitbild im Auge behält.
Als gestandener Notar stehe ich dafür ein. Ich kann vermitteln, Klarheit bringen und Lösungen entwickeln, dabei Sachverhalte stets auch unter rechtlichen Gesichtspunkten beurteilen und gegebenenfalls mit externen Juristen kommunizieren.
Hinzu kommt: Ich begleite den FCS schon seit vielen Jahren als Notar und kenne seine Strukturen bestens. Ich brauche keine Einarbeitungszeit und kann sofort loslegen.
4. Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand, in dem sich der Verein befindet? In welchen Bereichen besteht der größte Verbesserungsbedarf?
Der Verein befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Die Mitglieder wünschen, dass er zukunftssicher aufgestellt wird und moderne, professionelle und transparente Strukturen geschaffen werden.
Sportlich ist der FCS weiterhin attraktiv und relevant, auch wenn die Erwartungen in der laufenden Saison bisher nicht erfüllt wurden. Strukturell und kommunikativ ist der Verein aber an seine Grenzen gestoßen. Der größte Verbesserungsbedarf liegt aus meiner Sicht in:
– klaren Entscheidungswegen
– einheitlicher Kommunikation nach innen und außen
– einem lösungsorientierten Umgang mit Konflikten.
Wichtige Entscheidungen dürfen nicht mehr von einzelnen Personen, Stimmungen oder Strömungen im Verein abhängen, sie sollten nach geordneten Regeln und Prozessen getroffen werden. So etwas zeichnet moderne Profivereine aus.
5. Wie nehmen Sie die Infrastruktur beim FCS wahr und welche Zukunftsvision haben Sie hierzu? Welche Bedeutung hat für Sie das Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken?
Die Infrastruktur ist in einigen Bereichen gut, in anderen deutlich ausbaufähig. Damit meine ich Trainingsbedingungen, NLZ-Umfeld und das Thema Profis. Wichtig ist ein Infrastrukturplan für die nächsten Jahre, der diese Baustellen endlich anpackt.
Das geht nur im engen Schulterschluss mit der Stadt. Hier müssen wir das Unsere dazu tun, eine verlässliche und sachlich geprägte Zusammenarbeit zu entwickeln, ohne öffentlichem Krach und mit klaren Positionen des Vereins.
6. Wie blicken Sie auf die von „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen strukturellen Veränderungen und welche Themen müssen kurz- und mittelfristig umgesetzt werden? Haben Sie bereits einen konkreten Arbeitsplan oder Ansätze, an denen sich in den nächsten Monaten orientiert werden sollte?
Dass die neue Satzungsänderung mit der überwältigenden Mehrheit von fast 92% der Stimmen beschlossen wurde, spricht für sich: Die von „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen Veränderungen waren überfällig und sind aus meiner Sicht im Kern richtig.
Kurzfristig muss der neue Aufsichtsrat:
– eine Geschäftsordnung für den AR beschließen,
– die Vorstände den Regeln entsprechend auswählen,
– klare Zielvorgaben für die Vorstände in ihren einzelnen Aufgabenbereichen entwickeln.
Mittelfristig brauchen wir einen Arbeitsplan mit Prioritäten: Finanzen/Controlling, Infrastruktur, Professionalisierung im Tagesgeschäft und natürlich die Umsetzung des Leitbilds.
Ich bin für die Schaffung weiterer Gremien, wie einen Fanbeirat mit Vertretern der Fanverbände und einen Wirtschaftsbeirat mit Vertretern aus der Wirtschaft. Mit diesen Gremien sollte ein regelmäßiger, konstruktiver Austausch gepflegt werden.
7. Wo sehen Sie den FCS in drei Jahren? Was sind – unabhängig vom sportlichen Erfolg – die wesentlichen Ziele, die Sie erreicht sehen wollen?
Stabile Position in der 2. Liga, nationales Renommee als bedeutender Traditionsverein. Viel wichtiger als die Liga oder die genaue Tabellenregion ist für mich vorerst aber: Ein funktionierendes Zusammenspiel von Aufsichtsrat, Vorständen und Abteilungen, – transparente Finanzen ohne Überraschungen – und eine klare Linie bei Infrastruktur und Nachwuchsarbeit.
8. Welche Anforderungen haben Sie an die neu einzustellenden Vorstände? Welche Zielvorgaben sind Ihnen hierbei besonders wichtig?
Die Vorstände müssen zukunftsorientiert, kreativ, unabhängig und teamfähig sein. Sie sollten auf ihrem Gebiet eine Expertise aufweisen und bereit sein, transparent zu arbeiten, sich an klare Ziele binden zu lassen und regelmäßig Rechenschaft abzulegen.
Für mich sind wichtige Zielvorgaben: Wirtschaftliche Stabilität, ein nachvollziehbares sportliches Konzept und eine offene Kommunikation mit Mitgliedern und Fans.
9. Wie wichtig ist Ihnen das aktive Miteinbeziehen von Fans und Mitgliedern bei der Gestaltung des Vereinslebens? Welche besondere Rolle können hierbei Arbeitskreise, bestehend aus Verantwortlichen des Vereins und der Mitgliedschaft, spielen (Stichwort Leitbildkommission, AK Blau-Schwarz ist Vielfalt, AK Blau-schwarze Geschichte etc.)? Können ergänzende Beiräte ein praktikables Modell für die Zukunft sein?
Fans und Mitglieder, das macht für mich den FCS aus. Arbeitskreise wie die Leitbildkommission oder „Blau-Schwarz ist Vielfalt“ etc. sind hervorragende Instrumente. Das Wissen und die Energie der dort Engagierten sollte strukturiert in die Vereinsarbeit eingebunden werden.
Mit der Etablierung ergänzender Beiräte, wie Fanbeiräten oder Wirtschaftsbeiräten, könnte man einerseits die Identifikation der Mitglieder mit dem Verein ganz erheblich steigern. Zudem würde ein regelmäßiger, konstruktiver Austausch mit solchen Gremien dem Aufsichtsrat die Möglichkeit bieten, zusätzliche Ideen und Impulse aufzunehmen und diese in seine Arbeit einfließen zu lassen.
10. Wie stehen Sie zur 50+1-Regel und anderen fanpolitischen Themen, die derzeit viele Stadiongänger umtreiben (Vorhaben der Innenministerkonferenz, Regionalliga-Reform, Abschaffung von Verbandsstrafen für Pyrotechnik etc.)? Der FCS hat sich im August in einem Statement dazu bekannt, die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ zu unterstützen. Wird dieser Weg mit Ihnen fortgesetzt?
Die 50+1-Regel stellt sicher, dass die Mitglieder maßgeblichen Einfluss auf die Geschicke des Vereins behalten. Sie hält Sponsoren und Inverstoren nicht ab, ist aber gleichzeitig ein Schutzschild gegen eine totale Kommerzialisierung des Fußballs. Deshalb bin ich für ihre Beibehaltung!
Die Praxis der Verbandstrafe führt nachweislich nicht zu einer Verringerung des Einsatzes von Pyrotechnik. Die Unterstützung des Vereins für die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ sollte aufrechterhalten werden. Insgesamt darf die bestehende Fankultur nicht durch unverhältnismäßige regulatorische Eingriffe untergraben werden.
Regionalligareform: Es kann nur als sportlich ungerecht und demotivierend empfunden werden, wenn man Meister wird und trotzdem nicht aufsteigt.
11. Sehen Sie konkreten Verbesserungsbedarf rund um die Durchführung der Heimspiele des FCS? Wie stehen Sie zur Polizeipräsenz bei sogenannten „Risikospielen“ mit Einheiten aus mehreren Bundesländern und Drohneneinsätzen, die den Steuerzahler enorm belasten?
Insbesondere bei „Risikospielen“ ist Sicherheit natürlich wichtig, aber immer im Rahmen der Verhältnismäßigkeit. Der Verein sollte aktiv den Dialog mit Polizei und Behörden suchen, um deeskalierende Konzepte zu stärken und unnötige Maßnahmen wie überzogene Präsenz oder Drohneneinsätze kritisch zu hinterfragen. Bei Heimspielen etwa gibt es deutliches Optimierungspotenzial, etwa bei Anreise, Service und Barrierefreiheit.
Städte profitieren enorm, wenn sie einen Profifussballclub beheimaten. Es gibt kaum ein effektiveres Stadtmarketing und es werden beachtliche Steuereinnahmen generiert. Die Vereine haben auf den Umfang der für erforderlich gehaltenen Sicherheitsmaßnahmen zudem wenig Einfluss. Daher finde ich es nicht richtig, wenn die Kosten komplett auf die Vereine abgewälzt werden sollen.
12. Wie möchten Sie sicherstellen, dass auf allen Ebenen des Vereins ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, bei dem das „Wir“ im Vordergrund steht und sich alle für den FCS engagierten Menschen gleichermaßen wertgeschätzt fühlen? Wie kann der Verein dem verabschiedeten Leitbild und damit auch der Bedeutung seiner Anhängerschaft gerecht werden?
Ein echtes „Wir-Gefühl“ entsteht, wenn sich alle ernst genommen fühlen: Profis, Nachwuchs, Mitarbeitende, Ehrenamtliche, Fans und Sponsoren.
Der Aufsichtsrat kann dazu beitragen, indem er Wertschätzung vorlebt, transparent informiert und Konflikte fair moderiert. Außerdem kann die Einbindung ergänzender Beiräte ein wertvolles Instrument zur Stärkung des „Wir-Gefühls“ sein.
Das Leitbild darf kein Papier bleiben. Wir sollten regelmäßig überprüfen, ob unser Handeln dazu passt, und das offen kommunizieren.
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Hier geht es zum Fragenkatalog und den Antworten weiterer Kandidierenden für den Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken e.V.:
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…denn für Blau und Schwarz wird’s höchste Zeit!
