Antworten von AR-Kandidat Stefan Kinn

Im Folgenden veröffentlichen wir die eingesendeten Antworten von Aufsichtsrats-Kandidat Stefan Kinn zu dem von „Zukunft Blau-Schwarz“ veröffentlichten Fragenkatalog.

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1. Stellen Sie sich gerne einmal kurz vor: Name, Alter, Beruf und Ihr Weg zum und mit dem FCS.

Mein Name ist Stefan Kinn, ich bin 40 Jahre alt, Saarländer und Fan des 1. FC Saarbrücken. Mein erster Stadionbesuch war 1998. Beruflich bin ich Mitglied der Geschäftsleitung bei Schwamm, dem Stadioncaterer des FCS, sowie CEO/Geschäftsführer im Onlinehandel.

Durch diese Tätigkeiten arbeite ich seit vielen Jahren eng mit dem Verein zusammen und kenne den FCS nicht nur aus Fansicht, sondern auch als Sponsor- und Partner aus dem operativen Alltag rund um Heimspiele, Abläufe, Logistik und Organisation.

Dadurch kenne ich nicht nur Strukturen und typische Problemfelder, sondern vor allem viele der Menschen im Verein, die tagtäglich Verantwortung tragen. Diese Kombination aus Nähe zum Verein und Praxisblick hilft mir, Themen schnell einzuordnen und Verbesserungen realistisch zu bewerten.

2. Worin liegt Ihre Motivation für eine ehrenamtliche Kandidatur für den Aufsichtsrat des 1.FC Saarbrücken e.V.?

Meine Motivation ist es, Verantwortung zu übernehmen und meinen Beitrag zu leisten, dass der FCS langfristig stabil, professionell und planbar aufgestellt ist. Durch meine Einblicke in die Abläufe und Strukturen habe ich über Jahre gesehen, wo der Verein stark ist – aber auch, wo Reibungsverluste entstehen, weil Zuständigkeiten, Prozesse oder Rahmenbedingungen nicht optimal sind.

Mit der neuen Satzung gibt es jetzt die Chance, den Verein organisatorisch weiterzuentwickeln: klare Rollen, transparente Entscheidungen, messbare Ziele. Diese Chance möchte ich nicht nur kommentieren, sondern aktiv mitgestalten – ehrenamtlich, sachlich und mit dem Fokus auf das, was dem Verein wirklich hilft.

3. Was qualifiziert Sie besonders für die Arbeit im Aufsichtsrat?

Ich bringe eine Kombination aus (1) Vereinsnähe und Praxiswissen aus dem FCS-Umfeld, (2) wirtschaftlich-organisatorischer Kompetenz und (3) Sportsponsoring-Erfahrung mit.

1) Vereinsnähe & Kenntnis der Menschen und Strukturen: Durch die jahrelange Zusammenarbeit mit dem FCS kenne ich viele Abläufe, Entscheidungswege und typische Engpässe aus der Praxis. Ich kenne dabei nicht nur „den Verein“ als Organisation, sondern auch viele der Menschen im Verein, die täglich dafür sorgen, dass der Betrieb funktioniert – im Hauptamt wie im Ehrenamt. Das hilft, Probleme nicht theoretisch zu diskutieren, sondern schnell zu verstehen, wo es konkret hakt und welche Lösungen realistisch sind.

2) Einblicke in andere Profivereine und Sportarten: Durch meinen Job habe ich Einblicke in Strukturen anderer Profiklubs – nicht nur im Fußball, sondern auch in anderen Sportarten. Ich sehe, welche Strukturen funktionieren, welche Prozesse sich bewährt haben und wo typische Fehler passieren. Dieser Vergleich ist hilfreich, um den FCS gezielt weiterzuentwickeln, ohne blind etwas zu kopieren.

3) Sponsoring, Marke, Organisation & Umsetzung: Ich kenne das Thema Sportsponsoring aus der Praxis – Partnerschaften, Paketlogiken, Gegenleistungen, Aktivierung und langfristige Bindung. Zusätzlich beschäftige ich mich beruflich täglich mit Organisation, Prozessen, Kosten- und Ressourcenplanung sowie dem Aufbau von Marken und Organisationen. Ich bringe außerdem ein belastbares Netzwerk aus Wirtschaft und Handel mit, das – wenn sinnvoll – dem Verein helfen kann, Expertise zu ergänzen oder Kontakte zu öffnen.

Mir ist wichtig: Aufsichtsrat bedeutet für mich nicht Selbstdarstellung. Es geht um sachliche Arbeit, klare Fragen, gute Vorbereitung und Entscheidungen im Sinne des Vereins.

4. Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand, in dem sich der Verein befindet? In welchen Bereichen besteht der größte Verbesserungsbedarf?

Der FCS hat sportlich, emotional und regional enormes Potenzial. Gleichzeitig ist der Verein in den letzten Jahren stark gewachsen – und nicht alle Strukturen sind in gleichem Tempo mitgewachsen. Den größten Verbesserungsbedarf sehe ich bei klaren Zuständigkeiten, bei Abläufen/Prozessen und bei der internen wie externen Kommunikation. Wenn Entscheidungen nachvollziehbarer werden und Prozesse klarer sind, wird vieles automatisch ruhiger.

Wichtig ist außerdem: Ziele und Zielvorstellungen müssen klarer definiert werden – inklusive Meilensteinen, an denen man Fortschritt messen kann. Damit entsteht Planbarkeit und eine gemeinsame Richtung.

5. Wie nehmen Sie die Infrastruktur beim FCS wahr und welche Zukunftsvision haben Sie hierzu? Welche Bedeutung hat für Sie das Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken?

Der Ludwigspark ist funktional, hat aber strukturelle Schwächen – vor allem bei Flächen, Logistik und Abläufen. Diese Schwächen erlebe ich auch ganz praktisch, z. B. im Catering: zu wenig Fläche, zu wenig Ausgabe- und Kassierpunkte in Relation zur Zuschauerzahl (besonders auf der Nordtribüne) und Einschränkungen durch Brandschutzvorgaben, die mobile Lösungen erschweren. Ebenso müssen natürlich auch die Trainingsbedingungen rund um das Sportfeld dringend entwickelt werden um mit anderen Profimannschaften mithalten zu können-

Meine Vision ist pragmatisch: Der FCS braucht eine Infrastruktur, die einem Profiverein dauerhaft gerecht wird – nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch. Dafür müssen Verein und Stadt als Eigentümerin/Mieter enger zusammenarbeiten. Es braucht ein lösungsorientiertes Zusammenspiel, klare Ansprechpartner, Prioritäten und realistische Umsetzungspläne. Viele Themen lassen sich nur gemeinsam lösen – und genau da sehe ich die Bedeutung der Zusammenarbeit mit der Stadt Saarbrücken.

6. Wie blicken Sie auf die von „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen strukturellen Veränderungen und welche Themen müssen kurz- und mittelfristig umgesetzt werden? Haben Sie bereits einen konkreten Arbeitsplan oder Ansätze, an denen sich in den nächsten Monaten orientiert werden sollte?

Ich bewerte die von Zukunft Blau-Schwarz angestoßenen Veränderungen positiv. Auch aus meiner Sicht – wie aus Sicht der Initiative – war das eine Sachkampagne, keine Personenkampagne. Die Richtung stimmt: Professionalisierung, Transparenz, klare Rollen.

Kurzfristig (erste Monate) müssen vor allem drei Dinge passieren:

  • die neue Satzung im Alltag sauber umsetzen,
  • Rollen und Verantwortlichkeiten zwischen Aufsichtsrat und Vorstand klar leben,
  • ein transparentes Ziel- und Berichtssystem etablieren.

Mittelfristig geht es darum, die neuen Vorstände bestmöglich einzusetzen, sie konstruktiv zu begleiten und – wo nötig – externe Expertise strukturiert einzubinden. Parallel sollten Sponsoring und wirtschaftliche Grundlagen breiter aufgestellt werden, und Infrastrukturthemen müssen systematisch in eine gemeinsame Lösungslogik mit der Stadt überführt werden.

7. Wo sehen Sie den FCS in drei Jahren? Was sind – unabhängig vom sportlichen Erfolg – die wesentlichen Ziele, die Sie erreicht sehen wollen?

In drei Jahren sollte der FCS – unabhängig vom Tabellenplatz – organisatorisch und wirtschaftlich deutlich stabiler sein: klarere Prozesse, verlässliche Entscheidungswege, bessere Planbarkeit und ein ruhigeres Gesamtbild.

Ein zentrales Ziel ist, die Menschen zu finden und zu halten, die diese Struktur tragen: im Management, in den Bereichen und im Zusammenspiel mit Ehrenamt und Mitgliedschaft. Wenn diese Basis steht, ist auch die Grundlage für nachhaltigen sportlichen Erfolg gegeben – inklusive der langfristigen Perspektive, wieder in die Bundesligen zurückzukehren.

8. Welche Anforderungen haben Sie an die neu einzustellenden Vorstände? Welche Zielvorgaben sind Ihnen hierbei besonders wichtig?

Die neuen Vorstände müssen fachlich kompetent sein, führen können und als Team funktionieren. Sie müssen Strukturen aufbauen, Menschen mitnehmen und transparent kommunizieren. Mir sind klar definierte Ziele und Meilensteine besonders wichtig. Diese sollten wir gemeinsam im Aufsichtsrat festlegen – und transparent gegenüber der Mitgliedschaft machen.

Langfristig gehören dazu zwei große Zielrichtungen:

  • sportlich: die Rückkehr in die Bundesligen als klare Perspektive,
  • wirtschaftlich: finanzielle Unabhängigkeit durch einen breiteren, professioneller aufgestellten Sponsoring-Mix (mehr Säulen, weniger Abhängigkeiten) sowie saubere Planungs- und Kostenstrukturen.

9. Wie wichtig ist Ihnen das aktive Miteinbeziehen von Fans und Mitgliedern bei der Gestaltung des Vereinslebens? Welche besondere Rolle können hierbei Arbeitskreise, bestehend aus Verantwortlichen des Vereins und der Mitgliedschaft, spielen (Stichwort Leitbildkommission, AK Blau-Schwarz ist Vielfalt, AK Blau-schwarze Geschichte etc.)? Können ergänzende Beiräte ein praktikables Modell für die Zukunft sein?

Die Einbindung von Fans und Mitgliedern ist für mich sehr wichtig – sie ist Teil der Identität des FCS und im Leitbild klar verankert. Arbeitskreise können eine starke Brücke sein, wenn sie klare Aufgaben, Ansprechpartner und einen sauberen Prozess haben, wie Ergebnisse in Entscheidungen einfließen (z. B. Leitbildarbeit, Vielfalt, Geschichte). Ergänzende Beiräte können ebenfalls praktikabel sein – als strukturierte Beratung und als Kanal für Expertise und Perspektiven. Wichtig ist dabei eine klare Governance: Beiräte beraten, Vorstände entscheiden operativ, der Aufsichtsrat kontrolliert und steuert.

10. Wie stehen Sie zur 50+1-Regel und anderen fanpolitischen Themen, die derzeit viele Stadiongänger umtreiben (Vorhaben der Innenministerkonferenz, Regionalliga-Reform, Abschaffung von Verbandsstrafen für Pyrotechnik etc.)? Der FCS hat sich im August in einem Statement dazu bekannt, die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ zu unterstützen. Wird dieser Weg mit Ihnen fortgesetzt?

Ich stehe klar zur 50+1-Regel, weil sie Mitbestimmung, Identität und Vereinsdemokratie schützt. Fanpolitische Themen sollten ernst genommen und im Dialog behandelt werden – sachlich, ohne Lagerdenken.

Den eingeschlagenen Weg des FCS, die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ zu unterstützen, halte ich für richtig und würde ihn fortsetzen. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass Sicherheit und Verantwortung ernst genommen werden – aber Kollektivstrafen sind aus meiner Sicht kein nachhaltiger Weg.

11. Sehen Sie konkreten Verbesserungsbedarf rund um die Durchführung der Heimspiele des FCS? Wie stehen Sie zur Polizeipräsenz bei sogenannten „Risikospielen“ mit Einheiten aus mehreren Bundesländern und Drohneneinsätzen, die den Steuerzahler enorm belasten?

Ja, es gibt Verbesserungsbedarf – insbesondere bei Abläufen, Infrastruktur und Abstimmungen, weil Rahmenbedingungen im Ludwigspark manche Prozesse unnötig schwer machen. Zur Polizeipräsenz: Sicherheit ist wichtig. Gleichzeitig müssen Aufwand, Kosten und Verhältnismäßigkeit regelmäßig geprüft werden. Große Einsätze mit Kräften aus mehreren Bundesländern und Drohneneinsätze belasten nicht nur den Steuerzahler, sondern beeinflussen auch Atmosphäre und Wahrnehmung.

Mein Ansatz wäre ein sachlicher, regelmäßiger Dialog zwischen Verein, Behörden und weiteren Beteiligten – mit Auswertung, was welche Maßnahme tatsächlich bringt, und mit dem Ziel, Standards zu schaffen, statt jedes Spiel neu zu „erfinden“.

12. Wie möchten Sie sicherstellen, dass auf allen Ebenen des Vereins ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, bei dem das „Wir“ im Vordergrund steht und sich alle für den FCS engagierten Menschen gleichermaßen wertgeschätzt fühlen? Wie kann der Verein dem verabschiedeten Leitbild und damit auch der Bedeutung seiner Anhängerschaft gerecht werden?

Ein Gemeinschaftsgefühl entsteht durch Transparenz, Respekt und verlässliche Kommunikation – und durch konsequente Wertschätzung für alle, die sich engagieren: hauptamtlich, ehrenamtlich, Fans, Mitglieder und Partner.

Das Leitbild darf kein Papier bleiben. Es muss im Alltag spürbar sein – und wir müssen es auch im Aufsichtsrat vorleben: im Umgang miteinander, in der Art der Entscheidungen, und in einer Kultur, in der das „Wir“ vor dem Ego steht. Wenn diese Haltung im Gremium stimmt, wirkt sie in den Verein hinein – und stärkt Zusammenhalt, Vertrauen und Engagement.

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Hier geht es zum Fragenkatalog und den Antworten weiterer Kandidierenden für den Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken e.V.:

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…denn für Blau und Schwarz wird’s höchste Zeit!