Im Folgenden veröffentlichen wir die eingesendeten Antworten von Aufsichtsrats-Kandidat Ralf Schmitt zu dem von „Zukunft Blau-Schwarz“ veröffentlichten Fragenkatalog.
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1. Stellen Sie sich gerne einmal kurz vor: Name, Alter, Beruf und Ihr Weg zum und mit dem FCS.
Mein Name ist Ralf Schmitt, ich bin 51 Jahre alt, verheiratet und habe 4 Kinder (2 Töchter,2 Söhne). Ich arbeite als Augenarzt mit meinem Team selbstständig an drei Standorten in Saarbrücken. Mein Unternehmen habe ich vor rund 15 Jahren gegründet und seitdem zu einem inhabergeführten mittelständigen Betrieb mit 8 angestellten Ärzten aufgebaut.
Den 1. FC Saarbrücken begleite ich seit Jahren als Dauerkarteninhaber im Ludwigspark sowie bei zahlreichen Auswärtsspielen. Gemeinsam mit meiner Familie bin ich Teil der blau-schwarzen Fanszene. Der FCS ist für mich ein Stück Heimat und ein fester Bestandteil meines Alltags.
2. Worin liegt Ihre Motivation für eine ehrenamtliche Kandidatur für den Aufsichtsrat des 1.FC Saarbrücken e.V.?
Ich kandidiere für den Aufsichtsrat, weil ich dem Verein etwas zurückgeben möchte. Meine Familie und ich wurden in Saarbrücken und von den blauschwarzen Fans offen und herzlich aufgenommen. In den vergangenen Jahren sind daraus Freundschaften und eine tiefe Verbundenheit mit dem Verein entstanden.
Der FCS steht aktuell an einem Punkt an dem aus guten Ansätzen jetzt verlässliche und stabile Strukturen entstehen müssen. Ich möchte dabei helfen, dass Entscheidungen sachlich, unabhängig und ohne persönliche Interessen getroffen werden stets im Sinne des Vereins.
3. Was qualifiziert Sie besonders für die Arbeit im Aufsichtsrat
Aus meiner Tätigkeit in Medizin und Wissenschaft bringe ich insbesondere mit:
• analytisches und strukturiertes Denken
• Erfahrung mit verantwortungsvollen Entscheidungen
• Arbeiten im Team unter hohem Druck
Der medizinische und gesundheitliche Bereich spielt im Profisport eine zunehmend wichtige Rolle. Hier kann ich den Aufsichtsrat fachlich beratend unterstützen, Netzwerke spinnen, Konzepte bewerten und die Planungen zukünftiger Vorstände kritisch begleiten.
Als Unternehmer verfüge ich zudem über Erfahrung in:
• Personalgewinnung und Personalführung
• Bewertung betriebswirtschaftlicher Auswertungen und Finanzpläne
• Dialog mit städtischen Institutionen und Berufsverbänden
• Marketing und Außenwirkung
Als Inhaber und Leiter von 3 Praxen (darunter ein großes operatives Zentrum) mit über 40 hochqualifizierten Angestellten, sind wichtige Personal und Unternehmensentscheidungen für mich alltäglich. Ich bin es gewohnt, komplexe Informationen zu bewerten, nüchtern abzuwägen und dann klar zu entscheiden. Diese Eigenschaften möchte ich in die Aufsichtsratsarbeit einbringen mit klaren Prinzipien und ohne Lagerdenken.
4. Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand, in dem sich der Verein befindet? In welchen Bereichen besteht der größte Verbesserungsbedarf?
Der Verein besitzt sportlich und emotional ein großes Potenzial, wirkt strukturell jedoch zerrissen. Strittige Themen werden meistens nicht transparent genug aufgearbeitet, Entscheidungen nicht ausreichend erklärt und der Basis oft nicht vermittelt.
Der größte Verbesserungsbedarf liegt aus meiner Sicht in:
• einer besseren internen Kommunikation
• klar definierten Zuständigkeiten
• einem respektvollen Umgang bei bestehenden Konflikten und einer aktiven Kommunikation nach außen
Wir brauchen weniger „Wer gegen wen?“ und mehr „Wie lösen wir das gemeinsam für den FCS?“.
5. Wie nehmen Sie die Infrastruktur beim FCS wahr und welche Zukunftsvision haben Sie hierzu? Welche Bedeutung hat für Sie das Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken?
Infrastruktur sowohl strukturell als auch personell ist die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung. Das weiß ich aus eigener unternehmerischer Erfahrung.
Für den FCS wünsche ich mir einen langfristigen, ganzheitlichen Plan, der Trainingsbedingungen, Nachwuchsarbeit und das Stadionumfeld gemeinsam denkt. Das ist nur im engen und dauerhaften Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken möglich. Nicht nur die Stadt sondern vor allem wir als Verein sollten auf die Stadt zugehen und zwar als offizielle Funktionäre des Vereins mit klarem Auftrag von über 14.000 Mitglieder.
Sachlich und kontinuierlich; nicht nur punktuell, wenn es bereits brennt.
6. Wie blicken Sie auf die von „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen strukturellen Veränderungen und welche Themen müssen kurz- und mittelfristig umgesetzt werden? Haben Sie bereits einen konkreten Arbeitsplan oder Ansätze, an denen sich in den nächsten Monaten orientiert werden sollte?
Die durch „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen strukturellen Veränderungen waren ein wichtiger und notwendiger Schritt.
Kurzfristig sollte der neue Aufsichtsrat aus meiner Sicht:
• die Auswahl der neuen Vorstände geordnet und transparent begleiten
• klare Regeln für Zuständigkeiten und Kontrolle festlegen
• die bereits beschlossenen Strukturreformen konsequent umsetzen
Wichtig ist ein konkreter Arbeitsplan mit überprüfbaren Zielen, der nicht nach wenigen Monaten verpufft, sondern Wirkung entfaltet.
7. Wo sehen Sie den FCS in drei Jahren? Was sind – unabhängig vom sportlichen Erfolg – die wesentlichen Ziele, die Sie erreicht sehen wollen?
In drei Jahren wünsche ich mir einen FCS, der sportlich stabil in der 3. Liga steht und idealerweise um den Aufstieg mitspielt oder diesen bereits geschafft hat. Wichtiger als die exakte Tabellenposition ist für mich, dass die Strukturen zwischen Aufsichtsrat, Vorständen und den Abteilungen funktionieren, dass die
Finanzen transparent und rechtzeitig planbar sind ohne böse Überraschungen und dass es einen klaren Fahrplan für Infrastruktur, Nachwuchs und die Frauenabteilung gibt, der Schritt für Schritt umgesetzt wird.
Wenn das Fundament stimmt, kommen sportliche Erfolge nicht automatisch, aber deutlich leichter.
8. Welche Anforderungen haben Sie an die neu einzustellenden Vorstände? Welche Zielvorgaben sind Ihnen hierbei besonders wichtig?
Die neuen Vorstände sollten in ihrem Bereich nachweislich erfahren und fachlich kompetent sein, teamfähig und unabhängig auftreten und bereit sein, ihre Konzepte messbar umzusetzen und transparent zu arbeiten. Mir ist wichtig, dass wirtschaftliche Stabilität gesichert wird, dass es einen nachvollziehbaren sportlichen Weg vom NLZ bis zu den Profis gibt und dass die Kommunikation mit Mitgliedern, Fans, Stadt und Sponsoren offen, ehrlich und verlässlich ist.
9. Wie wichtig ist Ihnen das aktive Miteinbeziehen von Fans und Mitgliedern bei der Gestaltung des Vereinslebens? Welche besondere Rolle können hierbei Arbeitskreise, bestehend aus Verantwortlichen des Vereins und der Mitgliedschaft, spielen (Stichwort Leitbildkommission, AK Blau-Schwarz ist Vielfalt, AK Blau-schwarze Geschichte etc.)? Können ergänzende Beiräte ein praktikables Modell für die Zukunft sein?
Fans und Mitglieder sind das Herz des Vereins, die Basis. Ihre Beteiligung ist für mich Pflicht. Arbeitskreise wie die Leitbildkommission, „Blau-Schwarz ist Vielfalt“ oder „Blau-schwarze Geschichte“ zeigen, welches Wissen und welche Energie in der Mitgliedschaft stecken. Diese Themen sollten dauerhaft im Verein verankert und mit klaren Ansprechpartnern verbunden sein, perspektivisch auch durch eine eigene Stelle, die diese Bereiche professionell begleitet.
Ergänzende Beiräte etwa ein Fan-, Wirtschafts- oder Sozialbeirat können ein sehr praktikables und wirksames Modell sein, wenn ihre Rolle klar definiert ist, sie regelmäßig einbezogen werden und ihre Impulse tatsächlich in die Arbeit der Gremien einfließen. Wenn sie nur dekorativ sind, verschenken wir großes Potenzial.
10. Wie stehen Sie zur 50+1-Regel und anderen fanpolitischen Themen, die derzeit viele Stadiongänger umtreiben (Vorhaben der Innenministerkonferenz, Regionalliga-Reform, Abschaffung von Verbandsstrafen für Pyrotechnik etc.)? Der FCS hat sich im August in einem Statement dazu bekannt, die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ zu unterstützen. Wird dieser Weg mit Ihnen fortgesetzt?
Die 50+1-Regel ist für mich unverzichtbar. Sie schützt die Kontrolle der Mitglieder, ohne ernsthaftes Engagement von Sponsoren oder Investoren zu verhindern. Dass wir dieses Modell in Deutschland haben, ist ein Vorteil, den wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollten. Die Unterstützung der Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ sollte fortgeführt werden. Pauschale Strafen haben die Probleme bislang nicht gelöst, belasten aber die Vereine und schaden dem Verhältnis zu den Fans. Bei der Regionalliga-Reform ist meine Haltung klar. Ein Meister, der nicht aufsteigt, ist sportlich schwer vermittelbar. Hier braucht es möglichst schnell gerechte und praktikable Modelle.
11. Sehen Sie konkreten Verbesserungsbedarf rund um die Durchführung der Heimspiele des FCS? Wie stehen Sie zur Polizeipräsenz bei sogenannten „Risikospielen“ mit Einheiten aus mehreren Bundesländern und Drohneneinsätzen, die den Steuerzahler enorm belasten?
Aus meiner Sicht gibt es Verbesserungsbedarf rund um die Heimspiele bei Anreise und Einlass, bei Abläufen im Stadion sowie beim Thema Service und Kommunikation. Sicherheit muss gewährleistet sein, aber verhältnismäßig bleiben. Die Polizeipräsenz ist oft übertrieben. Dauerhafte Hundertschaften und Drohneneinsätze sollten die Ausnahme sein. Ich wünsche mir, dass der Verein im Sinne seiner Mitglieder und Fans frühzeitiger und aktiver den Dialog mit Polizei, Stadt und Behörden sucht, deeskalierende Konzepte mitentwickelt und seine Position klar vertritt, statt Maßnahmen nur hinzunehmen.
12. Wie möchten Sie sicherstellen, dass auf allen Ebenen des Vereins ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, bei dem das „Wir“ im Vordergrund steht und sich alle für den FCS engagierten Menschen gleichermaßen wertgeschätzt fühlen? Wie kann der Verein dem verabschiedeten Leitbild und damit auch der Bedeutung?
Ein echtes „Wir“ entsteht, wenn sich alle ernst und mitgenommen fühlen das kenne ich aus meinem Unternehmen. Im Fußballverein ist das noch intensiver. Profis, Nachwuchs, Mitarbeitende, Ehrenamtliche, Fans und Sponsoren müssen das Gefühl haben, für denselben FCS zu arbeiten. Das gelingt, wenn man nicht nur gemeinsam feiert, sondern sich auch in schwierigen Phasen austauscht und füreinander da ist. Meinungsverschiedenheiten müssen respektvoll ausgetragen und wichtige Entscheidungen erklärt und transparent gemacht werden. Das Leitbild ist für mich dabei ein Maßstab. Vor wichtigen Entscheidungen sollte immer die Frage stehen: „Passt das zu unserem Leitbild und zu unserem Bild vom FCS?“ Und die Antwort darauf sollte offen mit den Mitgliedern geteilt werden.
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Hier geht es zum Fragenkatalog und den Antworten weiterer Kandidierenden für den Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken e.V.:
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…denn für Blau und Schwarz wird’s höchste Zeit!
