Im Folgenden veröffentlichen wir die eingesendeten Antworten von Aufsichtsrats-Kandidat Oliver Strauch zu dem von „Zukunft Blau-Schwarz“ veröffentlichten Fragenkatalog.
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1. Stellen Sie sich gerne einmal kurz vor: Name, Alter, Beruf und Ihr Weg zum und mit dem FCS.
Mein Motto: „Alles für Blau-Schwarz!“
Ich heiße Oliver Strauch, bin 1966 in Saabrücken geboren, bin Musiker, Hochschulprofessor in Saarbrücken und Kulturmanager. Mit 10 Jahren wurde ich -durch meinen Vater-, FCS- sozialisiert, und zwar in der Saison 1975/76, dem Aufstiegsjahr in die 1.Bundesliga, seitdem bin ich durch und durch Blau-Schwarz und habe alle Höhen und Tiefen der letzten 50 Jahre hautnah miterlebt.
2. Worin liegt Ihre Motivation für eine ehrenamtliche Kandidatur für den Aufsichtsrat des 1.FC Saarbrücken e.V.?
Mein Motto: „Niemand ist wichtiger als der Verein.“
In der Leidenschaft für den Verein und der tiefen emotionalen Bindung zum 1. FC Saarbrücken für dessen Zukunft möchte ich mich aktiv einsetzen. Weiterhin ist meine Motivation an einer Neuausrichtung mitzuwirken und professionelle Strukturen zu etablieren, die sich an anderen, erfolgreichen Proficlubs orientieren.
Ich engagiere mich über den Sport hinaus sozial und Aspekte wie die Förderung der Jugendarbeit, die Arbeitskreise „Blau-Schwarz ist Vielfalt“ und „Blau-Schwarze Geschichte“ und gemeinnützigen Aktionen in der Vereinsarbeit sind mir sehr wichtig.
3. Was qualifiziert Sie besonders für die Arbeit im Aufsichtsrat?
Mein Motto vor jeder Entscheidung im AR ist die Fragestellung: „Ist es gut für den Verein?“
Ich bin tief in der regionalen Kultur und Gesellschaft verwurzelt, was für die Rolle des Vereins als lokaler Identitätsträger von Bedeutung ist. Ich verfüge über ausgiebige Management-Erfahrung als Professor an der Hochschule für Musik Saar, als Hochschullehrer und künstlerischer Leiter eines großen regionalen Festivals und in der Führung von Organisationen, in Budgetverantwortung und strategischen Planungen.
Außerdem war ich Präsident des Rotary Clubs Saarbrücken und verfüge über ein großes Netzwerk an Entscheider-Kontakten.
Ich bringe eine „Außensicht“ aus Wissenschaft und Kultur ein, gepaart mit einer klaren Haltung zu sozialen Themen, was die traditionell eher wirtschaftlich oder sportlich geprägten Profile im Aufsichtsrat ergänzt. In den vergangenen drei Jahren konnte ich wertvolle Erfahrung in der Überwachung der Vereinsführung, der Begleitung von Satzungsreformen und in den Arbeitskreisen sammeln.
Diese Erfahrungen möchte ich gewinnbringend für unseren FCS einbringen.
4. Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand, in dem sich der Verein befindet? In welchen Bereichen besteht der größte Verbesserungsbedarf?
Mein Motto: „Aus dem Positiven handeln und anpacken statt zu lamentieren.“
Die Abhängigkeiten von einem Hauptsponsor und einzelnen Erfolgen sollten verringert werden, um langfristig in der 3. Liga konkurrenzfähig zu sein und den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu ermöglichen. Daher gilt es Einnahmen zu diversifizieren.
Der größte Verbesserungsbedarf besteht darin interne Spannungen beizulegen, um die Kräfte in einer strukturellen Konsolidierung zu bündeln.
Die Umsetzung der neuen Satzung und Etablierung eines effizienten Zusammenspiels zwischen Aufsichtsrat und hauptamtlichem Vorstand sind essenziell. Themen wie der Ausbau des Stadions oder die Verbesserung der Trainingsbedingungen sind ständige Begleiter in der 3. Liga und erfordern kontinuierliche Anstrengungen und Investitionen.
5. Wie nehmen Sie die Infrastruktur beim FCS wahr und welche Zukunftsvision haben Sie hierzu? Welche Bedeutung hat für Sie das Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken?
Mein Motto: „Ich bin ein Saarbrücker Bub. Es geht nur gemeinsam mit der Stadt.“
Meine Vision ist eine nachhaltige und zukunftsfähige Infrastruktur, die den sportlichen Ambitionen unseres Vereins entspricht und unabhängig von kurzfristigen Lösungen ist. Die Profimannschaft und die Jugendteams kämpfen mit beengten und veralteten Bedingungen im FC-Sportfeld. Das zentrale Ziel muss daher die Realisierung eines Proficampus sein, um optimale Trainingsbedingungen für alle Mannschaften zu schaffen. Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) auf Top-Niveau: Die Jugendarbeit muss so weit entwickelt sein, dass regelmäßig Talente mit Potenzial für die Profimannschaft aus den eigenen Reihen nachrücken. „Die Zwett“ und die Frauen-Mannschaft verdienen hierbei größtmögliche Förderung!
In drei Jahren sollte der 1. FC Saarbrücken strukturell so aufgestellt sein, dass der Verein stabil um den Aufstieg in die 2. Bundesliga mitspielt.
Das Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken ist von elementarer Bedeutung und muss auf eine vertrauensvolle, langfristige Partnerschaft ausgerichtet sein. In der Eigentümer-Nutzer-Beziehung ist eine enge Abstimmung essenziell, um Instandhaltungen, Investitionen und Nutzungsbedingungen effizient zu regeln
Der Erfolg des FCS ist ein positiver Faktor für das Image der Stadt. Eine Kooperation, die über die reinen Mietfragen hinausgeht (z.B. bei der Nutzung städtischer Entwicklungsmittel), ist im beiderseitigen Interesse. Hier muß vertrauensvoll verhandelt werden. Dazu stehe ich bereit, da ich über das nötige Vertrauen bei der LHS verfüge.
6. Wie blicken Sie auf die von „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen strukturellen Veränderungen und welche Themen müssen kurz- und mittelfristig umgesetzt werden? Haben Sie bereits einen konkreten Arbeitsplan oder Ansätze, an denen sich in den nächsten Monaten orientiert werden sollte?
Mein Motto: „Zuhören, lernen, andere Meinungen akzeptieren und dann entschlossen gemeinsam für den Verein handeln.“
Um die positive Dynamik in nachhaltigen Erfolg umzumünzen, sollte sich der neue Aufsichtsrat an folgendem Fahrplan orientieren:
Kurzfristig: Die Etablierung einer Geschäftsordnung ist der erste Schritt. Der neue Aufsichtsrat muss sich klare Leitlinien und Ziele setzen um eigenverantwortliches Handeln in den jeweiligen Fachbereichen zu ermöglichen.
Strukturierte Personalsuche: Durchführung eines transparenten, wettbewerbsorientierten Auswahlprozesses für die Vorstandsposten, um die qualifiziertesten Experten für den FCS zu gewinnen.
Mittelfristig gilt es, die „Energie aus dem Umfeld“ in die zukünftige operative Entwicklung einzuspeisen, den positiven „Geist der neuen Satzung“ zu bewahren und den 1. FC Saarbrücken strukturell perspektivisch reif für die 2. Bundesliga zu machen.
Einen sportlichen Beirat halte ich bei den jetzigen möglichen Konstellationen für unabdingbar.
7. Wo sehen Sie den FCS in drei Jahren? Was sind – unabhängig vom sportlichen Erfolg – die wesentlichen Ziele, die Sie erreicht sehen wollen?
Mein Motto: „Lasst uns den Geist des demokratischen Diskurses den es im Rahmen der Entwicklung der neuen Satzung gab in die Zukunft tragen!“
Bis 2028 sollten die Erträge aus Sponsoring, Merchandising und Ticketverkauf so weit gesteigert sein, dass eine solide Basis geschaffen ist. Positives Eigenkapital muss nachhaltig gesichert und ausgebaut werden.
Stärkung der Marke und regionalen Verankerung: Der FCS sollte seine Rolle als regionaler Leuchtturm weiter ausbauen. Die gesellschaftlichen Initiativen, beispielsweise gegen Rassismus, müssen verstetigt und die Bindung zu Fans und der lokalen Wirtschaft weiter vertieft werden.
Das oberste Ziel ist es jedoch, dass die neue Satzung im Alltag gelebt wird. Das Zusammenspiel zwischen dem hauptamtlichen Vorstand und dem ehrenamtlichen, kontrollierenden Aufsichtsrat muss reibungslos funktionieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Verein in drei Jahren als ein professionell geführter, finanziell solider und infrastrukturell zukunftsfähiger Club wahrgenommen werden sollte, der bereit für höhere Aufgaben ist.
8. Welche Anforderungen haben Sie an die neu einzustellenden Vorstände? Welche Zielvorgaben sind Ihnen hierbei besonders wichtig?
Mein Motto: „Niemand MUSS für den 1.FC Saarbrücken arbeiten, sondern DARF!“
Zunächst Führungserfahrung, nachweisbare Expertise in leitenden Positionen, idealerweise im Profisport-Umfeld oder in komplexen Organisationen.
Dann Teamfähigkeit. Die Vorstände müssen als kollegiales Organ zusammenarbeiten und Entscheidungen gemeinsam treffen, auch wenn sie unterschiedliche Ressorts verantworten.
Kommunikationsstärke & Transparenz sind ebenfalls wichtige Skills. Offene und transparente Kommunikation gegenüber dem Aufsichtsrat, den Mitgliedern, Fans und der Öffentlichkeit müssen gewährleistet sein. Ein bestehendes Netzwerk in der Fußballbranche oder Wirtschaft ist von Vorteil. Ich würde Politiker aus den Gremien fernhalten.
Ohne Identifikation mit dem Verein geht bei uns garnichts. Verständnis für die Tradition, die Werte und die Leidenschaft, die den 1. FCS in der Region prägen sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Bindung.
Diese Anforderungen und Zielvorgaben sollen sicherstellen, dass der 1. FC Saarbrücken unter der neuen Führung nicht nur kurzfristige sportliche Erfolge erzielt, sondern auch langfristig auf soliden Füßen steht und für die Herausforderungen des modernen Profifußballs gerüstet ist.
9. Wie wichtig ist Ihnen das aktive Miteinbeziehen von Fans und Mitgliedern bei der Gestaltung des Vereinslebens? Welche besondere Rolle können hierbei Arbeitskreise, bestehend aus Verantwortlichen des Vereins und der Mitgliedschaft, spielen (Stichwort Leitbildkommission, AK Blau-Schwarz ist Vielfalt, AK Blau-schwarze Geschichte etc.)? Können ergänzende Beiräte ein praktikables Modell für die Zukunft sein?
Mein Motto ist die Antwort auf die Kurve: „Ja, wir spüren eueren Wind im Rücken!“
Der Verein gehört seinen Mitgliedern. Die Einbindung der Basis sorgt für eine starke Identifikation und legitimiert die Entscheidungen der Gremien. Nur durch den Dialog mit den Fans erhält die Vereinsführung ein realistisches Bild der Stimmungslage. Dies schafft den nötigen Rückhalt auch für unpopuläre Entscheidungen oder bei sportlichen Misserfolgen.
Mitglieder und Fans bringen Fachwissen, Engagement und historische Kenntnisse ein, Arbeitskreise wie „AK Blau-Schwarz ist Vielfalt“, der „AK Blau-schwarze Geschichte“ oder die „Leitbildkommission“ spielen eine entscheidende Rolle als direkte Schnittstelle zwischen Basis und Vereinsführung. Die Institutionalisierung dieser Arbeitskreise muss angestrebt werden. Diese Kontinuität stellt sicher, dass die erarbeiteten Themen auch auf der Agenda der Verantwortlichen bleiben.
Ergänzende Beiräte sind ein äußerst praktikables und sinnvolles Modell für die Zukunft. Beiräte liefern dem Aufsichtsrat und dem Vorstand wertvolle Impulse und fundierte Entscheidungsgrundlagen.
10. Wie stehen Sie zur 50+1-Regel und anderen fanpolitischen Themen, die derzeit viele Stadiongänger umtreiben (Vorhaben der Innenministerkonferenz, Regionalliga-Reform, Abschaffung von Verbandsstrafen für Pyrotechnik etc.)? Der FCS hat sich im August in einem Statement dazu bekannt, die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ zu unterstützen. Wird dieser Weg mit Ihnen fortgesetzt?
Mein Motto: „Pro 50+1! Blau-Schwarz ist Vielfalt!“
Ja, mit mir würde dieser Weg unbedingt fortgesetzt werden. Es ist sicherzustellen, das der Identitätsschutz weiterhin gilt und der Verein nicht von externen Investoren übernommen wird, die primär Renditeinteressen verfolgen.
Auch der Weg der Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ würde mit mir fortgesetzt werden. Die Kriminalisierung ganzer Fanszenen muss aufhören, stattdessen sollten praktikable Lösungen für den Umgang mit Pyrotechnik gefunden werden, die die Sicherheit gewährleisten.
Die Forderungen der IMK nach pauschal härteren Strafen ist der falsche Weg.
Als einer der Unterstützer der Antirassismus-Arbeitskreise stehe ich für eine Vereinskultur, die den Dialog mit der Basis sucht und auch unbequeme Positionen im Sinne der Mitglieder vertritt. Die Stärkung der Fanrechte und die aktive Auseinandersetzung mit den Verbänden sind integraler Bestandteil meines Engagements für einen modernen und mitgliederorientierten 1. FC Saarbrücken.
11. Sehen Sie konkreten Verbesserungsbedarf rund um die Durchführung der Heimspiele des FCS? Wie stehen Sie zur Polizeipräsenz bei sogenannten „Risikospielen“ mit Einheiten aus mehreren Bundesländern und Drohneneinsätzen, die den Steuerzahler enorm belasten?
Mein Motto: „Wer die Fans kriminalisiert, schafft Konfrontation.“
Bei Heimspielen muss die Zugänglichkeit und der Komfort für Menschen mit Behinderung ein kontinuierlicher Prozess der Verbesserung werden, denn es gibt deutlichen Optimierungsbedarf.
Wir haben zu lange Wartezeiten an den Einlässen und den Catering-Ständen. Die Modernisierung von digitalen Serviceangeboten für die Fans hat ebenfalls noch Luft nach oben. Der Barverkehr für Menschen ohne Bonität sollte allerdings erhalten bleiben.
Ich stehe einer überzogenen und kostenintensiven Polizeipräsenz bei „Risikospielen“ sehr sehr kritisch gegenüber. Dialog und Deeskalation sind von Nöten.
Massive Polizeipräsenz aus mehreren Bundesländern und der Einsatz von Drohnen ist kontraproduktiv und trägt zur Eskalation bei. Der Fokus sollte auf präventiver Arbeit, Kommunikation mit den Fanszenen und geschulten Ordnungsdiensten liegen. Die enormen Kosten, die dem Steuerzahler durch Polizeieinsätze entstehen, sind nicht hinzunehmen.
12. Wie möchten Sie sicherstellen, dass auf allen Ebenen des Vereins ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, bei dem das „Wir“ im Vordergrund steht und sich alle für den FCS engagierten Menschen gleichermaßen wertgeschätzt fühlen? Wie kann der Verein dem verabschiedeten Leitbild und damit auch der Bedeutung seiner Anhängerschaft gerecht werden?
Mein Motto stammt aus unserer Vereinshymne: „Wir halten treu und fest, zu unserm FCS!“
Die Etablierung des „Wir“-Gefühls ist essenziell für unsere Situation. Ein Aufsichtsrat hat meiner Meinung nach die Aufgabe das Gemeinschaftsgefühl und die Wertschätzung für alle Engagierten sicherzustellen, indem eine Kultur der Transparenz, Kommunikation und aktiven Einbindung -wie im Leitbild gefordert-, vorgelebt und eingerfordert wird. Die AR-Mitglieder und Vorstände müssen Geschlossenheit zeigen und interne Konflikte professionell lösen, bevor sie an die Öffentlichkeit gelangen. Das „Wir“ beginnt in der Führungsetage.
Die Arbeit der vielen Helfer in der Jugendabteilung, in Fanprojekten und bei Heimspielen muss sichtbar gemacht und offiziell wertgeschätzt werden (z.B. durch Ehrungen, eigenen Veranstaltungen ect.). Es muss sichergestellt werden, dass sich alle Gruppen – von der aktiven Fanszene über die „normalen“ Stadiongänger bis hin zu den Sponsoren – gleichermaßen repräsentiert und angesprochen fühlen. Unsere Legenden sollen einen „Legendentisch“ im Businessclub bekommen.
Die Arbeitskreise müssen als offizielle Dialogplattformen stärker eingebunden und mit entsprechenden Ressourcen ausgestattet werden. Die Ergebnisse dieser AKs sollen in die Entscheidungsfindung des Vorstands einfließen. Die Einhaltung des Leitbilds muss regelmäßig überprüft und der Dialog über einen Wertekompass in den Gremien und mit den Fans gesucht werden.
Indem der Aufsichtsrat diese Punkte aktiv befördert und einfordert, kann er einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass der 1. FC Saarbrücken über den sportlichen Erfolg hinaus eine starke, werteorientierte Gemeinschaft bildet, bei der das „Wir“ tatsächlich im Mittelpunkt steht.
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Hier geht es zum Fragenkatalog und den Antworten weiterer Kandidierenden für den Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken e.V.:
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…denn für Blau und Schwarz wird’s höchste Zeit!
