Im Folgenden veröffentlichen wir die eingesendeten Antworten von Aufsichtsrats-Kandidat Matthias Bruch zu dem von „Zukunft Blau-Schwarz“ veröffentlichten Fragenkatalog.
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1. Stellen Sie sich gerne einmal kurz vor: Name, Alter, Beruf und Ihr Weg zum und mit dem FCS.
Mein Name ist Matthias Bruch, ich bin 42 Jahre alt und seit 2020 Geschäftsführer der GLOBUS Gruppe. Als Saarländer schlug mein Herz früh für den FCS: Bereits als Kind war ich ab und an mit meinem Vater im Ludwigspark, als Schüler fuhr ich regelmäßig zu den Heimspielen. Dazu gehörte auch schon als Schüler die ein oder andere Auswärtsfahrt. Das Herz hing früh am Verein – und es lässt einen seitdem auch nicht mehr los.
2. Worin liegt Ihre Motivation für eine ehrenamtliche Kandidatur für den Aufsichtsrat des 1.FC Saarbrücken e.V.?
Der Verein befindet sich in einer entscheidenden Phase, in der die Weichen für die weitere Entwicklung gestellt werden. In dieser Phase möchte ich mich engagieren und Verantwortung übernehmen. Dabei sollte es in meinen Augen weniger um kurzfristige Effekte gehen als vielmehr um den Aufbau eines soliden und tragfähigen Fundaments. Dazu gehören professionelle Strukturen, eine wettbewerbsfähige und verlässliche Infrastruktur und eine stabile wirtschaftliche Basis. Nur auf diesem Fundament kann sich der FCS nachhaltig positiv entwickeln – mit dem Ziel, dauerhaft wettbewerbsfähig und wirtschaftlich wie organisatorisch jederzeit lizenzfähig zu sein.
3. Was qualifiziert Sie besonders für die Arbeit im Aufsichtsrat?
Als Geschäftsführer eines Familienunternehmens ist es mein Anspruch, Entscheidungen stets mit Blick auf ihre langfristigen Auswirkungen und die damit verbundene Verantwortung zu treffen – mit konsequentem Blick auf nachhaltige Entwicklungen, die über viele Jahre oder sogar Generationen hinweg wirken. Entscheidungen sollten dabei stets so ausgerichtet sein, dass sie nicht nur kurzfristige Effekte erzielen, sondern den Verein langfristig stabilisieren und strukturell sowie in seiner Zukunftsfähigkeit stärken. Dieses Verständnis prägt auch mein Bild von Zusammenarbeit: Entscheidend ist es, eine Art der Zusammenarbeit zu etablieren, die unterschiedliche Perspektiven zulässt und sachliche Auseinandersetzungen nicht scheut. Unterschiedliche Sichtweisen sind dabei kein Störfaktor, sondern bilden den Nährboden für Fortschritt und Erfolg – in ihnen stecken Energie und Willenskraft, sie sind ein Zeichen dafür, dass es gemeinsame Ziele und Interessen gibt. Ein leistungsfähiger Fußballklub braucht diese offene und transparente Auseinandersetzung in der Sache, respektvoll und immer auf Augenhöhe geführt. Dabei ist natürlich auch eine wirtschaftlich stabile Basis unbedingte Voraussetzung.
Diese Haltung, ergänzt um meine Erfahrungen aus der Mitarbeit in Beiräten und Aufsichtsräten, bringe ich gerne in die Arbeit des Aufsichtsrates ein, um gemeinsam mit anderen qualifizierten Bewerbern verantwortungsvoll und beharrlich an einer positiven Entwicklung des Vereins zu arbeiten.
4. Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand, in dem sich der Verein befindet? In welchen Bereichen besteht der größte Verbesserungsbedarf?
Sportlich besteht aktuell noch Entwicklungspotenzial. Ruhe und Stabilität innerhalb des Vereins werden wesentlich dazu beitragen, zeitnah wieder zu einer positiven sportlichen Entwicklung zurückzufinden.
Parallel dazu befindet sich der Verein auch abseits des Spielfelds in einer Phase des Umbruchs. Umso wichtiger ist es, Strukturen bedacht weiterzuentwickeln und zu professionalisieren sowie die Wettbewerbsfähigkeit, die infrastrukturellen Voraussetzungen und die wirtschaftliche Stabilität konsequent zu stärken. Kurzfristig gilt es, die Weichen für die kommende Saison zu stellen und diese zu sichern. Mittel- und langfristig gilt es, gemeinsam ein tragfähiges Fundament für die weitere Entwicklung des Vereins zu schaffen und dabei auch die finanziellen Spielräume zu erweitern.
5. Wie nehmen Sie die Infrastruktur beim FCS wahr und welche Zukunftsvision haben Sie hierzu? Welche Bedeutung hat für Sie das Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken?
Im 1. FC Saarbrücken steckt eine enorme Kraft sowie noch erhebliches, bislang nicht vollständig genutztes Potential – organisatorisch, wirtschaftlich und strukturell – das es weiter auszuschöpfen gilt. Damit ist ausdrücklich keine Abwertung dessen verbunden, was in der Vergangenheit geleistet wurde. Im Gegenteil: Allen, die den Verein bis heute tragen und insbesondere in schwierigen Zeiten Verantwortung übernommen haben, gebührt Respekt und Anerkennung, auch wenn nicht jede Entwicklung immer glücklich verlaufen ist. Bezogen auf die Weiterentwicklung der Infrastruktur ist mir vor allem wichtig, dass wir konsequent langfristig denken und den Verein so aufstellen, dass er dauerhaft wettbewerbsfähig, zukunftsfähig und Jahr für Jahr auch lizenzfähig ist. Wir alle haben Zeiten erlebt, in denen es weit nach unten ging – das möchte niemand mehr. Deshalb geht es nicht um große Versprechen oder kurzfristige Ziele, sondern darum, klare Prioritäten zu setzen und fokussiert an den wesentlichen Themen zu arbeiten: Beharrlich im Bemühen, bescheiden in der Erfolgserwartung. Mutig mit Blick auf das Machbare, aber stets mit der nötigen Demut.
Eine gute und tragfähige Beziehung zur Stadt zu pflegen, ist aus meiner Sicht ebenso essentiell. Der FCS spielt eine bedeutende Rolle in Saarbrücken, er ist sichtbar und bei den Menschen präsent. Genau deshalb sollte diese Beziehung aus meiner Sicht konstruktiv gestaltet sein – so, dass aus einem vertrauensvollen Miteinander auch etwas Positives für den Verein, die Stadt und die Menschen entstehen kann.
6. Wie blicken Sie auf die von „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen strukturellen Veränderungen und welche Themen müssen kurz- und mittelfristig umgesetzt werden? Haben Sie bereits einen konkreten Arbeitsplan oder Ansätze, an denen sich in den nächsten Monaten orientiert werden sollte?
Es bewegt sich aktuell viel im Verein, und das ist gut und wichtig. In dynamischen Zeiten, wie wir sie aktuell erleben, sind Flexibilität, Reaktions- und Anpassungsfähigkeit entscheidend und werden auch für Fußballklubs zum bedeutenden Erfolgsfaktor. Das gilt es bei der Etablierung neuer Strukturen und Prozesse zu berücksichtigen. „Zukunft Blau-Schwarz“ hat einen bedeutenden Prozess angestoßen. Jetzt gilt es, gemeinsam unseren Verein zukunftsfähig aufzustellen. Die neuen Gremien müssen schnell zusammenfinden, ohne Zeitverlust arbeitsfähig werden und konzentriert und fokussiert ihre Arbeit aufnehmen. Voraussetzung hierfür sind Ruhe und Stabilität.
7. Wo sehen Sie den FCS in drei Jahren? Was sind – unabhängig vom sportlichen Erfolg – die wesentlichen Ziele, die Sie erreicht sehen wollen?
Mir ist vor allem wichtig, den Verein so aufzustellen, dass er dauerhaft wettbewerbsfähig ist. Dazu gehört für mich, dass der FCS einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess verfolgt, der auf einer klaren Strategie, einer erkennbaren Philosophie sowie einer eindeutigen Haltung aufbaut – sowohl mit Blick auf das Sportliche als auch auf Fans und Mitglieder sowie gesellschaftliche Themen. Ganz entscheidend ist für mich, dass Fans und Mitglieder wirklich stolz auf ihren Verein sein können. Das zeigt sich nicht nur in sportlichen Ergebnissen oder der Ligazugehörigkeit, sondern bspw. auch darin, dass es gelingt, regelmäßig Nachwuchsspieler in die erste Mannschaft zu integrieren oder gesellschaftlich Verantwortung zu übernehmen und spürbar positive Impulse für Stadt und Region zu setzen.
Und natürlich wünsche auch ich mir, dauerhaft im Profifußball vertreten zu sein und perspektivisch auch in der 2. Liga Fuß zu fassen.
8. Welche Anforderungen haben Sie an die neu einzustellenden Vorstände? Welche Zielvorgaben sind Ihnen hierbei besonders wichtig?
Für Vorstände – und ebenso für die Aufsichtsräte- eines Traditionsverein wie dem 1. FC Saarbrücken ist mir wichtig, dass sie ihre Aufgabe ganzheitlich verstehen und ihre Verantwortung mit Kopf, Herz und Hand wahrnehmen.
Der Kopf steht dabei für Professionalität, fachliche Souveränität und eine reflektierte Entscheidungsfindung. Vorstände sollten ihr Handwerk sicher beherrschen, über fundierte Ausbildung und Erfahrung verfügen und Entscheidungen nachvollziehbar sowie mit Blick auf die langfristige Stabilität und Entwicklung des Vereins treffen.
Das Herz zeigt sich in echter Identifikation mit dem Verein, seinen Werten und seiner besonderen Bedeutung für Fans, Stadt und Region. Gerade bei einem Traditionsverein wie dem FCS ist diese innere Verbundenheit Grundlage für Glaubwürdigkeit, Vertrauen und verantwortungsvolle Führung.
Die Hand schließlich steht für Tatkraft, Dynamik und Verlässlichkeit in der Umsetzung. Verantwortung bedeutet hier, Themen nicht nur zu benennen, sondern sie entschlossen anzugehen, Entscheidungen wirksam umzusetzen und die notwendigen Schritte mit Konsequenz und dem notwendigen Pragmatismus voranzubringen.
Erst im Zusammenspiel von Kopf, Herz und Hand entsteht Führung, die einem Verein wie dem 1. FC Saarbrücken gerecht wird und seine Entwicklung nachhaltig unterstützt.
9. Wie wichtig ist Ihnen das aktive Miteinbeziehen von Fans und Mitgliedern bei der Gestaltung des Vereinslebens? Welche besondere Rolle können hierbei Arbeitskreise, bestehend aus Verantwortlichen des Vereins und der Mitgliedschaft, spielen (Stichwort Leitbildkommission, AK Blau-Schwarz ist Vielfalt, AK Blau-schwarze Geschichte etc.)? Können ergänzende Beiräte ein praktikables Modell für die Zukunft sein?
Mir ist eine stärkere und vor allem auch strukturell verankerte Einbindung der Fans enorm wichtig. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Fans und ihren Vertretern und habe in den vergangenen Wochen und Monaten viele von ihnen besser kennen- und sehr schätzen gelernt. In der Fanszene des FCS stecken eine enorme Kraft, Kreativität, viel Herzblut und ein großer Gestaltungswille – das hat sich auch zuletzt wieder eindrucksvoll gezeigt, etwa beim Weihnachtsmarkt am Silo oder auch bei den Aktivitäten rund um 20 Jahre Virage Est. Diese Energie, die vorhandenen Kompetenzen und die Bereitschaft, auch Verantwortung zu übernehmen, sollten wir nicht nur anerkennen, sondern strukturell verankern und damit für den Verein nutzbar machen. Formate wie ein Fanbeirat oder auch die genannten Arbeitskreise, deren Aktivitäten und Ziele ich ausdrücklich unterstütze, können dafür einen guten Rahmen bilden. Ein Fanbeirat kann ganz konkret dabei helfen, fanrelevante Anliegen zu bündeln, zu ordnen und in einen konstruktiven Bearbeitungsprozess zu überführen: Etwa Themen im Zusammenhang mit Auswärtsfahrten oder Merchandising, aber auch grundsätzliche Fragen der Vereinskultur und des Miteinanders im Verein. Solche Formate funktionieren andernorts sehr gut, etwa in Freiburg. Ich habe selbst jahrelang in der Kurve gestanden – die genannten Themen sind mir daher durchaus nah. Und man darf nicht vergessen: Gerade in herausfordernden Zeiten, wie den Jahren in Völklingen, hat die Fanszene den Verein entscheidend mitgetragen – und ohne sie hätte er die Strahlkraft, die er heute besitzt, kaum entwickeln können.
10. Wie stehen Sie zur 50+1-Regel und anderen fanpolitischen Themen, die derzeit viele Stadiongänger umtreiben (Vorhaben der Innenministerkonferenz, Regionalliga-Reform, Abschaffung von Verbandsstrafen für Pyrotechnik etc.)? Der FCS hat sich im August in einem Statement dazu bekannt, die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ zu unterstützen. Wird dieser Weg mit Ihnen fortgesetzt?
Es ist wichtig und richtig, dass Fans ihre Interessen formulieren und sie gegenüber Dritten vertreten. Dies zeugt von einer lebendigen und gesunden Fankultur, über die wir in Saarbrücken zweifelsohne verfügen. Der FCS hat sich in der Vergangenheit, so denke ich, offen gegenüber berechtigten Fananliegen gezeigt, und dies wird mit Sicherheit auch in Zukunft so bleiben.
11. Sehen Sie konkreten Verbesserungsbedarf rund um die Durchführung der Heimspiele des FCS? Wie stehen Sie zur Polizeipräsenz bei sogenannten „Risikospielen“ mit Einheiten aus mehreren Bundesländern und Drohneneinsätzen, die den Steuerzahler enorm belasten?
Ein Stadionbesuch muss für alle Menschen sicher sein – unabhängig von Alter, Herkunft oder persönlichem Hintergrund. Ich bin davon überzeugt, dass diese Sicherheit bei Besuchen im Ludwigspark grundsätzlich absolut gegeben ist.
Zugleich sollte bei allen Maßnahmen darauf geachtet werden, dass sie angemessen, ausgewogen und verhältnismäßig ausgestaltet sind. Sicherheitsanforderungen sollten dabei im Einklang mit den berechtigten Interessen der Fans stehen und das Stadionerlebnis nicht unnötig beeinträchtigen
12. Wie möchten Sie sicherstellen, dass auf allen Ebenen des Vereins ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, bei dem das „Wir“ im Vordergrund steht und sich alle für den FCS engagierten Menschen gleichermaßen wertgeschätzt fühlen? Wie kann der Verein dem verabschiedeten Leitbild und damit auch der Bedeutung seiner Anhängerschaft gerecht werden?
Fans und Mitglieder sind Herz und Seele des 1. FC Saarbrücken. Sie haben den Verein auch in schwierigen Zeiten getragen – etwa während der Jahre in Völklingen – und ihm durch ihre Treue und ihr Engagement jene Strahlkraft verliehen, die ihn bis heute auszeichnet und besonders macht.
Im Verein und seinem Umfeld steckt eine enorme Kraft, die wir bewusst nutzen und zum Wohle des Vereins entfalten sollten. In ihr stecken Kreativität, Gestaltungswille und viel Herzblut. Voraussetzung dafür ist, dass sich jede und jeder einbringen kann und Beteiligung ausdrücklich erwünscht ist; Transparenz ist dabei eine grundlegende Bedingung für Vertrauen und Mitwirkung. Dabei soll der FCS auch weiterhin seine Werte wie Offenheit, Vielfalt und Toleranz nach innen leben und nach außen sichtbar vertreten.
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Hier geht es zum Fragenkatalog und den Antworten weiterer Kandidierenden für den Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken e.V.:
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…denn für Blau und Schwarz wird’s höchste Zeit!
