Im Folgenden veröffentlichen wir die eingesendeten Antworten von Aufsichtsrats-Kandidat Meiko Palm zu dem von „Zukunft Blau-Schwarz“ veröffentlichten Fragenkatalog.
___________________
1. Stellen Sie sich gerne einmal kurz vor: Name, Alter, Beruf und Ihr Weg zum und mit dem FCS.
Meiko Palm, 45 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen.
Meine erste Berufsausbildung absolvierte ich zum Kfz-Mechaniker. Danach acht Jahre bei der Bundeswehr und nach meiner dortigen Dienstzeit eine Ausbildung zum Kaufmann, sowie mehrere Module an der „Europäischen Immobilien Akademie“ absolviert. Seit nunmehr 17 Jahren als Verwalter in der Immobilienbrache tätig.
Zum FCS kam ich im Alter von 7 Jahren, als mein Vater mich ganz klassisch zu einem Spiel mitgenommen hatte. Damals in der 2. Liga ein Sieg gegen Blau-Weiß 90 Berlin. Seitdem regelmäßig bei dem Heimspielen und ab ca. 1996/1997 auch bei fast allen Auswärtsspielen dabei.
2. Worin liegt Ihre Motivation für eine ehrenamtliche Kandidatur für den Aufsichtsrat des 1.FC Saarbrücken e.V.?
In erster Linie ist mein Engagement ein klares Bekenntnis zum Ehrenamt. Ich stehe nun seit 10 Jahren (davon 9 Jahre als stellvertretender Vorsitzender) in Verantwortung und auch in der Kritik im Aufsichtsrat. Zuvor war ich sechs Jahre als ehrenamtlicher Fanbeauftragter, gemeinsam mit Dirk Sören Prophet und Peter Thielges, tätig.
Meine damalige Motivation zur Kandidatur für den Aufsichtsrat ergab sich aus meinem Interesse an Vereinspolitik. Ich hatte einen Antrag auf Satzungsänderung gestellt, wonach die Mitglieder einer Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft zustimmen müssen. Der Umgang von Vereinsseite mit meinem Antrag gipfelte darin, dass ich eine außerordentliche Mitgliederversammlung beantragt hatte, in welcher nur mein Antrag zur Abstimmung kam. Während dieses Prozesses reifte der Gedanke in mir, selbst für den Aufsichtsrat zu kandidieren.
3. Was qualifiziert Sie besonders für die Arbeit im Aufsichtsrat?
Von Anfang an sah ich meine Rolle als Brückenbauer, bzw. als Vermittler. Belange, die den Mitgliedern und den Stadionbesuchern wichtig waren, habe ich in den Verein getragen und Verständnis hierfür geschaffen. Über die Jahre habe ich mich in eine Vielzahl verschiedener Angelegenheiten im und rund um den Verein eingearbeitet.
Ich kenne die Abläufe und verfüge über das notwendige Netzwerk im Verein, in seinem Umfeld und auch außerhalb des Vereins. Meine vielfältigen Erfahrungen in sich wiederholende Abläufe und auch die Herangehensweise in neuen Angelegenheiten würde ich auch zukünftig gerne wieder einbringen.
Durch meine berufliche Expertise stand und stehe ich gerne zur Verfügung, rund um Angelegenheiten zu Immobilien.
4. Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand, in dem sich der Verein befindet? In welchen Bereichen besteht der größte Verbesserungsbedarf?
Mit durch die Pokalreise bedingt, ist der Verein insgesamt enorm gewachsen. Die Mitgliederzahlen sind durch die Decke geschossen, die öffentliche Wahrnehmung des Vereins ist stark gestiegen und auch in Sachen Merchandise haben wir einen enormen Zuwachs verbuchen können. Leider ist der Verein in seinen Strukturen nicht genau so schnell gewachsen. In der Verwaltung und im Bereich Marketing & Vermarktung hätten wir mehr Hauptamtlichkeit benötigt.
Dies war mir und auch einigen Kollegen im Aufsichtsrat immer ein großes Anliegen und hierfür wurden wir nicht müde zu werben. Diese zusätzliche Hauptamtlichkeit wird nun kommen müssen. Bedingt durch die geänderte Satzung führt daran kein Weg vorbei.
Die Infrastruktur im Sportfeld muss perspektivisch ebenso verbessert werden. Dort haben wir in den letzten Jahren durch die Stellung der Container eine Verbesserung herstellen können (im Rahmen des Möglichen als Mieter), jedoch sind wir noch weit von perfekten Trainingsbedingungen entfernt.
5. Wie nehmen Sie die Infrastruktur beim FCS wahr und welche Zukunftsvision haben Sie hierzu? Welche Bedeutung hat für Sie das Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken?
Das Sportfeld hatte ich bereits erwähnt. Ebenso sind wir in ein umgebautes Stadion eingezogen, welches zwar funktioniert, jedoch ebenso wie das Sportfeld noch weit davon entfernt ist, „perfekt“ zu sein. Hier gab es über die letzten Jahre punktuelle Anpassungen und diese müssen weiter angegangen werden.
Zu den Stoßzeiten bilden sich am Einlass und an den Verpflegungsständen lange Schlangen, welche dem Besucher das Stadionerlebnis versauen können. In Abstimmung mit der Stadt Saarbrücken, müssen wir versuchen, die Gegebenheiten zu verbessern. Womöglich auch durch Umwidmung einzelner Bereiche, in Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden, um dort zusätzliche Versorgungsstände zu ermöglichen.
Die bereits vorhandenen Gesprächskanäle zwischen Stadt als Vermieter und Verein als Hauptnutzer müssen weiter vertieft werden und die zukünftig handelnden Personen mit eingebunden werden.
6. Wie blicken Sie auf die von „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen strukturellen Veränderungen und welche Themen müssen kurz- und mittelfristig umgesetzt werden? Haben Sie bereits einen konkreten Arbeitsplan oder Ansätze, an denen sich in den nächsten Monaten orientiert werden sollte?
Die Schaffung von mehr Hauptamtlichkeit war überfällig und die Satzungsänderung daher der richtige Schritt. Als dem Aufsichtsrat die Änderungen im August vorgestellt wurden, hatte ich den Initiatoren noch einige kleine Änderungsvorschläge unterbreitet, welche auch übernommen wurden.
Im weiteren Ablauf seit der außerordentlichen Mitgliederversammlung, über die Eintragung der Satzung bis zum Bewerberverfahren haben sich noch einige Stolpersteine aufgetan, welche noch bereinigt werden müssen. Dies ist bei Änderungen in dieser Fülle vermutlich völlig normal. Dennoch würde ich die Bereinigung gerne mitbegleiten.
Ganz kurzfristig wird die Einreichung der Lizenzunterlagen zur Saison 2026/2027 anstehen! Hier muss eine klare und verlässliche Übergangsregelung gefunden werden, zwischen bisher tätigen Personen und den neuen Vorständen. Vermutlich werden die Vorstände bis zur Frist zur Einreichung der Lizenzunterlagen noch nicht im Amt sein. Daher muss man völlig losgelöst von handelnden Personen sicherstellen, dass die Unterlagen fristgerecht und vollständig eingereicht werden.
Parallel dazu gilt es, die Vorstandspositionen auszuschreiben und bestmöglich zu besetzen. Diese Vorstände müssen sodann auch in den Verein integriert und vorgestellt werden, damit diese schnellstmöglich mit ihrer Arbeit beginnen können.
Langfristig muss versucht werden, den Verein breiter aufzustellen und die Abhängigkeit von einzelnen Partnern zu minimieren.
7. Wo sehen Sie den FCS in drei Jahren? Was sind – unabhängig vom sportlichen Erfolg – die wesentlichen Ziele, die Sie erreicht sehen wollen?
Hoffentlich in der Gegenwart angekommen. Wie weiter oben bereits erwähnt, sind wir nicht ausreichend mitgewachsen. In einigen Bereichen sind wir gefühlt Ende der 90er-Jahre stehen geblieben. Auch wenn dort in den letzten Jahren eine stetige Verbesserung stattfand, muss hier konsequent weiter modernisiert werden.
Ebenso sehe ich den Verein auf einer breiteren Sponsoren- und Partnerlandschaft aufgestellt.
Die enorm gewachsene Mitgliedschaft der letzten Jahre zeigt, dass es dort ein riesiges Potential gibt. Hier habe ich die Vision, Mitglied Nummer 19.003 baldmöglichst im Verein begrüßen zu dürfen. Hier wünsche ich mir zukünftig Werbeaktionen zur Mitgliedergewinnung.
8. Welche Anforderungen haben Sie an die neu einzustellenden Vorstände? Welche Zielvorgaben sind Ihnen hierbei besonders wichtig?
Wie von allen anderen Angestellten, erwarte ich mir ein Bekenntnis zu dem einstimmig beschlossenen Leitbild.
Die Vorstände sollten Erfahrung in vergleichbaren Vereinen haben. Dies müssen (mit Ausnahme Vorstand Sport) nicht zwingend Fußballvereine sein, aber Vereine in vergleichbarer Größenordnung. Idealerweise haben die Vorstände neben der Erfahrung in Vereinen auch bereits Erfahrung in der Wirtschaft gesammelt.
Kennzahlen des DFB´s sollten für die Vorstände kein Fremdwort sein.
Wünschenswert wären eigene Ideen und Leidenschaft der Vorstände. Sie müssen vom Charakter zum Verein und Zueinander passen, sowie am gesellschaftlichen Leben im Saarland und der Landeshauptstadt teilnehmen wollen.
9. Wie wichtig ist Ihnen das aktive Miteinbeziehen von Fans und Mitgliedern bei der Gestaltung des Vereinslebens? Welche besondere Rolle können hierbei Arbeitskreise, bestehend aus Verantwortlichen des Vereins und der Mitgliedschaft, spielen (Stichwort Leitbildkommission, AK Blau-Schwarz ist Vielfalt, AK Blau-schwarze Geschichte etc.)? Können ergänzende Beiräte ein praktikables Modell für die Zukunft sein?
Die Mitglieder einzubeziehen, ist enorm wichtig! Dadurch können sich Mitglieder aktiv einbringen und der Verein kann von den Kompetenzen der Mitglieder profitieren.
Mit der „Satzungskommission“ hatte ich selbst einen ersten Feldversuch eines Arbeitskreises ins Leben gerufen. Hier hatten sich mehrere Mitglieder eingebracht und die im Jahr 2022 beschlossenen Satzungsänderungen herausgearbeitet.
Ebenso war ich maßgeblich daran beteiligt, dass die Kampagne „Blau schwarz ist Vielfalt“ vom Verein mit übernommen wurde. Als ich damals mitbekommen hatte, dass die Virage Est eine Zeile aus einem Fangesang in einer Kampagne breiter aufstellen wollte, habe ich sofort mit Martina Groß damals eine breite Zustimmung im Verein geschaffen und mit dafür gesorgt, dass die Kampagne von Verein und Virage Est gemeinsam starten konnte. Hieraus ergab sich dann auch der entsprechende Arbeitskreis. Aus diesem hatte ich mich nach den ersten Treffen wieder herausgelöst, da zwischenzeitlich mehrere Vereinsvertreter am Tisch saßen.
Über Arbeitskreise und Beiräte hinaus wäre es auch zu überlegen, eine eigene Abteilung für Fanbelange im Verein zu integrieren.
10. Wie stehen Sie zur 50+1-Regel und anderen fanpolitischen Themen, die derzeit viele Stadiongänger umtreiben (Vorhaben der Innenministerkonferenz, Regionalliga-Reform, Abschaffung von Verbandsstrafen für Pyrotechnik etc.)? Der FCS hat sich im August in einem Statement dazu bekannt, die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ zu unterstützen. Wird dieser Weg mit Ihnen fortgesetzt?
50 + 1 ist elementar und unverhandelbar! Auch hierzu hatten wir in der Satzungskommission einen entsprechenden Passus in unsere Satzung übernommen. Sollten also die Verbände irgendwann 50 + 1 kippen, haben wir zur Sicherheit die Regel in unserer Satzung festgeschrieben.
Als ehemaliger Fanbeauftragter und durch teilweise negative Erfahrungen bei einer Vielzahl von Auswärtsspielen sind mir fanpolitische Themen weiterhin eine Herzensangelegenheit und für diese setze ich mich ein. Ich habe Verständnis, wenn sich Stadiongänger über bestimmte Situationen beklagen, da ich mich in diese Frustration und Hilflosigkeit problemlos reinversetzen kann, da ich Ähnliches vermutlich bereits selbst erfahren musste.
Aus leidvoller Erfahrung ist „Meister müssen aufsteigen“ gerade bei uns mehr als eine dahingesagte Forderung! Zwar hat die Regionalliga Südwest heutzutage einen festen Aufstiegsplatz, dennoch ist die Praxis nicht fair. Eine Reform ist daher wünschenswert, wenngleich es uns hoffentlich nie wieder sportlich betreffen wird.
11. Sehen Sie konkreten Verbesserungsbedarf rund um die Durchführung der Heimspiele des FCS? Wie stehen Sie zur Polizeipräsenz bei sogenannten „Risikospielen“ mit Einheiten aus mehreren Bundesländern und Drohneneinsätzen, die den Steuerzahler enorm belasten?
Wir weiter oben bereits erwähnt, gibt es bei der Durchführung der Heimspiele Probleme an Einlass und an der Versorgungsständen. Hier verzichte ich auf eine Wiederholung.
Die Polizeieinsätze sehe ich teilweise kritisch und habe mich hierzu bereits mehrfach öffentlich geäußert.
Hier gilt es die Verhältnismäßigkeit zu wahren. In einem offenen und fairen Dialog müssen Verein, Fans, Fanbeauftragter, Fanprojekt, Stadt Saarbrücken und die Polizei an einen Tisch. Hier gilt es auf allen Seiten Verständnis füreinander und gegenseitig zu schaffen.
Und auch wenn ich mir hiermit nicht nur Freunde machen werde: Um die Spirale anzuhalten, wäre aber auch ein „Schritt zurück“ in der Fanszene hilfreich. Hass ist eine Emotion, die meiner Meinung nach einem konstruktiven Miteinander grundsätzlich im Weg steht. „Virage Est hasst die Polizei“ ist für mich daher mehr als berechtigter und inhaltlich angebrachter Protest gegen willkürliche Maßnahmen! Meine Erfahrungen und das Netzwerk als ehemaliger Fanbeauftragter könnte ich an dieser Stelle gerne als „Brückenbauer“ einbringen, in enger Abstimmung mit dem jetzigen Fanbeauftragten und dem Fanprojekt.
12. Wie möchten Sie sicherstellen, dass auf allen Ebenen des Vereins ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, bei dem das „Wir“ im Vordergrund steht und sich alle für den FCS engagierten Menschen gleichermaßen wertgeschätzt fühlen? Wie kann der Verein dem verabschiedeten Leitbild und damit auch der Bedeutung seiner Anhängerschaft gerecht werden?
Mit dem jetzigen Leitbild haben wir eine Grundlage hierzu geschaffen. Es gilt nun, das Leitbild mit Vereinsleben zu und das Vereinsleben mit dem Leitbild zu füllen! Sowohl Angestellte des Vereins als auch die Mitglieder und die offiziellen Fanclubs sollten das jeweils gültige Leitbild anerkennen. Denkbar wäre auch ein entsprechender Passus auf Mitgliedsanträge, wonach das Leitbild mit dem Mitgliedsbeitrag anerkannt wird.
Das Leitbild sollte durch einen Arbeitskreis entsprechend den Erfordernissen immer mal wieder angepasst werden. Hier erkläre ich meinen Wunsch nach einem aktiven Mitwirken im Arbeitskreis (unabhängig von einer Wiederwahl) und würde gerne mitgestalten. Weiterhin wären z. B. Workshops für jüngere Mitglieder eine Möglichkeit, um soziale Verantwortung zu vermitteln.
Um dem Leitbild den nötigen Nachdruck zu verleihen und die persönliche Verbundenheit hierzu auszudrücken, wären entsprechende Fanartikel eine Überlegung wert. Ganz nebenbei könnte man diese Einnahmen sodann den o. g. Workshops oder sonstigen sozialen Projekten zugutekommen lassen.
Bei den letzten Heimspielen der Frauenmannschaft gab es organisierten Support. Eine schöne Anerkennung für die Arbeit die Taifour mit seinem Staff und seinen Mädels leistet und genau der richtige Schritt für ein „Wir-Gefühl“. Schön wäre es, auch im NLZ und/oder bei der zweiten Mannschaft beispielsweise 1-2 „Aktionsspieltage“ ins Leben zu rufen.
___________________
Hier geht es zum Fragenkatalog und den Antworten weiterer Kandidierenden für den Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken e.V.:
__________________________________
…denn für Blau und Schwarz wird’s höchste Zeit!
