Im Folgenden veröffentlichen wir die eingesendeten Antworten von Aufsichtsrats-Kandidat Kai-Uwe Blum zu dem von „Zukunft Blau-Schwarz“ veröffentlichten Fragenkatalog.
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1. Stellen Sie sich gerne einmal kurz vor: Name, Alter, Beruf und Ihr Weg zum und mit dem FCS.
Mein Name ist Kai-Uwe Blum, ich bin 56 Jahre alt und bin in Püttlingen aufgewachsen. Beruflich hat es mich dann in den 90er Jahren nach Hamburg verschlagen. Ich bin im Management der HanseMerkur Versicherungsgruppe. Dort habe ich verschiedene Funktionen auf Führungsebene wahrgenommen. Prägend waren dort unter anderem, die Verantwortung für den Aufbau des Versicherungsgeschäftes in Dubai und in China. Derzeit bin ich als Vorstand in den Konzerngesellschaften HanseMerkur International AG und der AG Advigon Versicherung AG tätig.
Meine Tante nahm mich 1984 erstmals mit in den Park. Der endgültige Funke sprang am 6. Februar 1985 über: das Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart. Kurz darauf folgte der legendäre Aufstieg durch den Freistoß von Sascha Jusufi – er wurde zu meinem sportlichen Idol. Dass ich ihn später persönlich kennenlernen durfte und wir bis heute befreundet sind, erfüllt mich mit großer Freude. Mit Freunden aus Püttlingen besuchte ich die Bundesligaspiele, und auch nach dem Abstieg aus der 1. Liga waren wir fast immer im Park. Es folgten die ersten Auswärtsfahrten, der Fan-Kreis wurde größer – und so gründeten wir 1989 die „Verlebten Jungs“. Im Fan-Club war ich sehr aktiv und durfte im D-Block auf dem Wellenbrecher sogar als „Vorsänger“ vorangehen, bis es mich aus beruflichen Gründen nach Hamburg verschlug.
2. Worin liegt Ihre Motivation für eine ehrenamtliche Kandidatur für den Aufsichtsrat des 1.FC Saarbrücken e.V.?
Turbulenz wie jetzt gehört beim FCS schon zur Geschichte und so hatte ich mich im Jahr 2016 entschieden, nicht nur Fan zu sein, sondern auch Vereinsmitglied zu werden. Mir war es wichtig, mein Stimmrecht zu nutzen und – wenn auch im kleinen Rahmen – aktiv an den Entscheidungen unseres Vereins mitzuwirken. Schon damals trug ich den Gedanken in mir, eines Tages – sollte ich wieder im Saarland heimisch werden – selbst Verantwortung zu übernehmen. Nun ist dieser Zeitpunkt gekommen. Nach vielen offenen und bestärkenden Gesprächen mit Mitgliedern des Fan Clubs „Verlebte Jungs“, den ich wie zuvor beschrieben 1989 mitgründen durfte, habe ich mich dazu entschlossen, für den Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken zu kandidieren. Für das mir entgegengebrachte Vertrauen und die offizielle Unterstützung bin ich den Verlebten Jungs von Herzen dankbar. Ich möchte meinem Herzensverein das geben, was ich über Jahre in meiner beruflichen Arbeit gesammelt habe. Wirtschaftliche Kompetenz, Erfahrung in der Gremienarbeit und ein Netzwerk im Profifußball.
3. Was qualifiziert Sie besonders für die Arbeit im Aufsichtsrat?
Zunächst meine Leidenschaft als Anhänger und Fan des FCS. Dann meine beruflichen Erfahrungen. In meiner Position als Manager erlebe ich die Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Und diese Zusammenarbeit ist bei uns geprägt von gegenseitigem Respekt, fachlicher Kompetenz, klarem Umgangston, Vertrauen und Vertraulichkeit. Genau diese Form der Zusammenarbeit vermisse ich aktuell beim FCS. Ich stehe für Transparenz, konstruktive Kontrolle und eine geschlossene Haltung nach außen und bringe, neben den zuvor genannten Werten, Erfahrungen aus der Gremiumsarbeit mit. Einer meiner beruflichen Stationen fand im Profifußball statt. Gemeinsam mit dem ehemaligen Fußballprofi und Versicherungsmakler Ditmar Jakobs (493 Bundesliga) entwickelte ich ein Versicherungskonzept für Profifußballer. Ich durfte viele spannende Persönlichkeiten im und um den Profifußball kennenlernen, zu einigen besteht teilweise engen Kontakt. Dieses Netzwerk hat sicherlich, nicht nur bei der Auswahl zur Besetzung der neuen Vorstandsposten, einen entsprechenden Mehrwert.
4. Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand, in dem sich der Verein befindet? In welchen Bereichen besteht der größte Verbesserungsbedarf?
Momentan besteht eine sehr große Unsicherheit. Und wenn es sportlich nicht läuft, potenziert sich dies. Den größten Bedarf sehe ich darin, sich nicht von einem Großsponsor abhängig zu machen und sich auf der Einnahmenseite viel breiter aufzustellen. Damit will ich nicht das bisherige Engagement von Herrn Ostermann diskreditieren. Im heutigen Profifußball gibt es aber nur noch eine Hand von Vereinen, in denen Großsponsoren und Mäzene einflussreichende Positionen begleiten, alle anderen Clubs funktionieren anders. Ich arbeite bei der HanseMerkur Versicherungsgruppe, die einigen als Hauptsponsor des HSV bekannt ist. Auf die sportliche und strategische Ausrichtung nehmen wir keinen Einfluss. Es findet lediglich eine enge Zusammenarbeit im Bereich Vermarktung und Marketing statt. Diese Erfahrungswerte will ich mit einbringen und mein Netzwerk auch im Bereich Sponsoring zur Verfügung stellen.
Den zweiten Verbesserungsbedarf sehe ich bei der Zusammenarbeit mit und in den Gremien. Die nun geschaffene Verantwortungsverteilung über die neue Satzung bringt die Chance zur Verbesserung. Der gewählte Aufsichtsrat muss gut miteinander Zusammenarbeiten, muss kontrovers diskutieren, aber nach außen einheitlich auftreten. So kenne ich das in meiner jetzigen Funktion und dafür stehe ich.
5. Wie nehmen Sie die Infrastruktur beim FCS wahr und welche Zukunftsvision haben Sie hierzu? Welche Bedeutung hat für Sie das Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken?
Ich glaube jeder rund um den 1. FCS erkennt, dass die Infrastruktur in allen Bereichen auf einem Niveau liegt, welches einem ambitionierten 3. Ligisten und hoffentlich bald 2. Ligisten nicht gerecht wird. Die Trainingsbedingen für die Profimannschaft, aber auch für die Damen und sonstigen Mannschaften im Verein sind teils katastrophal. Hier gilt es dringend Abhilfe zu schaffen und ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, welches mit Stadt und Land zu erörtern ist. Hier gilt es mit den Behörden eine gute kommunikative Basis zu finden, um über die sachlichen Dinge zu sprechen. Eigene Interessen haben dort nichts zu suchen. Neben den operativen Verantwortlichen, können und müssen alle Gremiumsmitglieder Ihren bestehenden Einfluss geltend machen.
6. Wie blicken Sie auf die von „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen strukturellen Veränderungen und welche Themen müssen kurz- und mittelfristig umgesetzt werden? Haben Sie bereits einen konkreten Arbeitsplan oder Ansätze, an denen sich in den nächsten Monaten orientiert werden sollte?
Die Mitgliedschaft hat in der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 11.01.2025 ein eindeutiges Votum abgegeben und für die strukturellen Veränderungen gestimmt, die außerordentlich wichtig sind. Ich würde nicht als Aufsichtsrat kandidieren, wenn ich mich mit diesem Mitgliederentscheid nicht identifizieren könnte, ich habe auch dafür gestimmt. Die wichtigste Entscheidung für den neuen Aufsichtsrat ist die Auswahl und Bestellung der hauptamtlichen Vorstände. Ich würde mich hier mit meinen beruflichen Erfahrungen in der Auswahl von Führungskräften und meinem Netzwerk im Profifußball. Mit den Vorständen können dann die wichtigsten Ziele festgelegt und priorisiert werden. Hier muss es, insbesondere in der Anfangszeit, einen engen Austausch zwischen AR und Vorstand geben.
7. Wo sehen Sie den FCS in drei Jahren? Was sind – unabhängig vom sportlichen Erfolg – die wesentlichen Ziele, die Sie erreicht sehen wollen?
Wir müssen das Lagerdenken ablegen. Die engagierten Mitglieder der Kurve müssen erkennen, dass es ohne wirtschaftliche Solidität keine ordentliche Zukunft im Profifußball gibt. Die Personen in den verantwortlichen Positionen und Gremien müssen wissen und akzeptieren, dass es ohne Fankultur und engagierte Mitglieder keinen „lebenswerten“ FCS gibt. Vom Aufsichtsrat erwarte ich eine transparente Zusammenarbeit, konstruktive Kontrolle und eine geschlossene Haltung nach außen Dafür stehe ich uneingeschränkt Und in diesem Sinne müssen die bestmöglichen Vorstände für den 1. FC Saarbrücken gewonnen werden. Für den Bereich Sport, wird hier sicherlich mein Netzwerk aus dem Profi-Bereich hilfreich sein. Sei es in der gezielten Ansprache aber auch in der Prüfung der Bewerbungsunterlagen. In den anderen Bereichen kann ich meine Erfahrungen bei Auswahlverfahren für Leitungsfunktionen einbringen. Zusammengefasst meine wesentlichen Ziele:
- Dass der FCS in drei Jahren nicht von einem Großsponsoren abhängig ist
- Dass die wirtschaftliche Solidität auf breite Füße gestellt wurde
- Dass im Verein hart, aber fair gerungen und diskutiert wird
- Dass nach außen eine geschlossene Haltung eingenommen wird
- Dass die neu eingestellten Vorstände zum FCS passen und unseren Verein wirtschaftlich und sportlich nach vorne gebracht haben
- Dass alle im Verein gehört werden, die Arbeit in Arbeitskreisen angenommen wird und jedes Mitglied stolz ist FC-ler zu sein
8. Welche Anforderungen haben Sie an die neu einzustellenden Vorstände? Welche Zielvorgaben sind Ihnen hierbei besonders wichtig?
Die Vorstände müssen natürlich die entsprechenden Kompetenzen für den jeweiligen Fachbereich haben. Eine gewisse Erfahrung ist nach meiner Meinung zwingend notwendig. Ich bin grundsätzlich dafür, auch jungen aufstrebenden Nachwuchskräften eine Chance zu geben. Aber in der jetzigen Situation beim FCS braucht es auf den drei Vorstandsposten gestandene Manager, die auch von Ihrer Persönlichkeit zum FCS passen. Was für den Aufsichtsrat gilt, muss auch für ein Vorstandsteam gelten.
Abgeleitet von meinen vorherigen Zielen habe ich für die Vorstände diverse Zielvorhaben, hier einige davon:
- Die Gewinnung von Groß und Kleinsponsoren: Dies verbunden mit dem Aufbau langfristiger Partnerschaften, regional und überregional
- Weiterentwicklung der „Marke“ FCS im Sinne unseres Leitbildes und damit verbunden eine entsprechende Präsenz des Vereins bei regionalen Veranstaltungen
- Transparente und professionelle Kommunikation bei wegweisenden Vorstandsbeschlüssen. Auch bei Transfers und sportlichen Entscheidungen
- Aufbau eines professionalen Nachwuchsbereiches mit kompetentem Talentscouting und einer intensiven Zusammenarbeit mit Amateurvereinen
- Abstimmung und regelmäßige Treffen mit der Fan-Szene
- Transparente Berichterstattung an den Aufsichtsrat inkl. Kennzahlenanalyse, Strategie der sportlichen und wirtschaftlichen Ausrichtung und Maßnahmen in der Weiterentwicklung des Vereins (Profis, Amateure, Fans)
Und allen muss klar sein. Der Vorstand führt operativ, der Aufsichtsrat kontrolliert und berät strategisch – klar in der Rolle, respektvoll im Umgang. Für Stabilität, Professionalität und eine nachhaltige Zukunft unseres FCS.
9. Wie wichtig ist Ihnen das aktive Miteinbeziehen von Fans und Mitgliedern bei der Gestaltung des Vereinslebens? Welche besondere Rolle können hierbei Arbeitskreise, bestehend aus Verantwortlichen des Vereins und der Mitgliedschaft, spielen (Stichwort Leitbildkommission, AK Blau-Schwarz ist Vielfalt, AK Blau-schwarze Geschichte etc.)? Können ergänzende Beiräte ein praktikables Modell für die Zukunft sein?
Jeder Verein lebt von seinen Mitgliedern und deren Engagement. Jedes Mitglied muss die Möglichkeit haben sich einzubringen. Die Verantwortlichen des Vereins sollten und müssen die Grundlagen und Rahmenbedingungen dafür schaffen Und hier finde ich toll, dass dies durch „ZUKUNFT BLAU-SCHWARZ“ in der Satzung aufgenommen wurde. Als künftiger Aufsichtsrat würde ich auch Zeit und Ideen einbringen. Zum Beispiel, wie binden wir Vereinslegenden stärker ins aktive Geschehen ein. Die Vorstände müssen in ihrem Verantwortungsbereich im Sinne des Vereins und auch im Sinne unseres Leitbildes handeln. Formate wie Kommissionen, Arbeitskreise oder ähnliche Formate bilden eine gute und geordnete Grundlage Themen nach vorne zu bringen.
10. Wie stehen Sie zur 50+1-Regel und anderen fanpolitischen Themen, die derzeit viele Stadiongänger umtreiben (Vorhaben der Innenministerkonferenz, Regionalliga-Reform, Abschaffung von Verbandsstrafen für Pyrotechnik etc.)? Der FCS hat sich im August in einem Statement dazu bekannt, die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ zu unterstützen. Wird dieser Weg mit Ihnen fortgesetzt?
Die 50+1-Regel ist derzeit eine zentrale Vorschrift im deutschen Profifußball. Sie legt fest, dass der Mutterverein immer die Stimmenmehrheit mit 50 Prozent plus eine Stimme halten muss, um Investoren-Übernahmen zu verhindern. Ich halte es grundsätzlich für richtig, dass die Identität der Vereine gewahrt bleibt. Der Charakter des FCS verpflichtet zur Traditionspflege. Zustände wie zum Beispiel in England, sind vielfach ein negatives Beispiel. Zu den anderen in der Frage aufgeworfenen Themen fällt es mir schwer, in meiner Rolle als AR-Kandidat zu antworten. Ich kann nur wiederholen, dass die operative Führung des Vereins künftig bei den Vorständen liegt. Diese werden sich sicherlich in vielen Themen mit der aktiven Fan-Szene austauschen und zum Wohle des Vereins und seiner Kultur, die von den Fans mitgetragen wird, handeln.
11. Wo sehen Sie konkreten Verbesserungsbedarf rund um die Durchführung der Heimspiele des FCS? Wie stehen Sie zur Polizeipräsenz bei sogenannten „Risikospielen“ mit Einheiten aus mehreren Bundesländern und Drohneneinsätzen, die den Steuerzahler enorm belasten?
Ich kann gut nachvollziehen, dass eine solche Fragestellung die Fanszene und gegebenenfalls auch andere Besucher der Heimspiele bewegt. Die Antworten darauf müssen aus der Mitgliederschaft selbst heraus entstehen. Aufgabe des Aufsichtsrats ist es, diese Stimmen wahrzunehmen, aufzunehmen und weiterzuleiten sowie Formate zu schaffen, in denen jeder Stadionbesucher Gehör finden kann. Die Anliegen müssen zudem gegenüber Partnern und Behörden über geeignete Stellen eingebracht werden.
12. Wie möchten Sie sicherstellen, dass auf allen Ebenen des Vereins ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, bei dem das „Wir“ im Vordergrund steht und sich alle für den FCS engagierten Menschen gleichermaßen wertgeschätzt fühlen?
Wie kann der Verein dem verabschiedeten Leitbild und damit auch der Bedeutung seiner Anhängerschaft gerecht werden? Im Kern zeigen die bisherigen Antworten auf, wie ein echtes „Wir-Gefühl“ entstehen kann. Ausgangspunkt ist dabei die Kommunikation aller Funktionsträger im Verein. Zuhören, analysieren, diskutieren, prüfen, wertschätzen und begründen sind nur einige der Aspekte, die für eine lebendige Vereinsgemeinschaft von zentraler Bedeutung sind. Für diese Werte werde ich in meinem Amt einstehen. Ergänzend zu den klassischen Kommunikationskanälen bieten die von „ZUKUNFT BLAU SCHWARZ“ initiierten Formate eine hervorragende Möglichkeit für Austausch und die aktive Einbindung aller Mitglieder.
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Hier geht es zum Fragenkatalog und den Antworten weiterer Kandidierenden für den Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken e.V.:
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…denn für Blau und Schwarz wird’s höchste Zeit!
