Antworten von AR-Kandidatin Heike Trunzler

Im Folgenden veröffentlichen wir die eingesendeten Antworten von Aufsichtsrats-Kandidatin Heike Trunzler zu dem von „Zukunft Blau-Schwarz“ veröffentlichten Fragenkatalog.

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1. Stellen Sie sich gerne einmal kurz vor: Name, Alter, Beruf und Ihr Weg zum und mit dem FCS.

Heike Trunzler, bin 54 Jahre und ich arbeite als Senior Account Managerin in der Medizintechnik für den Fachbereich Wirbelsäule. Meine Aufgabe ist der Verkauf und der intraoperativer Support von Implantaten und Hightech Gerätschaften für die Wirbelsäule und stehe als Partnerin/Beraterin an der Seite von Ärzten und medizinischem Fachpersonal.

Mein erstes Spiel habe ich 1989 im LuPa gesehen. Wir spielten in der Relegation gegen  Eintracht Frankfurt und haben das Spiel durch 2 Tore von Antony Yeboah gewonnen. Das war so emotional und mitreißend, dass ich ab dem Zeitpunkt Fan war.

Erst 2018 bin ich dann mit Sammer Mozain in die Dienste des FCS getreten, als die 2. Mannschaft wieder angemeldet wurde. Fortan war ich als Teammanagerin für alle administrativen Aufgaben rund um das Team im Ehrenamt zuständig und war das Bindungsglied zwischen unserem 1. Vorsitzenden Jörg Alt als Abteilungsleiter der Amateure und der Mannschaft. Meine Zuständigkeiten waren: Bestellungen von Trainingsmaterial und Textilausstattung, Budgetplanung und Überwachung, Verhandlungsgespräche gemeinsam mit Sammer Mozain, danach Vertragsunterlagen erstellen, u.a. Wechselanträge, Datenschutzformulare, Mitgliedsformulare, Minijobanträge, Freistellungsanträge, Amateurverträge, Vereinbarungen zu Ausbildungsentschädigungen, Pflege FuPa, Pflege Fussball.de, Systempflege DFBnet., Organisation von Fototerminen, Presseanfragen, Social Media und Ansprechpartner für Fans und Mitglieder. Dazu kamen die Organisation von Mannschaftsabende, Weihnachtsfeiern, Spielverlegungen in Absprachen mit dem NLZ und den jeweiligen Gegnern. Mannschaftsverantwortliche für Schiedsrichter und Spieltags Koordination gemeinsam mit den Betreuern der Mannschaft.

2. Worin liegt Ihre Motivation für eine ehrenamtliche Kandidatur für den Aufsichtsrat des 1.FC Saarbrücken e.V.?

Das Ehrenamt im Aufsichtsrat sehe ich nicht als Status, sondern als Dienst am und für das Wohl des Vereins. Ich möchte Verantwortung übernehmen, um mitzuhelfen, den Verein strukturell zu stärken, Vertrauen zu sichern und den eingeschlagenen Weg der Professionalisierung aktiv zu begleiten!

3. Was qualifiziert Sie besonders für die Arbeit im Aufsichtsrat

Ich kenne den Verein und seine Strukturen aus den vergangenen 8 Jahren sehr gut und weiß, wo die Stellschrauben anzuziehen sind. Dazu kommt meine Erfahrung in Strategie und Organisation, mein wirtschaftliches Verständnis bei Budgetplanung und Risikobewertung, meine Unabhängigkeit und Verantwortungsbewusstsein, Kommunikations- und Dialogfähigkeit, Identifikation mit dem Verein und seinen Werten, Nahbarkeit und ich vertrete keine Eigeninteressen, sondern ausschließlich das Wohl des Vereins. Entscheidungen treffe ich faktenbasiert, transparent und im Bewusstsein der besonderen Verantwortung eines Ehrenamts.

4. Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand, in dem sich der Verein befindet? In welchen Bereichen besteht der größte Verbesserungsbedarf?

Wir sind meiner Meinung nach sportlich konkurrenzfähig und verfügen über eine sehr starke regionale Verankerung. Der Verein befindet sich jedoch in einer Übergangsphase vom ambitionierten Traditionsklub hin zu einer nachhaltig professionell geführten Organisation. Der größte Verbesserungsbedarf liegt nicht unbedingt im sportlichen Bereich, sondern in klaren Führungs- und Entscheidungsstrukturen, einer verbindlichen strategischen Gesamtplanung sowie in der weiteren Professionalisierung von Organisation, Finanzen und Kommunikation. Gelingt dieser Schritt, lassen sich sportlicher Erfolg und wirtschaftliche Stabilität dauerhaft absichern. In der Vergangenheit gab es teilweise reaktives,  statt strategisches Handeln und die historisch gewachsene Strukturen, die in einigen Bereichen mit den Anforderungen des Profifußballs nicht immer Schritt halten können.

Dazu sollte man neben einem stabilen und breitaufgestelltem Werbepartnerpool auch dafür sorge tragen, dass die Mitglieder zufrieden sind und auch diese Anzahl stetig erhöhen.

5. Wie nehmen Sie die Infrastruktur beim FCS wahr und welche Zukunftsvision haben Sie hierzu? Welche Bedeutung hat für Sie das Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken?

Die Infrastruktur des 1. FC Saarbrücken ist aktuell sehr veraltet, nicht zukunftssicher für die langfristigen Ambitionen im Profifußball. Insbesondere die Trainingsbedingungen und angrenzende Organisationsflächen stoßen perspektivisch an ihre Grenzen und sind nur bedingt skalierbar. Auch das Stadion würde den Vorgaben einer höheren Liga nicht standhalten.

Meine Zukunftsvision ist eine attraktive Infrastruktur, die sportliche Leistung optimal unterstützt, wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht und den Verein als modernen, professionellen Standortfaktor wahrnehmen.

Dazu gehören verlässliche Stadion- und Trainingsbedingungen, zeitgemäße und genügend Funktionsräume sowie eine Infrastruktur, die auch Vermarktung, Nachwuchsarbeit und Fanerlebnis stärkt.

Das Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken ist dabei von zentraler Bedeutung. Der FCS ist ein wichtiger Imageträger für die Stadt und die Region. Infrastrukturprojekte können nur partnerschaftlich, transparent und langfristig erfolgreich sein. Ziel muss eine Win-win-Situation sein: sportlicher Erfolg und Strahlkraft für den Verein – Standortprofilierung, Identifikation und wirtschaftliche Impulse für die Stadt.

6. Wie blicken Sie auf die von „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen strukturellen Veränderungen und welche Themen müssen kurz- und mittelfristig umgesetzt werden? Haben Sie bereits einen konkreten Arbeitsplan oder Ansätze, an denen sich in den nächsten Monaten orientiert werden sollte?

Die von „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen strukturellen Veränderungen bewerte ich sehr positiv und absolut notwendig. Sie adressieren zentrale Schwächen der Vergangenheit, wie z.B. zu starke Personenabhängigkeit, unklare Zuständigkeiten und fehlende strategische Langfristigkeit. Entscheidend ist nun, dass diese Impulse konsequent umgesetzt und nicht verwässert werden.

Arbeitsplan: Ja – aus meiner Sicht sollte sich die Arbeit kurzfristig (1 bis 8 Wochen) an drei Leitfragen orientieren:

  1. Wer entscheidet was – und bis wann?
  2. Woran messen wir Erfolg – jenseits des Tabellenplatzes?
  3. Welche Strukturen tragen auch dann, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt?

7. Wo sehen Sie den FCS in drei Jahren? Was sind – unabhängig vom sportlichen Erfolg – die wesentlichen Ziele, die Sie erreicht sehen wollen?

In drei Jahren sollte der FCS ein Verein sein, der geführt wird – nicht verwaltet, der strategisch plant – nicht reagiert, und der den sportlichen Erfolg ermöglicht, ohne von ihm abhängig zu sein. Das ist aus meiner Sicht der entscheidende Schritt vom ambitionierten Drittligisten zum dauerhaft professionellen Profiklub.

Meine Vision im Einzelnen: „The First Choice“:

  1. Stabile Führungsstrukturen – attraktiv für neue Mitarbeiter, Spieler
  2. Nachhaltige wirtschaftliche Basis – attraktiv für neue Werbepartner
  3. Professionelle Organisation & Prozesse – attraktiv für neue Mitarbeiter, Spieler
  4. Klare Identität & starke Marke – attraktiv für neue Mitglieder
  5. Zukunftsfähige Infrastruktur & Partnerschaften – attraktiv für neue Mitarbeiter, Spieler und Werbepartner

8. Welche Anforderungen haben Sie an die neu einzustellenden Vorstände? Welche Zielvorgaben sind Ihnen hierbei besonders wichtig?

Übergreifende Anforderungen an alle Vorstände:

  • Identifikation mit dem Verein und Verständnis für Tradition, Leitbild, Umfeld und Fanbasis
  • Erfahrung in professionellen Strukturen (Profifußball, Sportorganisationen oder vergleichbare Unternehmen)
  • Teamfähigkeit im Vorstandskollegium und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat
  • Transparenz, Integrität und Compliance-Sicherheit
  • Strategische Denkweise bei gleichzeitiger operativer Umsetzungsstärke

Übergeordnete Zielvorgaben:

  • Nachhaltige sportliche und wirtschaftliche Entwicklung
  • Klare Rollen- und Entscheidungsstrukturen
  • Professionalisierung aller Vereinsbereiche
  • Mittelfristige Etablierung im Profifußball (z. B. 2. Bundesliga als realistischer Zielkorridor)

Besonders wichtig aus Sicht des Aufsichtsrats:

  • Klare Abgrenzung der Ressorts, keine Doppelzuständigkeiten
  • Messbare Zielvereinbarungen (KPIs) je Vorstand
  • Regelmäßige, strukturierte Berichterstattung
  • Gemeinsames Auftreten des Vorstands nach innen und außen

9. Wie wichtig ist Ihnen das aktive Miteinbeziehen von Fans und Mitgliedern bei der Gestaltung des Vereinslebens? Welche besondere Rolle können hierbei Arbeitskreise, bestehend aus Verantwortlichen des Vereins und der Mitgliedschaft, spielen (Stichwort Leitbildkommission, AK Blau-Schwarz ist Vielfalt, AK Blau-schwarze Geschichte etc.)? Können ergänzende Beiräte ein praktikables Modell für die Zukunft sein?

Das aktive Miteinbeziehen von Fans und Mitgliedern ist für mich kein Nice-to-have, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor für einen mitgliedergeführten Verein. Identifikation, Akzeptanz und langfristige Stabilität entstehen nicht durch Verordnungen, sondern durch Einbindung, Dialog und Mitwirkung. Gerade in Phasen struktureller Veränderung ist Transparenz und Beteiligung wichtig, um Vertrauen zu schaffen und Polarisierung zu vermeiden.

Arbeitskreise wie Leitbildkommission, AK Blau-Schwarz ist Vielfalt oder AK blau-schwarze Geschichte können eine sehr wertvolle Brückenfunktion erfüllen – wenn ihre Rolle klar definiert ist. Ja, ergänzende Beiräte können ein sehr sinnvolles Zukunftsmodell sein, wenn sie richtig aufgesetzt sind. Ich sehe die Vorteile vor allem darin: kontinuierlicher Austausch und Bündelung von Expertise (z. B. Fans, Wirtschaft, Gesellschaft, Geschichte)

Ein moderner FCS sollte geführt werden, ohne den Dialog zu verlieren.

Arbeitskreise und Beiräte sind Qualitätsverstärker, wenn sie strukturiert eingebunden werden. Richtig genutzt, stärken sie Identität, Zusammenhalt und Zukunftsfähigkeit des Vereins – und genau das braucht ein mitgliedergetragener Profiklub.

10. Wie stehen Sie zur 50+1-Regel und anderen fanpolitischen Themen, die derzeit viele Stadiongänger umtreiben (Vorhaben der Innenministerkonferenz, Regionalliga-Reform, Abschaffung von Verbandsstrafen für Pyrotechnik etc.)? Der FCS hat sich im August in einem Statement dazu bekannt, die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ zu unterstützen. Wird dieser Weg mit Ihnen fortgesetzt?

    Gerade für einen mitgliedergetragenen Traditionsverein wie wir es sind ist 50+1 kein Hindernis, sondern Teil der eigenen DNA. Ich stehe klar für ihren Erhalt und eine konsequente Anwendung.

    Vorhaben der Innenministerkonferenz: Maßnahmen, die pauschal Fans kriminalisieren oder den Stadionbesuch weiter reglementieren, lehne ich absolut ab. Sicherheit im Stadion gelingt nicht durch Repression, sondern durch Dialog, Prävention und differenzierte Konzepte. Der Verein sollte hier weiterhin vermittelnd auftreten und sich schützend vor seine Fans stellen.

    Eine Reform der Regionalligen ist überfällig. Ziel muss mehr sportliche Fairness, Transparenz und Planungssicherheit zu haben. Der FCS sollte sich klar für die neuen Modelle mit 4 Regionalligen einsetzen, wo die sportliche Leistung belohnt wird und der Direktaufstieg als Meister gesichert ist.

    Verbandsstrafen & Pyrotechnik: Die pauschale Bestrafung von Vereinen für Pyrotechnik halte ich in der aktuellen Form für nicht zielführend. Sie trifft oft die Falschen, belastet Vereine finanziell und verschärft Fronten, statt Probleme zu lösen. Eine geführte/geplante Choreo birgt keine Gefahren für Spieler wie zB. Wurfobjekte. Der Fan, der das nicht unterstützen möchte, findet im Stadion sicher auch andere Plätze. Dass der FCS sich im August zur Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ bekannt hat, ist aus meiner Sicht richtig und konsequent. Diesen Weg würde ich ausdrücklich fortsetzen wollen.

    Grundhaltung & Fazit: Fanpolitik ist kein Randthema, sondern Teil moderner Vereinsführung. Ich stehe für einen FCS, der klar Haltung zeigt, Dialog statt Eskalation sucht und seine Fans als Teil der Lösung versteht – nicht als Problem. Nur so bleibt der Verein glaubwürdig, identitätsstark und zukunftsfähig.

    11. Sehen Sie konkreten Verbesserungsbedarf rund um die Durchführung der Heimspiele des FCS? Wie stehen Sie zur Polizeipräsenz bei sogenannten „Risikospielen“ mit Einheiten aus mehreren Bundesländern und Drohneneinsätzen, die den Steuerzahler enorm belasten?

    Ich stehe dafür, dass Sicherheit, Kostenbewusstsein und Fanrechte miteinander in Einklang gebracht werden!

    Unsere Heimspiele sollen sicher, aber nicht abschreckend, gut organisiert und für alle Beteiligten berechenbar sein. Weniger Symbolpolitik, mehr Augenmaß – davon profitieren Fans, Verein und Gesellschaft gleichermaßen.

    12. Wie möchten Sie sicherstellen, dass auf allen Ebenen des Vereins ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, bei dem das „Wir“ im Vordergrund steht und sich alle für den FCS engagierten Menschen gleichermaßen wertgeschätzt fühlen? Wie kann der Verein dem verabschiedeten Leitbild und damit auch der Bedeutung seiner Anhängerschaft gerecht werden?

      Ein echtes WIR entsteht, wenn der Verein konsequent danach handelt, was er verspricht. Man wird dem Leitbild und seinen Anhängern gerecht, wenn man führt, ohne zu entfremden, entscheidet, ohne abzuschotten, und Erfolg ermöglicht, ohne die Menschen aus dem Blick zu verlieren. Wertschätzung muss spürbar sein!

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      Hier geht es zum Fragenkatalog und den Antworten weiterer Kandidierenden für den Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken e.V.:

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      …denn für Blau und Schwarz wird’s höchste Zeit!