Im Folgenden veröffentlichen wir die eingesendeten Antworten von Aufsichtsrats-Kandidat Michel Pasquini zu dem von „Zukunft Blau-Schwarz“ veröffentlichten Fragenkatalog.
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1. Stellen Sie sich gerne einmal kurz vor: Name, Alter, Beruf und Ihr Weg zum und mit dem FCS.
Ich bin Michel Pasquini, 55 Jahre alt, deutscher und italienischer Staatsbürger und seit 25 Jahren in Saarbrücken als Unternehmer im Bereich Immobilienverwaltung tätig. Ich verantworte mit meinen sieben weiteren Teammitgliedern einen Bestand von über 1.500 Wohn- und Geschäftseinheiten im Saarland. Ich bin in Saarbrücken geboren und in Italien (Florenz) aufgewachsen, nach meinem Abitur im Jahre 1990 kam ich zurück nach Deutschland um den Wehrdienst zu leisten. Danach studierte ich Betriebswirtschaft mit Vertiefungsfach Wirtschaftsinformatik an der Universität des Saarlandes. Parallel fing ich an mich unternehmerisch zu betätigen und politische Erfahrung zu sammeln. Unter anderem nahm ich als Stadtverordneter im Saarbrücker Stadtrat am kommunalpolitischen Leben teil, dort lernte ich die Arbeit in Gremien wie Ausschüsse, Beiräte und Aufsichtsräte kennen.
Ich bin stolzer Vater zweier Söhne im Alter von 14 und 17 Jahren.
In Sachen Vereinsarbeit beim 1. FC Saarbrücken bin ich noch ein unbeschriebenes Blatt. Bisher beschränkte sich meine Unterstützung auf den Support im Ludwigspark. Zu dieser Leidenschaft wurde ich durch den ältesten meiner zwei Söhne herangeführt, der als Torwart höhere Ambitionen im Fußball hegt. Er stieß bei mir auf fruchtbaren Boden, da ich während meiner Jugend mit Hingabe im Tor stand und mich als Tifoso der Fiorentina im Stadio Comunale betätigte. Inzwischen ist der Besuch möglichst aller Heimspiele im Ludwigspark bei uns feste Tradition, und es dreht sich – wie in vielen anderen Familien auch – vieles um den Fußball. Der FCS-Virus hat auch uns infiziert!
2. Worin liegt Ihre Motivation für eine ehrenamtliche Kandidatur für den Aufsichtsrat des 1.FC Saarbrücken e.V.?
Es war die phänomenale Aufbruchstimmung in der Mitgliederversammlung vom 11. Oktober 2025 die in mir das Verlangen nach einer aktiven Rolle weckte. An diesem Samstag wuchs der Wunsch, mich nach längerer berufsbedingter Abstinenz wieder im Ehrenamt zu betätigen und einen positiven und aktiven Beitrag in dem Verein, der uns ans Herz gewachsen ist, zu leisten. Ich glaube fest an den eingeleiteten und von den Mitgliedern getragenen Wandel. Ich möchte helfen diesen Wandel zu verstärken und ihn bis in die letzte Instanz zum Erfolg zu führen.
3. Was qualifiziert Sie besonders für die Arbeit im Aufsichtsrat?
Durch meine langjährige Erfahrung als Unternehmer und meine gute Vernetzung in Saarbrücken und im Saarland, als „Zahlenmensch“ aber auch als Führungspersönlichkeit werde ich in der Lage sein einen konstruktiven Beitrag zu leisten. Teamgeist, das gemeinsame Streben nach Zielen, ein scharfer Fokus auf effiziente Strukturen und Prozesse, den ich sowohl während meines Studiums als auch beim Aufbau meiner Firma verinnerlicht habe, begleitet durch einen offenen, ehrlichen, fairen und sportlichen Umgang sind Eigenschaften, die ich in den neuen Aufsichtsrat einbringen möchte. Ich bin Mitglied vieler politischer und wirtschaftlicher Netzwerke und möchte dem Verein das Potential daraus zur Verfügung stellen.
4. Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand, in dem sich der Verein befindet? In welchen Bereichen besteht der größte Verbesserungsbedarf?
Unser Verein ist in einem Zustand des Umbruchs. Zwar konnten in den letzten Jahren einige – zum Teil mühsame – Erfolge erzielt werden. Leider jedoch liegen die Highlights der 60er und 70er Jahre lange zurück.
Den größten Verbesserungsbedarf sehe ich in den Lenkungsstrukturen des Vereins und in der internen und externen Kommunikation, die nach einer dringenden Professionalisierung schreien. Entscheidungen müssen zukünftig auf der Basis transparenter Regeln, auf der Grundlage von Erfahrung und Verantwortung, und unter offener und klarer Darstellung der Entscheidungsprozesse gefasst werden. Nicht nachvollziehbare Schritte in der Vergangenheit, gerade im Umgang mit unseren Sportprofis, schadeten dem Image des Vereins und nagten an seiner Attraktivität. Genauso wie in einem Unternehmen die Qualität der Leistung mit der Güte seiner Teammitglieder steht und fällt, kann auch unser 1. FC Saarbrücken erst dann die Besten gewinnen, wenn er ein Mehrwert mit Ausstrahlungskraft bietet und abschreckende Beispiele vermeidet.
5. Wie nehmen Sie die Infrastruktur beim FCS wahr und welche Zukunftsvision haben Sie hierzu? Welche Bedeutung hat für Sie das Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken?
Mehrwert bedeutet auch optimale Spiel- und Trainingsbedingungen für die Profis. Die Infrastruktur im Ludwigsparkstadion ist akzeptabel und bietet Potential zur weiteren Entwicklung. Trainiert wird jedoch noch in Strukturen, die des Vereins nicht würdig sind. Man denke nur an das Bild der Container neben der Tribüne, auf denen „NLZ“ gepinselt wurde. Ist das wirklich die Darstellung, die der Verein braucht?
Gerade im Umgang mit dem Thema Trainingsgeländer stellt man leider fest, dass die Stadtverwaltung das Potential unseres Vereins unterschätzt. Die Diskussion um den Proficampus hat unabhängig von der Meinung, die man zu diesem Projekt haben kann, diese Sicht der Dinge offenbart. Ein Sportverein der Landeshauptstadt, der fast so viele Mitglieder wie die größten politischen Parteien im Saarland hat, darf nicht stiefmütterlich behandelt werden. Die Stadt muss überzeugt werden, dass ein erfolgreicher 1. FC Saarbrücken auch ein Erfolg für die Landeshauptstadt und für das gesamte Saarland sein kann. Die Pokalreise, bei der unsere Stadt plötzlich im internationalen Focus stand, ist ein gutes Beispiel dafür. Von einem dauerhaften Erfolg könnte Saarbrücken sowohl vom Ansehen her als auch wirtschaftlich profitieren. Hand in Hand wird mehr fruchten als Konfrontation oder Gleichgültigkeit. Das muss auch der Stadtverwaltung klar werden. Ich möchte mich als Aufsichtsratsmitglied durch meine politischen Kontakte dafür einsetzen, dass ein Sinneswandel im Rathaus eintritt.
6. Wie blicken Sie auf die von „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen strukturellen Veränderungen und welche Themen müssen kurz- und mittelfristig umgesetzt werden? Haben Sie bereits einen konkreten Arbeitsplan oder Ansätze, an denen sich in den nächsten Monaten orientiert werden sollte?
Meine Begeisterung für diesen phantastischen Erfolg der Zukunft Blau-Schwarz habe ich mit meiner Bewerbung offenbart. Ich gehörte zu den vielen Mitgliedern, die sich Saison für Saison mit geballter Faust in der Tasche gefragt haben, wieso sich in unserem Verein nichts ändert, und wann es endlich eine Gelegenheit geben wird, um die offensichtlich verkrusteten und unbeweglichen Strukturen in ihren Regelkreisen aufzubrechen. Die Initiative wurde schließlich von der Basis ergriffen, die Mitglieder haben ihren Verein wieder in die eigene Hand genommen. Dafür empfinde ich Dankbarkeit.
Die Weichen wurden nun gestellt, um schnellstmöglich ein Kontrollgremium zu bilden, das konstruktiv und zielgerichtet an die Arbeit gehen kann. Eine klare Aufteilung der Aufgaben und die Festlegung einer internen Geschäftsordnung werden der Arbeit die Basis geben. Kurzfristig werden auch die Vorstände auszuschreiben und zu bestimmen sein. Die Arbeit im Gremium wird gerade in dieser Anfangsphase sehr intensiv sein, was das Team zusammen wachsen lassen wird.
Mittelfristig sollte der Focus auf eine radikale Veränderung der Herangehensweise beim Sponsoring liegen. Ein anderer sehr erfolgreicher Fußballverein im Saarland hat gezeigt, wie das geht. Das dafür zuständige Vorstandsmitglied muss aus unserem Verein eine begehrte Marke machen, der Umgang mit kleinen, mittleren und großen Sponsoren muss auf den Kopf gestellt werden. Die Konzepte der Bewerber für den Vorstand Strategie, Marketing und Vertrieb zum Erreichen dieses Zieles sollten als Entscheidungskriterium über die Eignung des jeweiligen Kandidaten dienen.
7. Wo sehen Sie den FCS in drei Jahren? Was sind – unabhängig vom sportlichen Erfolg – die wesentlichen Ziele, die Sie erreicht sehen wollen?
Der sportliche Erfolg ist die logische Konsequenz, der Output und die Belohnung für eine erfolgreiche Arbeit im und am Verein.
Meine Vision ist ein 1. FCS, der in drei Jahren
- klare und effiziente Strukturen aufweisen wird,
- Profis als Entscheidungsträger haben wird, die sachorientierte und gute Arbeit leisten,
- offen und transparent sowohl mit der Öffentlichkeit als auch vereinsintern kommunizieren wird,
- von Sponsoren als wertvolle Marke angesehen, und Sponsoren professionell und mit Wertschätzung behandeln wird,
- seine Mitglieder stets als zentrale Instanz und als Souverän des Vereins ansehen wird,
- von der Stadtverwaltung nicht nur wahrgenommen, sondern als positiver Botschafter für die Stadt mit allen notwendigen Mitteln unterstützt wird.
8. Welche Anforderungen haben Sie an die neu einzustellenden Vorstände? Welche Zielvorgaben sind Ihnen hierbei besonders wichtig?
Das Curriculum des neuen Vorstands wird ausnahmslos eine Spezialisierung und große Erfahrung in dem Gebiet zeigen müssen, für das sich der Kandidat beworben hat. Entsprechend sollte die Ausschreibung breit und nicht nur lokal erfolgen. Die Zielvorgaben sind vorher und nicht erst nach Einstellung zu formulieren. Der Kandidat wird seinen Plan zum Erreichen der Zielvorgaben schon im Rahmen der Bewerbung präsentieren dürfen.
Wichtige Zielvorgaben können aus meiner Sicht der sportliche Erfolg der Hauptmannschaft innerhalb eines bestimmten Zeitraums, die Anzahl der aus dem Verein generierten Nachwuchs-Profis innerhalb von fünf Jahren, die jährliche Lizenzierung, oder der Zuwachs an stabilen Sponsoren in einem Jahr sein. Die Formulierung von Zielvorgaben sollte eine Aufgabe für das gesamte Gremium des Aufsichtsrats und nicht nur für die Ressortverantwortlichen sein, damit ganzheitliche Aspekte zum Tragen kommen.
9. Wie wichtig ist Ihnen das aktive Miteinbeziehen von Fans und Mitgliedern bei der Gestaltung des Vereinslebens? Welche besondere Rolle können hierbei Arbeitskreise, bestehend aus Verantwortlichen des Vereins und der Mitgliedschaft, spielen (Stichwort Leitbildkommission, AK Blau-Schwarz ist Vielfalt, AK Blau-schwarze Geschichte etc.)? Können ergänzende Beiräte ein praktikables Modell für die Zukunft sein?
Die Mitglieder sind der Verein, und Fans – ob Mitglieder oder nicht – tragen ihn mit. Die Frage nach der Wichtigkeit der Einbeziehung stellt sich daher gar nicht, die Mitgestaltung ist selbstverständlich. Solche Gremien sind geeignet, um den Austausch und das Brainstorming mit Mitgliedern und Fans über spezifische Themen zu fördern.
Genauso wie in mittelgroßen und großen Unternehmen können Beiräte ein geeignetes Format sein um Expertise, Kompetenz und Erfahrung von Dritten bei der Vereinssteuerung zu nutzen, die Netzwerke zu erweitern und das Image des Vereins weiter zu verbessern. Dem Ansatz stehe ich sehr positiv gegenüber.
10. Wie stehen Sie zur 50+1-Regel und anderen fanpolitischen Themen, die derzeit viele Stadiongänger umtreiben (Vorhaben der Innenministerkonferenz, Regionalliga-Reform, Abschaffung von Verbandsstrafen für Pyrotechnik etc.)? Der FCS hat sich im August in einem Statement dazu bekannt, die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ zu unterstützen. Wird dieser Weg mit Ihnen fortgesetzt?
Die 50+1 Regel ist beizubehalten, da der Verein seinen Mitgliedern und nicht Investoren gehört.
Der Vorstoß der Innenministerkonferenz war unsinnig, da er ohne Not übers Ziel hinausgeschossen ist.
Eine Regionalliga-Reform ist dringend nötig, der tragische Fall des TSV Havelse hat es gezeigt. Sieger sollen belohnt werden!
Die Verbandsstrafen abzuschaffen ist eine Frage der Logik, da sie nichts bringen. Konstruktiver wäre es im Dialog mit den Fanvertretern ein Weg zu finden, um Pyrotechnik unter Wahrung der Sicherheit als Teil der gelebten Fankultur wieder zuzulassen.
11. Sehen Sie konkreten Verbesserungsbedarf rund um die Durchführung der Heimspiele des FCS? Wie stehen Sie zur Polizeipräsenz bei sogenannten „Risikospielen“ mit Einheiten aus mehreren Bundesländern und Drohneneinsätzen, die den Steuerzahler enorm belasten?
Auch bei diesen „Risikospielen“ wird übers Ziel hinausgeschossen, die Kosten werden uns Steuerzahler in Rechnung gestellt. Das kann jeder Besucher des Ludwigsparks mit eigenen Augen wahrnehmen. Der Ansatz muss geändert werden, man sollte als Ziel den Dialog bei respektvollem Umgang erreichen. Ich setze mich für einen regelmäßigen Runden Tisch zwischen Fanvertreter und Behörden ein, um ein gemeinsames Sicherheitskonzept – wenn nötig Spiel für Spiel – auf einer sachlichen und konstruktiven Art zu entwickeln. Nur so können unnötige Provokationen vermieden, und eine für alle befriedigende Lösung entwickelt werden.
12. Wie möchten Sie sicherstellen, dass auf allen Ebenen des Vereins ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, bei dem das „Wir“ im Vordergrund steht und sich alle für den FCS engagierten Menschen gleichermaßen wertgeschätzt fühlen? Wie kann der Verein dem verabschiedeten Leitbild und damit auch der Bedeutung seiner Anhängerschaft gerecht werden?
Die Entwicklung eines „Wir“-Gefühls muss vorgelebt werden. Der nun gestärkte Aufsichtsrat sollte mit gutem Beispiel voran gehen, und sich als echtes Team mit gemeinsamen Zielen und gebündelter Energie entwickeln. Mit der verstärkten Einbindung aller wichtigen Akteure im Verein stellt das Gremium sicher, dass sich jeder gesehen und auch wertgeschätzt fühlt.
Das Leitbild sollte nicht nur als Text im Raum stehen, sondern im Rahmen dieser Einbindung aktiv gelebt werden. Auf der Basis des Leitbilds können Ziele definiert werden, in denen sich alle Mitglieder der FCS-Familie vertreten fühlen.
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Hier geht es zum Fragenkatalog und den Antworten weiterer Kandidierenden für den Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken e.V.:
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…denn für Blau und Schwarz wird’s höchste Zeit!
