Antworten von AR-Kandidat Andreas Wolny

Im Folgenden veröffentlichen wir die eingesendeten Antworten von Aufsichtsrats-Kandidat Andreas Wolny zu dem von „Zukunft Blau-Schwarz“ veröffentlichten Fragenkatalog.

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1. Stellen Sie sich gerne einmal kurz vor: Name, Alter, Beruf und Ihr Weg zum und mit dem FCS.

Mein Name ist Andreas Wolny, ich bin 38 Jahre alt, im Saarland geboren und aufgewachsen. Ich bin Vater von zwei Töchtern im Alter von eins und drei Jahren. Seit drei Jahren lebe ich mit meiner Familie in Frankreich, nachdem ich zuvor mein ganzes Leben im Stadtverband Saarbrücken gewohnt habe.

Zum 1. FC Saarbrücken bin ich 1998 gekommen, als mich ein Schulfreund zum ersten Mal in den Ludwigspark in den D-Block mitnahm. Seit diesem Tag bin ich dem FCS treu geblieben. Mein erstes Trikot habe ich damals, wie viele andere auch, bei Renate gekauft. Über die Jahre sind viele Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter dazugekommen, die ich seit mehr als zwei Jahrzehnten kenne. Seit rund fünf Jahren engagiere ich mich wieder deutlich aktiver.

Nach dem Abitur habe ich Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes studiert und 2017 meinen Master mit Schwerpunkt Informationsmanagement abgeschlossen, verortet im Bereich Wirtschaftsinformatik. Mein Ziel war es, Digitalisierung und Industrie 4.0 konsequent in den Mittelpunkt meines Werdegangs zu stellen. Entsprechend habe ich meine Masterarbeit dem Thema maschinelles Lernen gewidmet, die ich bei der ZF Friedrichshafen AG schreiben durfte.

Direkt nach dem Studium bin ich bei SaarGummi in Wadern Büschfeld ins Berufsleben gestartet, zunächst im Innovationsmanagement und später mit Verantwortung für den Bereich Digitalisierung. Gemeinsam mit dem Team konnten wir mehrere Themen zur Patentierung bringen und wurden dafür auch ausgezeichnet.

Parallel dazu bin ich 2019 wieder in den Esports zurückgekehrt, zu Berlin International Gaming, kurz BIG. Ich war dort zunächst als Projektmanager tätig, später als Head of Merchandise und bin heute Head of Fanrelations sowie Sales Key Account Manager. In Organisationen mit Startup Charakter trägt man häufig mehrere Hüte, was anspruchsvoll ist, aber auch viele Einblicke in kurzer Zeit ermöglicht. Ich komme ursprünglich aus der Szene, weil ich selbst über drei Jahre professionell gespielt habe und seit rund 25 Jahren im Esports Umfeld unterwegs bin. Bei BIG arbeiten wir mit namhaften Sponsoren zusammen, aktuell oder in der Vergangenheit, darunter Philips, Knorr, Pizza Hut, Paramount Pictures, die Bayerische, Volvic, BWI und weitere. Das ist auch deshalb relevant, weil ich dadurch auf ein starkes Netzwerk deutschlandweit und europaweit zurückgreifen kann, einschließlich Agenturen wie Sportfive, Fuse, BrightUp oder Infront. Zu meinen Aufgaben gehören Pitches und Konzepte, die Partnern einen klaren Überblick über Marke, Reichweiten und Aktivierungsmöglichkeiten geben. Der Markt ist schnelllebig, daher geht es immer darum, sich weiterzuentwickeln und sauber umzusetzen.

2022 habe ich mich erstmals entschieden, für das Amt des Aufsichtsrats beim 1. FC Saarbrücken zu kandidieren, und bin damals denkbar knapp gescheitert. 2023 habe ich im Esports bewusst kürzergetreten und mich entschieden, den FCS als Mitarbeiter im Bereich Digitalisierung und Merchandise zu unterstützen. In dieser Zeit habe ich unter anderem einen neuen Webshop, das 120-Jahre-Trikot, das Retro-Trikot, die Zusammenarbeit mit Galeria Kaufhof, den Start eines Warenwirtschaftssystems, die Intensivierung der Zusammenarbeit mit Adidas, den Man of the Match, Ludwigspark Legenden (Video & Kollektion) sowie die Partnerschaft mit Black Hen und weitere Projekte mit auf den Weg gebracht und umgesetzt. Leider konnte die digitale Mitgliederverwaltung in dieser Phase nicht mehr abgeschlossen werden.

Ebenfalls 2023 bin ich zur Saarbrücker Zeitung Medienhaus GmbH in den Bereich Unternehmensentwicklung und Digitalisierung gewechselt. Die Saarbrücker Zeitung werde ich zum 31.12.2025 verlassen und mich einer neuen Aufgabe widmen. Diese werde ich zeitnah bekanntgeben, kann hierzu aus Respekt vor der kommenden Aufgabe aktuell jedoch noch keine Details nennen.

Privat spiele ich gerne Fußball und engagiere mich als Geschäftsführer beim Universitätsfußball Club Wacker 1973 e.V. Der UFC ist für mich über die Zeit zu einem Herzensprojekt geworden, weil dort viele Studierende der Universität des Saarlandes eine sportliche Heimat und Gemeinschaft finden. Wenn es die Zeit zulässt, gehe ich außerdem gerne wandern oder treffe mich Online auf eine Runde mit alten Wegbegleitern.

2. Worin liegt Ihre Motivation für eine ehrenamtliche Kandidatur für den Aufsichtsrat des 1.FC Saarbrücken e.V.?

Ich möchte Verantwortung übernehmen und den eingeschlagenen Weg konsequent mittragen. Mir geht es dabei nicht um eine Position, sondern darum, den Verein in der kommenden Übergangsphase bestmöglich zu unterstützen und dem Auftrag der Mitglieder gerecht zu werden.

Aus meiner Sicht braucht es jetzt vor allem Verlässlichkeit, klare Orientierung und eine saubere Zusammenarbeit zwischen den Gremien. Der Aufsichtsrat sollte dabei nicht laut sein, sondern wirksam: die richtigen Fragen stellen, Entwicklungen kritisch begleiten, Transparenz fördern und den Rahmen schaffen, in dem die operativ zukünftig Verantwortlichen ruhig und professionell arbeiten können. Im Mittelpunkt steht für mich ausschließlich das Wohl des Vereins und die bestmögliche Entwicklung für den 1. FC Saarbrücken e.V.

Ich bringe dafür die Innenperspektive der vergangenen Jahre mit, ergänzt um den Blick von außen sowie einen intensiven Austausch, der mir einen realistischen Zugang zu den relevanten Themen ermöglicht. Wenn es dem Verein hilft, kann ich zudem mein Netzwerk gezielt einbringen. Entscheidend ist für mich, sportliche Ambitionen und wirtschaftliche Stabilität zusammenzudenken und ein echtes Wir zu stärken, über alle Ebenen hinweg, mit Vertrauen, Pragmatismus und dem gemeinsamen Blick nach vorne.

3. Was qualifiziert Sie besonders für die Arbeit im Aufsichtsrat?

Ich kenne den Verein durch mein Engagement sowohl von innen als auch von außen. Dadurch habe ich ein gutes Gespür dafür, welche Themen gerade entscheidend sind, wo es Reibungspunkte gibt und was die Mitglieder wirklich bewegt. Für die Arbeit im Aufsichtsrat ist mir dabei besonders wichtig, in den ersten Jahren Verlässlichkeit und Ruhe mit aufzubauen. Das gelingt nur, wenn zwischen Gremien, handelnden Personen und Mitgliedern eine gemeinsame Linie entsteht und wenn man Entscheidungen nachvollziehbar erklärt und transparent begleitet.


Beruflich bringe ich genau die Perspektiven mit, die dafür hilfreich sind. Ich arbeite seit Jahren an der Schnittstelle von Digitalisierung, Unternehmensentwicklung, Innovation und Vermarktung. In dynamischen Strukturen habe ich gelernt, Interessen zusammenzuführen, Veränderungen sauber zu steuern und pragmatische Lösungen zu entwickeln, ohne die langfristigen Ziele aus dem Blick zu verlieren. Genau diese Mischung aus Struktur, Tempo und Verantwortung braucht es auch im Aufsichtsrat, der kritisch begleitet, die richtigen Fragen stellt und gleichzeitig den operativ Verantwortlichen den nötigen Rückhalt und Handlungsspielraum gibt.


Ergänzend kann ich ein belastbares Netzwerk aus Sport, Medien, Agenturen und Unternehmen einbringen, das dem Verein bei Partnerschaften, Projekten und der Weiterentwicklung konkreter Themen helfen kann. Entscheidend ist mir dabei immer der gleiche Maßstab: Was nützt dem Verein nachhaltig, was stärkt Stabilität und Professionalität und was trägt dazu bei, dass wir gemeinsam als FCS geschlossen auftreten.

4. Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand, in dem sich der Verein befindet? In welchen Bereichen besteht der größte Verbesserungsbedarf?

Wir befinden uns nach der Satzungsänderung in einer Übergangsphase, in der Vertrauen, Verlässlichkeit und saubere Prozesse entscheidend sind. Aus meiner Sicht ist der größte Hebel dabei Transparenz und Kommunikation: Entscheidungen müssen nachvollziehbar für die Mitglieder vorbereitet und anschließend klar erklärt werden, damit Unruhe, Gerüchte und Lagerdenken gar nicht erst entstehen. Das ist die Grundlage dafür, dass die Verantwortlichen im Sport und in der Geschäftsstelle fokussiert arbeiten können.

Gleichzeitig sollte der Verein seine Position in relevanten Netzwerken noch aktiver einnehmen und ausbauen. Ich halte es für wichtig, dass der FCS in nationalen Formaten und Austauschkreisen präsent ist, etwa bei Branchentreffen wie der SPOBIS oder Initiativen von DFB und DFL, um Entwicklungen frühzeitig einzuordnen, eigene Interessen zu vertreten und Kontakte im Sinne des Vereins zu vertiefen. Dabei kann ich mein berufliches Netzwerk aus Sport, Medien, Vermarktung und Digitalisierung gezielt einbringen, wenn es konkret hilft.

Und am Ende wird auch Infrastruktur ein zentraler Erfolgsfaktor bleiben. Sportlicher Anspruch, wirtschaftliche Stabilität und die passenden Rahmenbedingungen gehören zusammen. Deshalb braucht es hier eine klare Priorisierung, ein belastbares Konzept und ein konstruktives Zusammenspiel mit der Stadt, damit der Verein nicht nur kurzfristig reagiert, sondern langfristig planen und wachsen kann.

5. Wie nehmen Sie die Infrastruktur beim FCS wahr und welche Zukunftsvision haben Sie hierzu? Welche Bedeutung hat für Sie das Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken?

Die Infrastruktur beim FCS nehme ich aktuell zweigeteilt und insgesamt nicht zufriedenstellend wahr. Beim Ludwigspark ist in den vergangenen Jahren zwar viel passiert, auch wenn wir das als Fans und Mitglieder im Alltag nicht immer so wahrnehmen. Es ist ein neues Stadion entstanden, das in vielen Bereichen jedoch eher dem Minimalprinzip folgt und den Ambitionen eines Profivereins, der perspektivisch höherklassig spielen will, noch nicht gerecht wird. Das zeigt sich an mehreren Punkten: sanitäre Anlagen, fehlende Lager und Logistikflächen im Stadionbetrieb, aber auch Themen wie die Weiterentwicklung der freien Flächen in Richtung dauerhafter Zweitligatauglichkeit sowie der Ausbau der Stehplatzkapazitäten für bezahlbare Tickets. Hinzu kommen Aspekte, die unmittelbar das Spielerlebnis betreffen, etwa Fantrennung, Wegeführung und Zugangssituationen sowie die Parkplatz und Verkehrsthematik rund um Spieltage.

Gleichzeitig sieht man im Trainingsalltag, dass wir bei Trainingsflächen, Funktionsräumen und dem gesamten Setup noch nicht dort sind, wo ein ambitionierter Profiverein langfristig hinmuss. Wenn ein Standort wie das Sportfeld nicht einmal über ein Flutlicht verfügt, verdeutlicht das den Handlungsbedarf sehr klar. Ein Großteil der Saison wird nachmittags im Dunkeln trainiert. Auch die räumliche Trennung zwischen Geschäftsstelle und sportlichem Bereich ist aus meiner Sicht nicht optimal. Ich würde mir wünschen, dass diese Bereiche perspektivisch enger zusammenwachsen, weil kurze Wege, direkte Abstimmung und gemeinsames Arbeiten im Alltag enorm viel ausmachen und das  „Wir“-Gefühl stärken würden.

Meine Zukunftsvision ist ein klarer Entwicklungspfad in Stufen. Kurzfristig braucht es vor allem einen vertrauensvollen, verbindlichen Dialog mit der Stadt Saarbrücken als Eigentümerin der zentralen Infrastruktur und gleichzeitig spürbare Verbesserungen am Sportfeld, damit Trainings und Abläufe verlässlich möglich sind. Mittelfristig braucht es dann eine belastbare Gesamtlösung, die Profibereich und NLZ strukturell zusammendenkt und dem Verein echte Planungssicherheit gibt.

Das Zusammenspiel mit der Stadt Saarbrücken hat dabei für mich eine Schlüsselrolle. Ludwigspark und Sportfeld sind nicht nur Vereinsthemen, sondern Infrastruktur der Stadt und der Region, mit vielen Anspruchsgruppen. Umso wichtiger sind klare Zuständigkeiten, verbindliche Absprachen und ein gemeinsames Zielbild, damit Projekte nicht in Abstimmungen stecken bleiben.

Ich wünsche mir eine Partnerschaft auf Augenhöhe, in der perspektivisch auch Modelle denkbar sind, die dem Verein mehr Verantwortung und Gestaltungsspielraum ermöglichen. Der Verein muss Bedarfe, Prioritäten und Nutzungskonzepte sauber einbringen, die Stadt muss verlässliche Rahmenbedingungen und Planbarkeit schaffen. Wenn beides zusammenkommt, entsteht Ruhe und echte Entwicklung statt Dauerprovisorium. Und davon bin ich überzeugt: Eine Win-Win Situation für beide Seiten.

6. Wie blicken Sie auf die von „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen strukturellen Veränderungen und welche Themen müssen kurz- und mittelfristig umgesetzt werden? Haben Sie bereits einen konkreten Arbeitsplan oder Ansätze, an denen sich in den nächsten Monaten orientiert werden sollte?

  1. Ich blicke sehr positiv auf die durch „Zukunft Blau-Schwarz“ angestoßenen strukturellen Veränderungen. Ich habe die Initiative auch öffentlich unterstützt und mich im Rahmen meiner Möglichkeiten in den Prozess eingebracht.

Mit der AOMV wurde mit sehr großer Mehrheit ein klarer Auftrag an die neuen Mitglieder des Aufsichtsrats erteilt. Diesen Auftrag gilt es jetzt konsequent und zugleich verantwortungsvoll umzusetzen, mit Ruhe, Struktur und einem klaren Plan.

Kurzfristig stehen aus meiner Sicht zwei operative Themen im Vordergrund:

Erstens die anstehende Lizenzierung, die Voraussetzung dafür ist, dass der Verein auch in der kommenden Saison an den Wettbewerben teilnehmen kann. Dafür wird es entscheidend sein, eng und konstruktiv mit den aktuellen Verantwortlichen zusammenzuarbeiten, um die notwendigen Unterlagen fristgerecht, vollständig und in der erforderlichen Qualität einzureichen.

Zweitens die Bestellung der Vorstände. Der Aufsichtsrat muss hier zeitnah handlungsfähig werden, die strategischen Leitplanken definieren und anschließend die personellen Entscheidungen treffen, damit die neue Satzung nicht nur auf dem Papier steht, sondern im Alltag funktioniert.

Parallel dazu braucht es in den ersten Monaten eine saubere Bestandsaufnahme. Ich meine damit eine strukturierte „Inventur“ über Verträge, finanzielle Rahmenbedingungen, laufende Projekte, Prozesse und personelle Ressourcen. Dazu gehören für mich auch Gespräche mit möglichst vielen Mitarbeitenden und Verantwortlichen, um ein realistisches, detailliertes Gesamtbild zu bekommen. Nur auf dieser Grundlage lassen sich Prioritäten setzen, Risiken früh erkennen und der Übergang in die nächste Saison möglichst reibungslos gestalten.

Ein klarer Vorgehensrahmen mit Zeitschiene kann sein: erst Sicherstellung der Lizenzierung und Handlungsfähigkeit, dann Vorstandsbesetzung und Leitplanken, anschließend Bestandsaufnahme und daraus abgeleitete Prioritäten für die nächsten sechs bis zwölf Monate.

7. Wo sehen Sie den FCS in drei Jahren? Was sind – unabhängig vom sportlichen Erfolg – die wesentlichen Ziele, die Sie erreicht sehen wollen?

Ich sehe einen Verein, der wirtschaftlich stabil und erfolgreich ist, seine Sponsoringerlöse auf mehrere starke Säulen verteilt und dadurch schuldenfrei sowie unabhängig in seinen Entscheidungen bleibt. Ein Verein, in dem die Mitglieder sich gut informiert und ernst genommen fühlen und keine Sorgen haben müssen, ob und wie es finanziell weitergeht.

Darüber hinaus wünsche ich mir, dass der Verein zu gesellschaftlich relevanten Themen eine klare Haltung entwickelt und diese auch nachvollziehbar kommuniziert. Idealerweise im Dialog mit den Mitgliedern, ohne sich wegzuducken, aber auch ohne Aktionismus. Das sollte nicht als lästiges Pflichtprogramm verstanden werden, sondern als Teil moderner Vereinsverantwortung, inklusive der aktiven Mitarbeit in Arbeitskreisen und Gremien.

8. Welche Anforderungen haben Sie an die neu einzustellenden Vorstände? Welche Zielvorgaben sind Ihnen hierbei besonders wichtig?

Mir ist zunächst wichtig, dass Bewerberinnen und Bewerber unseren Verein und vor allem die Übergangsphase mit ihren Herausforderungen wirklich verstehen. Das mag trivial klingen, ist es aber nicht. Ich sehe es daher ausdrücklich nicht als Schwäche, wenn jemand dazu Fragen stellt oder sich aktiv innerhalb des Vereins und beim Aufsichtsrat informiert. Im Gegenteil: Nur so entsteht ein realistisches Bild der Aufgabe und der Verantwortung.

Wir können nicht erwarten, ausschließlich Personen zu finden, die alle Themen, Risiken und Ziele im Detail und den Verein kennen. Das heißt nicht: Dass ich mir nicht Bewerber und Bewerberinnen mit blau-schwarzer Vergangenheit wünschen würde.

Wenn wir aber offen erklären, worum es geht, erhöhen wir die Chance, gute Kandidatinnen und Kandidaten zu gewinnen, die sich bewusst für diese Aufgabe entscheiden, sich damit identifizieren und die gemeinsam definierten Ziele anschließend auch verlässlich mittragen.

Ein zentrales Leitprinzip sollte dabei immer sein, den Verein wirtschaftlich stabil und erfolgreich aufzustellen.

9. Wie wichtig ist Ihnen das aktive Miteinbeziehen von Fans und Mitgliedern bei der Gestaltung des Vereinslebens? Welche besondere Rolle können hierbei Arbeitskreise, bestehend aus Verantwortlichen des Vereins und der Mitgliedschaft, spielen (Stichwort Leitbildkommission, AK Blau-Schwarz ist Vielfalt, AK Blau-schwarze Geschichte etc.)? Können ergänzende Beiräte ein praktikables Modell für die Zukunft sein?

Sehr wichtig. Als Fan und als Mitglied wünscht man sich vor allem eines: echte Beteiligung. Wenn Mitglieder spürbar eingebunden werden, werden Entscheidungen nachvollziehbarer, und der Verein gewinnt an Transparenz, Vertrauen und Zusammenhalt. Genau deshalb spielen Arbeitskreise eine besondere Rolle, und sie sind heute wichtiger denn je.

Gerade beim Thema blau schwarze Geschichte wurde der Grundstein bereits von engagierten Menschen im Umfeld des Vereins gelegt, die mit viel Herzblut begonnen haben, unsere Vergangenheit aufzuarbeiten. Ich selbst habe an den Veranstaltungen teilgenommen und war begeistert und zugleich auch schockiert. Denn dazu gehören nicht nur die glanzvollen Kapitel, sondern auch die unrühmlichen Zeiten. Auch diese gehören zur Wahrheit, weil man nur aus ihnen lernen kann und damit so etwas nicht noch einmal passiert.

Für die Zukunft könnte ich mir hier noch deutlich mehr vorstellen, etwa ein dauerhaftes Format zur Dokumentation und Vermittlung unserer Vereinsgeschichte, bis hin zu einem FCS Museum oder einer vergleichbaren Lösung. Wichtig ist mir dabei, dass wir die Geschichte nicht nur als Rückblick behandeln, sondern als Teil unserer Identität, die wir bewusst in die Zukunft tragen. Ergänzend halte ich Beiräte für ein sehr praktikables Modell. Sie können Vorstand und Aufsichtsrat fachlich beraten und bei Bedarf gezielt zu Sitzungen hinzugezogen werden.

10. Wie stehen Sie zur 50+1-Regel und anderen fanpolitischen Themen, die derzeit viele Stadiongänger umtreiben (Vorhaben der Innenministerkonferenz, Regionalliga-Reform, Abschaffung von Verbandsstrafen für Pyrotechnik etc.)? Der FCS hat sich im August in einem Statement dazu bekannt, die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ zu unterstützen. Wird dieser Weg mit Ihnen fortgesetzt?

Die 50+1 Regel halte ich für sehr wichtig, weil sie die Mitgliederrechte schützt und sicherstellt, dass die Kontrolle über den Verein im Kern bei den Mitgliedern bleibt. Gerade in Zeiten, in denen sich Strukturen verändern und wirtschaftlicher Druck steigt, ist das für mich ein zentraler Grundpfeiler.

Auch bei fanpolitischen Themen sollte der Verein aus meiner Sicht Haltung zeigen dürfen und, wenn es nötig ist, auch zeigen müssen. Idealerweise nicht aus dem Bauch heraus, sondern im Austausch mit den eigenen Mitgliedern wie z.B. in einem Fanbeirat, damit man gemeinsam eine klare, tragfähige Linie entwickelt.

Ich werde mich im Rahmen dieser Frage auch konkret dafür einsetzen, die Initiative „Verbandsstrafen abschaffen“ weiterhin aktiv zu unterstützen und mit Nachdruck voranzutreiben, weil ich überzeugt bin, dass wir eine fairere und zielführendere Lösung brauchen.

11. Wo sehen Sie konkreten Verbesserungsbedarf rund um die Durchführung der Heimspiele des FCS? Wie stehen Sie zur Polizeipräsenz bei sogenannten „Risikospielen“ mit Einheiten aus mehreren Bundesländern und Drohneneinsätzen, die den Steuerzahler enorm belasten?

Ja, ich sehe teilweise erheblichen Verbesserungsbedarf rund um die Durchführung der Heimspiele, vor allem bei Abläufen, Kommunikation und dem gemeinsamen Verständnis von Sicherheit. Mir ist wichtig, dass Spieltage für alle planbar, professionell und möglichst stressfrei ablaufen, für Fans (Heim und Gast), Familien, Mitarbeitende, Ehrenamtliche und auch Einsatzkräfte.

Sicherheit muss gewährleistet aber verhältnismäßig organisiert werden. Ich halte es für sinnvoll, dass der Verein gemeinsam mit Stadt, Polizei, Sicherheitsdienst, Fanbetreuung und Fanprojekten dauerhaft im Austausch steht, konsequent auf Deeskalation setzt und Fans nicht pauschal unter Generalverdacht stellt. Dass sich die überwältigende Mehrheit der Stadionbesucher sicher fühlt, zeigt der Zuspruch von Fans in den Stadien bundesweit (Stichwort: Innenministerkonferenz).

Wenn dieser Austausch von Vertrauen geprägt ist, bin ich überzeugt, dass Deeskalation häufiger zur Leitlinie wird, statt vorschnell jedes zweite Spiel „auf Rot“ zu stellen und damit den Stadionbesuch im Ludwigspark für viele zur Belastungsprobe zu machen. Unabhängig von der jeweiligen Risikoeinschätzung sollte zudem das Thema Stadionweg stärker in den Fokus rücken. Shuttle-Busse, eine barrierefreie Anreise und eine verlässliche Wegeführung sind Punkte, für die sich der Verein aktiver einsetzen muss. In meiner Rolle im Aufsichtsrat würde ich darauf drängen, dass der FCS ein dauerhaftes Format für Sicherheits- und Spieltagsdialog etabliert, Kennzahlen und Vorfälle strukturiert auswertet und daraus konkrete Verbesserungen ableitet, etwa bei Einlass, Ordnerkonzept, Wegeführung, Kommunikation, Fanarbeit und Beschwerdemanagement. Letzeres muss deutlich ernster genommen werden, wenn wir als Verein unsere Fans ernst nehmen wollen. Dazu gehören klare Ansprechstellen, transparente Zuständigkeiten, verbindliche Rückmeldefristen und eine nachvollziehbare Auswertung, damit aus Beschwerden konkrete Verbesserungen entstehen statt Frust und das Gefühl, nicht gehört zu werden. So hätte auch bspw. ein Awareness-Konzept eine realistische Umsetzungsmöglichkeit ohne als Plakatpolitik zu enden.

Ziel ist für mich ein sicherer Spieltag mit möglichst wenig Reibung und ohne unnötige Eskalation.

12. Wie möchten Sie sicherstellen, dass auf allen Ebenen des Vereins ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, bei dem das „Wir“ im Vordergrund steht und sich alle für den FCS engagierten Menschen gleichermaßen wertgeschätzt fühlen?

Durch Vertrauen.

Ein echtes Wir entsteht nicht durch Appelle, sondern durch einen gemeinsam getragenen Sinn. Unser neu verabschiedetes Leitbild gibt darauf Antworten. Entscheidend ist, dass dieses Leitbild im Verein konsequent erzählt und vorgelebt wird, in Geschäftsstelle, Mannschaft, Gremien, Ehrenamt und Kurve.

Gemeinschaftsgefühl wächst, wenn Menschen sich sicher fühlen, respektiert werden und keine internen Gegner befürchten müssen. Führung heißt für mich, Rahmen und Kultur zu schaffen, in der man sich gegenseitig schützt, Fehler ansprechen darf und Zusammenarbeit belohnt wird. Dazu gehören regelmäßige Formate, in denen Fans, Ehrenamt, Mitarbeitende und Abteilungen sichtbar wertgeschätzt werden, nicht nur bei Erfolgen. Nicht verhandelbar ist für mich, dass niemand innerhalb des Vereins eine Position oder ein Mandat nutzt, um Druck auszuüben oder andere klein zu halten. Dafür werde ich mich entschieden einsetzen

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Hier geht es zum Fragenkatalog und den Antworten weiterer Kandidierenden für den Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken e.V.:

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…denn für Blau und Schwarz wird’s höchste Zeit!