Stellungnahme der Fanhilfe Saarbrücken:
Wir zahlen nicht für euren Sicherheitswahn –
Fans und Vereine: Wehren wir uns!
Weitaus früher als es uns lieb gewesen wäre, müssen wir uns als Fanhilfe Saarbrücken an diesem Wochenende bereits mit einer ersten größeren Stellungnahme zu Wort melden. Und ohne das Ganze künstlich aufbauschen zu wollen: Der Anlass dafür könnte für unseren 1. FC Saarbrücken e. V. und den saarländischen Profifußball im Allgemeinen drastische Auswirkungen haben.
Um die Kinder direkt beim Namen zu nennen, sprechen wir im Wesentlichen von zwei Punkten: Im Zuge einer neuen Gesetzesinitiative, über die bereits in der kommenden Woche im Landtag beraten werden soll, will das saarländische Innenministerium zum einen die rechtlichen Voraussetzungen für die Umlegung von Polizeikosten auf Vereine schaffen. Zum anderen soll die Polizei im Rahmen einer erneuten Verschärfung des saarländischen Polizeigesetzes mit teils weitreichenden neuen Befugnissen ausgestattet werden, die auch und gerade für Fußballfans Anwendung finden könnten.
Erweiterte Befugnisse für einen ohnehin bereits maßlos hochgerüsteten Polizeiapparat
Führt man sich das Handeln der saarländischen Polizei nicht zuletzt anhand der allwöchentlichen Szenerien rund um Spiele im Saarbrücker Ludwigspark vor Augen, so erschließt sich wohl kaum jemandem, warum diese Institution nun sogar noch weitere Spielräume erhalten soll. Regelmäßig erleben wir bereits heute eine völlig wahllos agierende, nicht selten martialisch auftretende und rundum aufgerüstete Staatsmacht. Und dennoch bemüht man im Innenministerium dieser Tage mal wieder die üblichen Narrative „neuer Bedrohungslagen“, „technischer Entwicklungen“ und „polizeilicher Praxiserfahrungen“ und will so in verschiedenen Bereichen polizeiliche Befugnisse nochmals erweitern. So sollen künftig unter anderem die Möglichkeiten der Drohnenüberwachung ausgeweitet, der Einsatz von KI zur automatisierten Datenauswertung erlaubt und eine Meldepflicht für nach Einschätzung der Polizei potenzielle Straftäter eingeführt werden. Welche tatsächlichen Bedrohungen solche Maßnahmen gerade im beschaulichen Saarland erfordern, wird wohl das Geheimnis der Landesregierung bleiben.
Statt beispielsweise durch die Einführung einer Kennzeichnungspflicht oder unabhängiger Beschwerdestellen endlich eine stärkere gesellschaftliche Kontrolle über das polizeiliche Handeln zu ermöglichen, öffnet das Innenministerium mit den neuen Maßnahmen Tür und Tor für eine noch willkürlichere und repressivere Polizeiarbeit. Davon, wie diese bereits heute regelmäßig aussieht, können gerade Fußballfans, genauso aber auch Saarbrücker Anwohnerinnen und Passanten bekanntermaßen mehr als nur ein Lied singen. Und auch bei den neuen Maßnahmen ist konkret zu befürchten, dass diese wie so viele zuvor, eher früher als später zunächst an Stadionbesuchern erprobt werden: noch mehr Drohnen am Himmel über dem Saarbrücker Ludwigspark, KI-gestützte Auswertung von Überwachungskameras oder eben gleich die präventive Verhängung einer Meldepflicht für unliebsame Fans, denen der Stadionbesuch damit gleich mit verwehrt wird.
Es zeigt sich erneut: Statt dem ohnehin bereits häufig völlig absurden Treiben der saarländischen Polizei endlich Einhalt zu gebieten und zumindest zurück zu einem halbwegs verhältnismäßigen „Normalzustand“ zu kommen, scheint die pauschale Kriminalisierung und Überwachung von Bürgerinnen und Bürgern politisch mittlerweile selbst von einer sozialdemokratischen Landesregierung gewollt zu sein. Dass all diese Verschärfungen nicht zuletzt von der Polizei selbst gefordert und nun auch von ihrer Aufsichtsbehörde erhört werden, zeigt die ganze Klüngelei hinter diesem politischen Prozess. Unter derselben Decke steckend wird geplant und umgesetzt, während eine unabhängige und objektive Bewertung von außen Wunschdenken bleibt.
Wir tragen nicht die Kosten für ihren Sicherheitswahn!
Ist das polizeiliche Schauspiel rund um Fußballspiele im Saarland eigentlich bereits in vielerlei Hinsicht absurd genug, soll dem Ganzen nun endgültig die Krone aufgesetzt werden: Fans und Vereine sollen diesen Irrsinn nicht nur wöchentlich über sich ergehen lassen müssen, sondern ihn künftig auch noch selbst finanzieren. Schon im Januar 2025, nachdem das Bundesverfassungsgericht entschieden hatte, dass im Rahmen von Veranstaltungen (überwiegend Fußballspiele) anfallende Kosten für Polizeieinsätze nach Bremer Vorbild an Vereine weitergegeben werden dürfen, kündigte der saarländische Innenminister Reinhold Jost schnell an, dass diese Praxis auch in unserem Bundesland Schule machen könnte. Nun soll also im Eiltempo noch in dieser Legislaturperiode der gesetzliche Rahmen für eine solche Kostenumlage geschaffen werden – für eine wirkliche Einbeziehung der saarländischen Vereine in das Verfahren war nach unserem Kenntnisstand bis dato keine Zeit (oder eben kein Interesse) gegeben.
Und dabei ist die angestrebte Praxis wirklich eine einzige Farce: Die Polizei entscheidet künftig weiterhin vollkommen eigenständig über die Risikoeinstufung von Fußballspielen – wie realitätsfern hier vorgegangen wird, haben wir gerade in Saarbrücken in den vergangenen Jahren häufig erleben dürfen – und dementsprechend über die Zahl eingesetzter Einsatzkräfte. Eine unabhängige Kontrolle dieses Verfahrens ist genau wie ein Mitspracherecht der Vereine nicht vorgesehen, am Ende des Tages sollen diese aber die Rechnung zahlen. Selbst konservativ geschätzt müssen wir unseren Informationen nach bei Risikospielen von einem hohen fünfstelligen bis niedrigen sechsstelligen Betrag ausgehen, der Gesetzesentwurf ist gerade für Traditionsvereine wie den 1. FC Saarbrücken e. V. somit schlicht existenzgefährdend!
Wie der DFB in dieser Woche bereits ankündigte, werden die Kosten in jedem Fall von den betroffenen Klubs getragen werden müssen und die Erfahrung aus Bremen zeigt, dass den Vereinen zur Wahrung ihrer (wirtschaftlichen) Wettbewerbsfähigkeit dann wiederum mutmaßlich keine andere Wahl bleiben wird, als das Ganze über eine Erhöhung der Ticketpreise an die Stadiongänger weiterzugeben. Die Folge: Der Stadionbesuch, welcher jedes Wochenende verschiedenste soziale Schichten zusammenkommen lässt, eine für unzählige Menschen starke Identifikation auch und gerade mit Stadt und Region schafft und ein gleichermaßen populäres wie wichtiges Kulturgut darstellt, wird deutlich teurer und für einen Teil des Stadionpublikums wohl kaum mehr bezahlbar. Wir fragen uns allen Ernstes, wie eine solche Politik im Sinne einer vermeintlich sozialdemokratischen Landesregierung sein kann – gerade im politischen Klima dieser Tage.
Lassen wir uns nicht spalten – wehren wir uns gemeinsam!
Beifall für das Gesetzespaket kommt indes von Polizeigewerkschaften und „Law and Order“-Fanatikern aus Politik und Medien. Auf populistischste Weise wird erneut versucht Fußballfans und -vereine gegen (den restlichen Teil der) Steuerzahler auszuspielen. Der immer weiter ausufernde Sicherheitswahn sowie der bundesweit voranschreitende autoritäre Staatsumbau, in den sich auch die generellen Verschärfungen des saarländischen Polizeigesetz einreihen, richten sich jedoch nicht nur gegen die Interessen von Fußballfans, sondern betreffen auch heute schon verschiedenste weitere gesellschaftliche Gruppen. Weisen wir die gegenseitigen Stigmatisierungen zurück und wehren wir uns gemeinsam gegen diese spalterische Politik!
In gleicher Weise sprechen wir uns als Fanhilfe Saarbrücken auch klar gegen den Versuch aus, einen Keil zwischen Vereine und Fans zu treiben und die jeweiligen Fangemeinden als solche zu spalten. Wir sind davon überzeugt, dass Fans und Vereine auch diesen Versuch ins Leere laufen lassen werden und ihn im Gegenteil mit nur noch stärkerem Zusammenhalt und fanschichten- sowie tribünenübergreifender Solidarität beantworten werden. Für uns gibt es keine besseren oder schlechteren Fans und erst recht lassen wir uns dies nicht von irgendwelchen Innenpolitikern einreden. Denn wir alle sind der 1. FC Saarbrücken e. V.!
Unsere Botschaft an die saarländische Landesregierung und die SPD-Landtagsfraktion ist klar: Der 1. FC Saarbrücken e. V. sowie der absolute Großteil seiner Mitglieder, Fans und Sympathisanten lehnen diesen Gesetzesentwurf entschieden ab. Hand in Hand werden wir uns in den nächsten Wochen weiter entschlossen dagegen auflehnen und den Widerstand gegen den staatlichen Sicherheitswahn weiter organisieren.
Fans und Vereine: Wehren wir uns!
Fanhilfe Saarbrücken am 11. September 2026
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